| M | D | M | D | F | S | S |
|---|---|---|---|---|---|---|
| « Dez | ||||||
| 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | |
| 7 | 8 | 9 | 10 | 11 | 12 | 13 |
| 14 | 15 | 16 | 17 | 18 | 19 | 20 |
| 21 | 22 | 23 | 24 | 25 | 26 | 27 |
| 28 | 29 | 30 | 31 | |||
22.12.2010 von Nadine.
Es gab eine Zeit, in der haben wir geplant und Träume und Schäume gehabt und Erwartungen und Vorstellungen, Ideen und Fragezeichen und viel viel Mut. Damals mussten wir über Widerstände nicht springen, denn wir sind darüber geschwebt wie von selbst und alles schien möglich. Im Rückblick ist das für mich eine tolle Zeit, weil egal, welche Probleme es da möglicherweise im Kleinen gab, über allem die Gewissheit stand: Was auch immer ihr anderen alle sagt, dieser Film wird geil! Und uns könnt ihr gar nichts!
Die nächste Zeit, die kam, war eine Zeit, in der es wohl schon, ja natürlich manche Zweifel gab, die jedoch so meterdick von Arbeit überdeckt war, dass man sich gar nicht wirklich damit aufhalten konnte. Andererseits steckte man doch sowieso schon viel zu tief drin, als dass man den Zweifeln jemals hätte nachgeben können. So ließ man sie dann einfach unter dem Stapel Arbeit liegen und guckte gar nicht mehr dort nach.
Die dritte Zeit war geprägt von Euphorie. Denn tatsächlich schienen sich Wünsche und Vorstellungen aus der ersten Phase in dieser dritten auf Film bannen zu lassen. Alles, wofür man so lange gekämpft hatte, befand sich auf diesen Rollen und das war mehr als eine Genugtuung, diese zwei Wochen in diesem verdammten gelben Haus waren die zwei schönsten in meinem Leben.
In der Zeit, die darauf folgte, der vierten Zeit schlich sich immer mehr Trägheit ein und mit der Trägheit kam die Fragwürdigkeit. Denn Dinge, die man lange betrachtet, offenbaren Fehler. Zum ersten Mal wurde aus dem Geschenk eine Last, aus Fragen meinte man Vorwürfe herauszuhören. Die Lustlosigkeit gebar irgendwann einen trotzigen Widerstand und der hievte das Ding über die Ziellinie - eine Befreiung… vermeintlich.
Es war in der fünften Zeit ein wunderschönes Gefühl, auf die Bühne zu treten und sagen zu können: Wir habens euch doch gesagt. Wir hatten sehr wohl eine Filmrolle in der Kamera, Ayuda gibt es und es ist fertig! Es hat sich gelohnt, Paare zu entzweien, Firmen in den Ruin zu reißen und unbescholtene Dorfbewohner um den Verstand zu bringen! Naja, gelohnt hat es sich vielleicht nicht, aber zumindest war es nicht umsonst.
Einige Zeit danach, als wir bemerkten, aber es uns nicht eingestehen wollten, dass die fünfte Zeit, wenn, dann nur eine kurze Zeit, vielleicht aber auch weniger war, nannten wir diese fünfte Zeit “Ayudas schönsten Abend”. Es war eine hohe Erwartung, mit einem Abend drei Jahre Arbeit aufzuwiegen. Und doch, so fanden wir, hatte es irgendwie funktioniert. Der Ameisen-Kurt hatte sich mit 13 Begleitpersonen angemeldet, Lisa hat ihren Anschlusszug verpasst, wurde aber in Andernach abgeholt, auf unseren Plätzen im Kino stand Popcorn bereit, meine Eltern haben stolz ihre Platzreservierung mit nach Hause genommen, Maria versprach Sebi dem Chef der KHM vorzustellen, Familie Orth hat uns einen Präsentkorb voller Süßigkeiten geschenkt, es gab drei Ayuda-Kuchen, einer davon hatte drei Stockwerke, Andi hat es nach seinem Konzert in Karlsruhe noch rechtzeitig ins Kino geschafft, J.D. hielt “The Real Safri Duo” für das echte Safri Duo, Sebi beendete seine Karriere auf der Party am frühen Morgen, das letzte Bild vor dem Abspann hat nicht nur mich zu Tränen gerührt.
Seit über einem Jahr dauert die sechste Zeit an. Und die hat uns alle müde gemacht. Ich habe oft an die erste Zeit gedacht und darüber nachgedacht, was wir da eigentlich gedacht haben. Aber davon wird einem ja auch schwindelig. Ich wollte nie Aufmerksamkeit für Ayuda in der Zeitung, sondern im Publikum. Ich wollte nicht, dass Ayuda für seinen Produktionsprozess gelobt wird, sondern für sich, als Film. Ich wollte und ich dachte auch, Ayuda bekommt eine Chance. Jetzt, in der sechsten Zeit macht es mich traurig, dass den Film nicht viele sehen konnten, dass ich mich mit den Beteiligten nicht ohne schlechtes Gewissen treffen kann, dass ich immer mehr Festivalvorschläge weiterleite, von denen nichts zu erwarten ist.
