Archive für 6.5.2007

Es gibt Tage

Es gibt eben Tage, an denen glaube ich, dass alles gut läuft. Ich glaube dann, dass der Film echt cool wird, dass die Leute uns auf Händen durch die Stadt tragen werden, dass man sagen wird “Respekt” und manchmal sogar, dass wir selbst sagen würden “Respekt”. Ich denke dann manchmal sogar, dass wir uns nicht blamieren werden, weil wir doch eigentlich noch so jung und unerfahren sind, dass man uns hilft statt zu lachen, und uns vielleicht sogar irgendwie süß findet in dieser Unwissenheit.

Meistens denke ich das, wenn ich gerade gut geträumt habe. Ich habe dann von einer großen Party geträumt, auf der alle am Film beteiligten zu “richtigen Freunden” werden, denn Freunden ist man ja nicht so böse für ihre Unwissenheit, meistens zumindest.
Manchmal träume ich auch was anderes, aber eher selten.

Dann gibt es aber auch noch Tage, an denen ich uns sehe, hilflos und kopflos und planlos umherlaufen. Dann habe ich nicht mal Angst, dass beim Drehen mit der Pistole tatsächlich jemand erschossen wird, oder einer der Mitarbeiter von der großen, ungesicherten und viel zu lange ungewarteten Windmaschine erst angesogen und dann zerstückelt wird. Ich denke dann einfach nur, dass es blöd wird.

Meistens lege ich mich dann hin und schlafe, in der Hoffnung auf eine tolle Party. Manchmal rufe ich dann aber auch Nadine an, die mir dann glaubwürdig versichert, dass ich keine Angst zu haben bräuchte, dass der Film blöd würde, denn das würde er auf jeden Fall. Und vor Dingen, die sicher sind, bräuchte man sich ja nicht zu fürchten.

Dann fühle ich mich besser.

Ein Leben ohne den Film

Florian Donner von Henkelsfallersleben sagt ja, dass er nach fünf Jahren keine Lust mehr auf seinen Film und dessen Thematik habe. Er nimmt jetzt glaub erstmal Urlaub von der DDR und der Stasi und Ulrich Mühes merkwürdiger Jacke. Ich möchte ihm nun zur Wahl der Thematik seines Filmes gratulieren, denn von dieser Abstand zu nehmen, ist nicht gerade eine der schwierigsten Übungen. Die DDR ist (außer bei Daniel Brühls Mama) Geschichte, die Stasi-Leute sind doch bestimmt auch schon alle tot und Ulrich Mühes Jacke, ich hoffe, die haben sie nach dem Dreh in den Altkleidersack geschmissen. Dustin, der Bekannte von Sebi, der “Rolltreppe abwärts” gemacht hat, kann keine Rolltreppen mehr sehen. Die normale Treppe daneben zu benutzen, ist aber auch nicht so schlimm. Und Peter Jackson, der ist halt ein Freak.
Weitere Filmemacher, die sich leicht von ihrem Filmstoff distanzieren können: Ridley Scott von “Alien”, denn es ist irgendwie unrealistisch, dass man in einem Raumschiff landet, in dem keine Schwerelosigkeit herrscht, Roland Emmerich von “Independence Day”, weil wenn sowas passiert, hat man andere Probleme, als sich darüber aufzuregen, dass man das schon aus seinem Film kennt, und Pedro Almodóvar von “Hable con ella”, denn es passiert ziemlich selten, dass ein Mann mit einem Hut in eine Frau reinläuft, ohne dass der Hut runterfällt
Filmemacher, die sich weniger leicht von ihrem Filmstoff distanzieren können: Ralf, Sebi und Nadine. Es sei denn, sie halten sich den Rest ihres Lebens von Häusern, normalen Menschen und Marihuana fern.

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