Das Leben ging weiter. Die Schauspieler haben längst neue Szenen auf ihren Demobändern, Ralf hat geheiratet, einige Leute habe ich nach dem Dreh nie wieder gesehen und ich bin in Potsdam und sehe, auf welchem Stand wir mit Ayuda waren, ganz allein, und verstehe nicht, warum es nicht geschätzt wird. Das Schwierige an der sechsten Zeit, und das unterscheidet sie sehr von der vierten, ist, dass man immer mehr erkennt, dass man mit all den Gedanken immer alleiner ist, denn klar, das Leben geht weiter und für wen ist das noch Thema. Und wenn es Thema war, wurde es verständlicherweise in Phase 5 abgehakt.
Eine siebte Zeit wäre dann vielleicht eine, in der man selbst auch nicht mehr nachdenkt darüber. Und ich glaube in der Sorge darüber, dass so eine eintreten könnte, würde ich gerne DVDs machen und Kinos fragen und so viele wie möglich sollten Ayuda noch sehen, bevor 2012 sowieso die Welt untergeht.
Geschrieben in Filmblog | 4 Kommentare »
8.11.2009 von Sebastian.
Ich sitze hier vor meinem Computer und ich höre mir die Datei “Ayuda Hauptmix.aif” an, das ist eine Audiodatei, die ich gestern bekommen habe. Was das ist? Das ist der Ton, der Teil des Ganzen, den man immer mitdenkt bei dem Begriff “Audiovisuelle Medien”, über den man aber eigentlich garnichts weiß. Jeder spricht von Kameras und Licht und Spezialeffekten, wenn man einen tollen Film sieht, aber wirklich niemand spricht vom Ton, vielleicht mal von der Musik, aber das wars dann auch schon. Ich höre jedenfalls jetzt den Ton und kontrolliere ihn ein letztes Mal, denn morgen um 14:00h wird für “Ayuda” ein ganz wichtiger Moment kommen, der Moment der Fertigstellung. Wenn alles nach Plan läuft, können wir morgen Abend sagen: “Ja, Ayuda ist fertig!” oder “Ayuda, ja stimmt, das war doch mal dieser Film…”, wir sprechen davon in der Vergangenheitsform und loben die Arbeit daran im Audiokommentar.
Das heißt also konkret, dass wir jetzt ziemlich genau 100 Minuten Zeit haben, um ein bisschen zu plaudern. Ich könnte davon erzählen, was uns in der letzten Zeit noch so alles passiert ist, mit diesem Film. Da wäre sicher Christoph zu erwähnen. Christoph kennt ihr bislang noch nicht, denn wir kennen ihn auch erst seit ein paar Wochen. Wir fanden ihn von anfang an nett, weil er uns helfen wollte Ayuda fertig zu machen und diese Leute sind uns ja immer direkt sympathisch. “Nett, ja, aber ein bisschen zu normal…” hatte Nadine nach einem unserer ersten Treffen mal gesagt. Aber das war ja noch am Anfang, da dachten wir Christoph wäre normal. Ist er aber nicht. Zunächst einmal ist er der Chef-Tondesigner und Chef-Mischtonmeister unserer Lieblingsstuntfirma Action-Concept. Normalerweise vertont er da den ganzen Tag Reifenquietscher und Schusswaffengebrauch der allseits bekannten und beliebten “Cobra 11″ Autobahnpolizeieinheit. Irgendwie haben wir ihn dann dazu gebracht, dass er am Wochenende und Abends nach der Arbeit auch noch “Ayuda” fertig vertont, denn Dennis hatte bis dahin ja schon das meiste gemacht. Nach eigenen Angaben freute er sich darüber, dass es bei “Ayuda” “etwas ruhiger” zugeht, ja tatsächlich, die Distanz zwischen “Cobra-Rumgeballer-Explosion-und-Überschlag-11″ und “A-wann-passiert-hier-denn-was-yuda” könnte kaum größer sein. Stolz erwähnen wir aber, dass auch bei uns eine Pistole vorkommt und einmal quietscht auch ein Reifen!
Erst nachdem Christoph sich Wochenenden und Abende um die Ohren geschlagen hatte, fanden wir heraus, dass er schon Papa ist. Und zwar hat er gleich zwei Söhne. Einer vier und einer eins. Während der Vierjährige der Kumpeltyp ist, ist der Einjährige eher der Melancholiker. Dass der Papa jetzt Abends und am Wochenende im Tonstudio rumhängt, anstatt mit den Jungs Carrera-Bahn zu fahren, das drückte den Ärmsten noch tiefer in die Depression. “Ach! Ich erkenne mich manchmal selbst nicht mehr!” soll er dazu mal gesagt haben. Abends dann, nach Feierabend flitzte er immer schnell über die Autobahn nach Hause. Da er jeden Tag mehr als zwei Stunden im Auto verbringt hat er sich als Hobby das Singen der tibetanischen Obertöne ausgedacht, so kann er jeden Tag zwei Stunden lang üben, und im Auto wirds nie langweilig. Klingt übrigens so ähnlich wie ne Nasenpfeife.
Mit Christoph haben wir die letzten Tage die meiste Zeit unter dem Tisch gesessen. Denn unter dem Tisch, da ist der Klang am besten. Im Tonstudio gibts nämlich so eine stehende Welle, die nur unter dem Tisch nicht stört. Bei der Frage, ob er auch mit den RTL-Redakteuren von Cobra-11 unter dem Tisch sitzt, schweigt er nur. Naja, soviel also zum Thema “normal”. Während wir unter dem Tisch der Tonspur von “Ayuda” lauschen, fällt uns auf, dass Christoph es voll drauf hat. Man ist das schön mit Profis!
“Hey, hier ist so ein unfassbar lautes Brummen von einem Vorschaltgerät, das ist eigentlich lauter als das Gespräch im Hintergrund… kann man da was machen?” Zwei Klicks auf das “Vorschaltgerätebrummen-entfernen-Tool” und schon klingt die Szene wie aus dem Ei gepellt. “Äh, hier rattert die Kamera so laut, dass man nicht versteht, wodrum die Szene eigentlich geht. Wahrscheinlich hat Moritz mal wieder den Kamerapulli vergessen…” Ein paar Klicks auf die “Kamerageräusch-entfernen-Taste” und schon denkt man der Film wäre auf Video gedreht. “Kann man die Stimme so machen, dass sie aus einem anderen Raum kommt?” Während Nadine und ich uns noch darüber lustig machen, dass da ja eigentlich zwei Räume dazwischen sein müssten, zaubert Christoph ein Tool hervor, bei dem man neben der Etage, auch die Anzahl der geöffneten und geschlossenen Türen dazwischen einstellen kann. Wir entscheiden uns für: 2 Etagen darüber, 3 Türen dazwischen, 1 geöffnet, 2 geschlossen; aber warum erzähle ich das, ihr werdet es ja selbst hören!
An einem Abend kommt Katrin dazu, um noch ein paar Einsprecher aufzunehmen. Nadine und Christoph sitzen am Pult und sehen sie durch eine Scheibe. Hören kann Katrin die beiden aber nur, wenn Nadine auf so eine Fußtaste drückt. Die beiden lachen immer absichtlich, damit Katrin denkt, sie würden lästern.
Am letzten Abend zeigt uns Christoph dann noch seinen Lieblingsmusiker auf Youtube, denn er ist unterwegs im “Auftrag des Herrn”- wie die BluesBrothers und muss daher allen Leuten, die er kennen lernt, diesen Musiker zeigen. Während er uns erklärt, dass er eine ganz besondere Gitarrenspieltechnik hat, wundern wir uns eigentlich mehr darüber, dass er eine Maske auf dem Gesicht und einen Kentucky-Fried-Chicken-Eimer auf dem Kopf trägt. Soviel zum Thema “normal”.
Als wir dann später gehen, sind wir zwar froh, dass der Ton von “Ayuda” jetzt so cool geworden ist; aber auch ein bisschen traurig, weil wir ab diesem Moment nicht mehr unter dem Tisch sitzen können, weil dann sicher wieder die Leute von RTL da sitzen werden.
Wir hoffen alle sehr, dass Christoph zur Premiere kommen wird, dann lernt ihr ihn auch noch kennen. Vielleicht bringt er ja auch seinen Sohn mit, denn “Ayuda” mit seinem melancholischen Grundton würde ihm sicher gefallen!
So siehts aus bei Action Concept. Für das Foto hat sich Christoph aber extra mal an den Tisch gesetzt, statt darunter.
Geschrieben in Filmblog | 3 Kommentare »
11.10.2009 von Sebastian.
Liebe Freunde von Ayuda,
es ist mir eine große Freude euch auf diesem Wege bereits über den Termin der AYUDA-Teampremiere informieren zu können:
Am Samstag, dem 14. November 09 um 17:00h wird es soweit sein, und AYUDA wird zum ersten Mal das Projektionslicht der Welt erblicken. Im Einzelnen werdet ihr in den nächsten Tagen dazu auch noch eine explizite Einladung erhalten, aber nun heißt es, den Termin im Kalender ganz groß und rot markieren.
Nach dem Film geht es im Kirchwalder Bürgerhaus übrigens noch weiter. Eine große Party mit allen Freunden von Ayuda wird es geben. Tanz und Gesang, die ganze Nacht!
Wir freuen uns auf euch!
Das AYUDA-Team
Geschrieben in Filmblog | 6 Kommentare »
16.9.2009 von Nadine.
Der November ist der schönste Monat im Jahr.
Im November lässt die Sonne die Seen glitzern und die aufsteigenden Wassertröpfchen bilden einen weißen Schleier über der Wasseroberfläche.
Es regnet eigentlich sowieso nie im November, aber wenn, dann nur sanfte warme Tröpfchen, die die Menschen wie eine Schutzhülle umgeben. Dann brauchen wir vor nichts mehr Angst zu haben.
Es ist nicht zu kalt und nicht zu warm im November, sondern immer genau richtig.
Im November stecken honiggelbe Krokusse ihre Köpfchen aus dem von einer saftigen Wiese überwucherten Boden, bunte Blätter bedecken den moosigen Waldweg, der Wind umspielt die Haare und kleine Igelchen spazieren durch den Garten.
Ich wette, der November wird auch bald euer Lieblingsmonat. Denn, das steht jetzt fest: Die Ayuda-Premiere findet im November statt. Am wievielten teilen wir euch, sobald wir den Termin vom Kino bekommen haben, mit, es wird aber höchstwahrscheinlich ein Samstag ab ca. 17 Uhr sein. Ihr kriegt alle noch ne Einladung, könnt euch aber ja jetzt schon ein bisschen frei halten! Wir freuen uns wie Bolle.
Geschrieben in Filmblog | 5 Kommentare »
3.8.2009 von Sebastian.
Liebe Mücke Hilger,
in diesem offenen Brief möchte ich einige der Dinge klarstellen, die in der letzten Zeit zwischen uns nicht ganz korrekt abgelaufen sind. Ich wähle nun diese Form, da ich mehr und mehr das Gefühl hatte, dass wir uns auf der reinen Gesprächsebene nicht mehr treffen und ich nun kaum mehr eine andere Möglichkeit sehe.
Manchmal habe ich den Eindruck, Du würdest absichtlich Deinen Familiennamen verleugnen, zumindest immer dann, wenn es ein bisschen was zu tun gibt.
Was zum Beispiel ist eigentlich mit der Förderung der Filmstiftung NRW, häh? Wir hatten uns doch einvernehmlich darauf geeinigt, dass Du Dich darum kümmern solltest, weil Du als einziger von uns zwar kein Student, aber gleichzeitig jung genug bist, um die Förderung zu bekommen. Damit bist Du wahrscheinlich die einzige Person Deutschlands, die überhaupt in die Nachwuchsförderung kömmen könnte, und das weißt Du! Bis heute warten die werten Herren und Damen in Düsseldorf auf Deinen Antrag, um uns wohlwollend einige Tausender zu überweisen. Bisher ist bei mir keine Zahlung eingegangen, ich vermute das deutet daraufhin, dass Du Dich wieder einmal nicht darum gekümmert hast.
Oder die Sache mit der Dämmerung. Ich habe Dich mehr als einmal darum gebeten, doch mal zu prüfen, ob man überhaupt eine so große Szene auf dem Parkdeck innerhalb einer halben Stunde Dämmerung abdrehen könnte. Bis zuletzt hatte ich von Dir kein einziges Problem bei der Sache aufgezeigt bekommen, so dass ich ja davon ausgehen musste, dass es funktionieren würde. Das Ergebnis kannst Du Dir ja mal auf den Mustern anschauen.
Und dann die Sache mit der Schauspielerei. Zuerst hattest Du nichts dagegen im Film mitzuspielen. Meinen Vorschlag, als Haustier von Sammy und Kilian aufzutreten hast du zwar schweigend, aber ohne Widerworte akzeptiert. Und dann muss meine Mutter mich darauf hinweisen, dass Du abhauen würdest! Hättest uns ja auch mal früher darüber in Kenntnis setzen können, dass du mit hoher Wahrscheinlichkeit das Weite suchen und auch finden würdest, nur um als plattes Fellknäuel auf der Bundesstraße zu enden. Dann hätten wir nämlich frühzeitig nach Ersatz schauen können, so musste die Rolle unbesetzt bleiben. Und ich stehe wieder mal als Depp da, während Du Dich in Unwissenheit sonnst.
Und dass Du Deinen Expertenrat in Sachen “Ruhezeiten” für Dich behalten hast, haben Dir die Beleuchter bis heute nicht verziehen.
Also liebe Mücke. Ich hoffe beim nächsten Film hängst Du Dich ein bisschen mehr rein, sonst kriegst Du von mir sicher nichts mehr zu fressen!
Seb Hilger
Geschrieben in Filmblog | 2 Kommentare »
29.7.2009 von Sebastian.
Früher im Kindergarten, da habe ich selbst immer am liebsten mit Bleistift gemalt. Buntstifte, die nutzten doch nur die Mädchen. Daher erinnern meine Bilder aus dieser Zeit auch eher an die Prophezeiung des Johannes, als an normale Kindergartenbilder. Später dann habe ich mal eine ganz große Kiste mit Buntstiften geschenkt bekommen. Da meine Eltern zu dieser Zeit noch arm waren, reichte es leider nur für die billigste Sorte. Eben jener Sorte, die schon dutzende Brüche der Mine aufwies, bevor ich den ersten Stift in der Hand hielt. Man spitzt und spitzt und irgendwann waren die Stifte alle weggespitzt, ohne einen Strich damit gemalt zu haben. Wieder einmal war die frühkindheitliche Farberziehung gescheitert und ich kehrte zurück zu meinem geliebten Bleistift, um weiter hässliche Bilder zu malen.
Nadines Vergangenheit sah da ganz anders aus: frühe Erfahrungen mit Farben im Montessouri-Kindergarten, denn da gab es nichts als Körner zum hin-und herschütten, und eben Malstifte. Dann selbst erstellte Illustrationen für ihren ersten veröffentlichten Kurzroman im Alter von 5 Jahren. Diese Affinität zu Farbe zeigt sich bis heute, wenn sie mit ihren Kirsch-Flip-Flops daherkommt und Erbeeren isst.
Ein farbenblinder Regisseur, dessen Welt aus verschiedenen Graustufen besteht und eine Autorin, die “Fabelhafte Welt der Amelie” für “einen guten Anfang in Sachen Farbe” hält. Also genau die beiden richtigen Experten um endlich die langerwartete Ayuda-Farbkorrektur durchzuführen. So trafen wir uns am Samstag morgen (mit der obligatorischen Verspätung von 15min) mit unserer Lieblingscoloristin Rosali, die schon Kaffee bereitgestellt hat. So mögen wir das. Wir haben zum Glück auch Citronenkuchen dabei und so können wir erstmal gemütlich Kaffe und Kuchen genießen, das hätte auch Ralf gefallen! Rosali übrigens hatte damals schon unsere Muster farbkorrigiert, mit denen wir seitdem arbeiteten. Diese Rosali von vor zwei Jahren gilt bis heute als die zweitbeste Coloristin der Stadt, was man deutlich an den Mustern sieht, die schon ganz gut waren. Die beste Coloristin der Stadt sollte übrigens die Rosali von heute sein, das würden wir in den nächsten beiden Tagen feststellen!
”Das muss Rosali raushauen!” (Kameramann M. Virmond am Set)
Doch was genau heißt eigentlich “Farbkorrektur”? Zunächst mal klingt dieser Begriff unzutreffenderweise abwertend, so als würde man Fehler ausmerzen, um so ein “naja-Ergebnis” zu erhalten. Das trifft es eigentlich nicht recht. Vieleher wird hier die gesamte Bandbreite der Digitalisierung offenbar. Vorbei die Zeiten, wo man den Film ein bisschen grün machte, in dem man ihn 13 Sekunden länger im Entwicklerbad ließ, nur um dann festzustellen, dass die Uhr im Kopierwerk schon lange kaputt ist, und man nun eben einen magentafarbenen Film hat. Heute heißt “Farbkorrektur” eher: Ich lasse den Film so aussehen, wie ich will! Szene bei Tag gedreht, obwohl sie bei Nacht spielen sollte? -Kein Problem, Rosali dreht an einigen Rädchen und die Szene sieht so aus, als wäre nie Tag gewesen. Mist, den AYUDA-Schriftzug auf dem Foto kann kein Mensch lesen… egal, Rosali dreht an einigen Rädchen und niemand zweifelt mehr daran, was auf dem Foto steht. Der Lippenstift von Nora ist vielleicht doch ein bisschen rot… macht nix, Rosali dreht an einigen Rädchen und er ist grün, oder blau, ganz wie wir es wollen. Das scheint auch insgesamt das größere Problem zu sein. Während Farblegastheniker Hilger immer Sättigung rausdrehen lässt und das Bild wie Erde wird, legt Gottmann Einspruch ein, Sättigung wieder rein, das Bild sieht aus wie ein Blumenmeer. Rosali vermittelt und findet irgendeinen Zwischenwert. Perfekt! Alle drei sind zufrieden.
Rosali ist ein echter Profi, das merkt man vorallem daran, dass sie uns nicht nur fragt, ob wir die neue Farbe mögen, sondern uns zum Vergleich auch immer direkt die alte Farbe zeigt, die einem dann im direkten Vergleich ins Gesicht schlägt… Das fanden wir damals mal gut? Wir können es selbst nicht fassen, und winken immerzu Lobeszeichen in ihre Richtung. Dann irgendwann will Nadine die Stühle tauschen, ihr Kopf täte weh, weil sie immer nach rechts schauen müsste. So läuft unser Wochenende. Rosali coloriert und wir sitzen daneben, überwältigt von den Möglichkeiten der digitalen Farbkorrektur.
“…grün, grün, grün sind alle meine Muster…” (altes Volkslied)
Dass “Ayuda” berühmt wird, dessen sind wir uns spätestens jetzt sicher. Beim Mittagessen in der Stadt geben wir auch schon die ersten noch zu erhaltenden Einspielergebnisse aus, denn das von Rosali vorgeschlagene “günstige Restaurant” um die Ecke knöpft uns 9,50€ für versalzenes Risotto ab. Nadine ist sauer und trinkt aus Sparsamkeit nur Wasser, unglücklicherweise heißt das Wasser hier nicht Wasser sondern “L’eau d’édel” oder so ähnlich, jedenfalls konkurriert es preislich direkt mit dem Risotto. Aber was macht das schon, wenn man einen colorierten Film hat und damit sicher bald berühmt ist?
Am Ende sind wir alle drei sehr stolz. Als Nadine und ich kurz alleine an der Höllenmaschine sind, probiert sie Rosalis Stuhl und dreht ein bisschen an den Rädchen. Das klappt schon ganz gut, da ist Talent zu erkennen. Denn Nadine hat jetzt einen neuen Berufswunsch, nur der Stuhl, der sei noch ein bisschen niedrig, sagt sie, während sie Sättigung reindreht.
“Bildgestaltung kann ich…” N. Gottmann
Geschrieben in Filmblog | 2 Kommentare »
27.7.2009 von Nadine.
“Ich hab’s euch doch gesagt.” Diesen Satz bekommt ein gewisser Jung- inzwischen Mittelaltregisseur zur Zeit des Öfteren zu hören. Aus wessen Mund? Aus meinem natürlich. Denn, wie ich auch schon gesagt habe, stellt sich jetzt eben so langsam raus, dass das, was ich doch gesagt habe, tatsächlich richtig war. Hab ich ja gesagt. Genau das, was ich gesagt habe, funktioniert jetzt nämlich nicht. Hätte mal jemand auf mich gehört, jawohl. Dann wäre jetzt alles in Butter aufm Kutter. Aber stattdessen ist es ein Graus- so siehts aus im Schneckenhaus.
Seb (neuer Name, denn der alte Spitzname ist inzwischen zu kindlich für jemanden, der längst in einer vorgezogenen Thirtysomething-Krise steckt) und Ralle (müsste inzwischen auch schon stark auf die 30 zugehen, wohnt außerdem schon im Vorort und verdient glaub ich sogar schon echtes Geld) waren von Anfang an davon überzeugt, dass Ayuda einen in Atem halten würde, dass man nur so nach Luft japste, dass man gar nicht wosonstwohin wissen würde mit seinen ganzen Verdächtigungen und in lynchesken Verwirrungen steckend weder aus, noch ein - Namen schwirren durch Köpfe, gestreifte Pullis, Indizien ohne Ende und in einer Flut von versteckten Hinweisen würde der Zuschauer letztendlich jämmerlich ertrinken - beinahe, denn kurz vor Schluss, genau im richtigen Augenblick, würde er an einem sicheren Anker an Land gezogen und voller Glück die unvorhersehbare, aber geniale Antwort bekommen auf sein unendliches Fragen.
Nee, nee, so wird das glaub eher nicht. Hab ich denen gesagt. Ich habs denen ja gesagt. Und was ist jetzt? Voll viele Verdächtigungen vunktionieren voll nicht. Zum Beispiel:
- Marilyn sollte eigentlich einen Knopf geöffnet haben, um einen Hinweis zu geben. Verdacht: Jemand, der eine Knopfsammlung hat? Problem: Das Kleid hat keine Knöpfe. Außerdem haben wir schon zu viele Verdächtigungen aufgrund von Sammlungen.
- Der Polizist sollte versuchen zu fliehen. Verdacht: Der Polizist wars. Problem: Dass Leute mit Koffern fliehen, hat sich anscheinend noch nicht in die Sehkonventionen eingeschlichen. Die meisten gehen davon aus, dass der Polizist in den Urlaub wollte.
- Auf den Tischkarten beim Gartenfest sind mit derselben Schrift Namen geschrieben wie der Hilferuf Ayuda auf dem Foto. Verdacht: Helene wars. Problem: Hä? Welches Gartenfest? Welche Tischkarten? Welche Schrift? Welches Foto? Hä? Ayuda?
- Bei Sammy steht voll auffällig eine Polaroidkamera herum. Verdacht: Sammy wars. Problem: Hä? Welches Foto (schon wieder)? Der Fotoapparat war zwar echt teuer und steht auch schick im Regal, hats aber nicht ins Bild geschafft.
- Sammy hat gelbes Briefpapier. Verdacht: Sammy wars (schon wieder) oder Hermann oder Helene. Problem: Wenn Sammy schreibt, dass Marilyn denkt, dass Hermann denkt, dass Helene denkt, dass Sammy denkt,… dann, tja, wer war dann der Mörder? Oder hat das gar nix damit zu tun? Außerdem sieht man den Briefumschlag nicht und Blut ist glaub auch nicht drauf. Wenn ja, sieht man es auch nicht.
- Hermann hat eine Messersammlung. Verdacht: Hermann wars. Problem: Marilyn wurde erhängt. Also Idee streichen. Außerdem haben wir schon zu viele Verdächtigungen aufgrund von Sammlungen.
- Kilian hat berechnet, dass er es war. Verdacht: Kilian wars. Problem: Woher soll man wissen, dass man Kilians Berechnungen trauen kann. Wie, der ist Astronomiestudent? Und die Berechnungen, die check ich auch nicht.
- Mia hat eine Puppensammlung. Verdacht: Mia wars. Problem: Nur weil man (irgendwelche, ganz anderen) Puppen in seinem Zimmer hat als die Puppe, die auf dem Foto (jaja, ich weiß, welches Foto?), heißt das noch lange nicht, dass man der Mörder ist, zumal man nicht mal ein Motiv bekommen hat (außer die Puppen natürlich). Außerdem haben wir schon zu viele Verdächtigungen aufgrund von Sammlungen.
- Marco hat ne große Tasche. Verdacht: Marco wars. Problem: Ist doch klar, dass Marco ne große Tasche hat. Coole Typen haben immer alles in Groß. Außerdem haben wir es durch ein Superweitwinkelverkleinerungsobjektiv irgendwie geschafft, dass die größte Tasche der Stadt ein bisschen mickrig aussieht. Winsel.
- Die Schaben waren es. Verdacht: Die Schaben planen einen Schabenaufstand, zumindest eine Schabenplage. Problem: Könnte stimmen, immerhin sind die Schaben am letzten Drehtag spurlos verschwunden…
Geschrieben in Filmblog | 3 Kommentare »
23.7.2009 von Sebastian.
Der neue Ayuda-Promo Trailer ist für Euch online gegangen.Viel Spaß!
Geschrieben in Filmblog | 2 Kommentare »
22.6.2009 von Sebastian.
Ist jemand interessiert an einer Einführung in die technischen Details einer Film-Postproduktion? - Nein? -Auch egal.
Wenn man einen Film dreht, dann versucht man natürlich eine möglichst hochwertige Bildqualität zu erzielen. In unserem Fall haben wir daher auf 16mm-Film gedreht, weil das ziemlich gut aussieht, cool klingt und vorallem weil KODAK nett zu uns war. Damit könnte “Ayuda” auch der weltweit letzte Film auf 16mm sein, denn mittlerweile dreht fast niemand mehr auf 16mm (selbst die “reformorientierten” Öffentlich-Rechtlichen denken schon darüber nach 16mm abzulösen…) und bis “Ayuda” dann endgültig fertig ist, wird ganz sicher niemand mehr auf 16mm drehen. Mittlerweile dreht natürlich jeder auf HD, klar! Ist nicht nur billiger als 16mm, sondern auch einfacher zu nutzen und sieht auch noch besser aus. Wir sind trotzdem stolz auf 16mm, und hätten wir nicht die meisten der Rollen geschenkt bekommen, würde Herr KODAK uns sicher persönlich in seine Abendgebete einschließen!
Da heute außer dem bösen Kopierwerksbesitzer natürlich niemand mehr im Keller sitzt und Filmstreifen auseinanderschneidet und neu zusammenklebt, wurde der Film danach abgetastet. Das bedeutet, dass der Film durch ein unfassbar teures Gerät läuft (das Gerät ist so teuer, dass es eine eigene Tür hat) und sich am Ende des Gerätes auf einer Kassette befindet, natürlich auf einer HD-Kassette.
Aron, unser Cutter, mag aber kein HD. Nicht dass er generell konservativ wäre, es ist nur, dass HD so unglaublich gut zu sein scheint, dass man es auf keinem normalen Schnittsystem schneiden kann. Zumindest als wir Aron kennenlernten ging das noch nicht. Heute schneidet jeder seine Urlaubsfilmchen auf dem eigenen Laptop in HD, wenn die Filmchen denn mal geschnitten würden. Nun wurde uns also der komplette Film nochmal in “niedriger Qualität” (wir fanden die eigentlich schon ganz gut… aber wir sind ja auch bescheiden) gegeben, eine sogenannte Offline-Kopie, damit wir und Aron damit den Film schneiden konnten , der jetzt ein Video war.
Als wir damit fertig waren, hatte das Kopierwerk, mit dem wir zusammengearbeitet hatten einen neuen Namen, einen neuen Chef und heulte schrecklich, weil niemand mehr auf Film drehen wollte. Die, die auf Film drehten hatten aber kein Geld, um deren Tränen zu trocknen, nämlich wir. Also konnte sich plötzlich niemand mehr daran erinnern, dass wir mal eine Abmachung hatten und dass wir dafür viel Kuchen gebacken hatten und sogar einmal deren Lager aufräumen mussten. Und dann standen wir da, mit unseren Filmrollen, dem nur noch mit Krümeln bedeckten Kuchentablett und einem Film in “niedriger Qualität”-sehr passend!
Dann kam Rosali ins Spiel. Wer Rosali ist? -Sie war diejenige, die wir immer mit netten Sprüchen auf der Klappe gegrüßt hatten. Damals wussten wir nicht, dass ihr Name mit einem einfachen “i” endet, obwohl es lang gesprochen wird. Daher lassen sich nun viele Bilder finden, auf denen die Klappe mit netten “viele Grüße an ROSALIE!”, “Hau rein ROSALIE!” und “Hier sind alle total bekifft! Außer ich! Stimmt’s ROSALIE?” beschriftet sind. Rosali war bei besagtem Kopierwerk für unser Projekt zuständig, weil sie Einsteigerin war und wir kein Geld hatten. Damals, als wir und das Kopierwerk noch Freunde waren klang das nach einem fairen Deal. Mittlerweile arbeitete sie selbst in einer anderen Firma und war auch keine Einsteigerin mehr. Uns fand sie trotzdem noch nett, wahrscheinlich wegen der Grüße und weil ich sie zu meinem Geburtstag eingeladen hatte. So legte sie ein gutes Wort bei der neuen Firma für uns ein. Es klappte. Und nun konnten wir richtig loslegen.
Ziel war es, aus dem Schnitt eine sogenannte EDL zu erstellen. Wir wussten natürlich nicht, was das war. Klang aber gut. Wir fanden heraus, dass EDL für Edit-Decission-List steht, und im Grunde eine lange Textdatei ist, in der der Schnittcomputer alle Schnitte schreibt, die im Film vorkommen, jeden Einzelnen mit vielen langen Zahlenkolonnen von Timecodes und Abkürzungen. Eine Art allgemeiner Sprache, die auch von anderen Systemen verstanden werden könnte. Mithilfe dieser Liste sollte es dann möglich sein, den Film aus der niedrigen Qualität mithilfe der glanzvollen HD-Bänder halbautomatisch nachzubauen. Und eigentlich hätte auch uns nach dieser kurzen Beschreibung schon klar sein müssen, dass das natürlich nicht so einfach funktioniert. Aron hatte “Ayuda” mittlerweile als Karrieresprungbrett nutzen können und schnitt bereits an einem neuen Film, dieses Mal natürlich gedreht auf HD und geschnitten in HD. Und wir hatten nichtmal einen MAC, mit dem wir auch nicht gewusst hätten, wie man eine EDL herstellt. Also engagierten wir eine externe Cutterin, die uns die sagenumwobene EDL erstellen sollte. Sie hatte zwar einen MAC, wusste aber auch nicht so recht, wie das mit der EDL gehen sollte. Egal, zunächst hieß es ohnehin, für jeden einzelnen Schnitt den Timecode umzustellen. Hat natürlich auch nicht geklappt. Nach zwei vollen Tagen in Nadines mittlerweile tropfendenden Zimmer hatten wir dann eine EDL, von der niemand wusste, ob sie funktionieren würde. Meine Mama atmete auf.
Sie funktionierte natürlich nicht, die EDL! War ja auch zu erwarten. Der Techniker rief mich in Tschechien an, meine Mutter erkannte sofort meinen EDL-Gesichtsausdruck und war seitdem wieder besorgt. Als ich zurück war, stellten der Techniker fest, dass wir zwar alles richtig gemacht hatten, aber es irgendwie trotzdem nicht funkionierte, klar! Wir spielten den ganzen Tag an der EDL rum und einigten uns anschließend darauf, dass ich die Liste von Hand ergänzen müsste. Bei jedem einzelnen der 1023 Schnitte sollte ich von Hand eintragen, auf welchem Band sie zu finden sei…
Warum ich das alles erzähle? Weil ich bei Nummer 102 bin, und wirklich keine Lust mehr habe…
Geschrieben in Filmblog | 4 Kommentare »