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7.5.2007 von Nadine.
Sebi, hättest du mich heute angerufen, dann hätte ich dir tatsächlich gesagt, dass der Film schrecklich wird. Die Vorzeichen standen schlecht: Der erste Regen seit Wochen, der Platten an meinem vorderen Fahrradreifen und das sonst so befriedigende Geräusch einer eintreffenden E-Mail, das heute etwas Bedrohliches an sich hatte. Ich finde, heute hat unser Projekt seinen bisher größten Rückschlag erlebt, (schlimmer noch als der Rückschlag, der uns ereilte, als wir die Absage für die 4.000€-Unterstützung erhielten), denn heute hat uns einer unserer liebsten Schauspieler abgesagt.
Als wir ihn beim Casting kennen lernten, machten wir vor Freude Purzelbäume durch Schloss Wahn, weil er seine Rolle so cool interpretierte. Als er abends noch mit uns einen trinken war und Geschichten aus seinem Leben erzählte, konnten wir nicht glauben, dass so ein cooler Typ Lust hatte, mit uns rumzuhängen, und als wir erfuhren, dass er sich nur für unser Casting ein Wochenende in Köln herumtrieb (dabei sogar auf der FALSCHEN Rheinseite nächtigte), beschlossen wir, dass es nicht nötig sei, einen anderen Schauspieler für die Rolle zu casten.
Ich weiß nicht, wie es jetzt beim Dreh werden soll. Ob die Mädchen seine Bauchmuskeln vermissen werden und die Jungs das Armdrücken, das sie nach Drehschluss veranstaltet hätten? Sebi, Ralf und ich werden ihn auf jeden Fall vermissen. Seine Angewohnheit, in jeder Szene zu rauchen, obwohl er das schrecklich findet, die Konsequenz, mit der er sagte: „Wenn ihr jemals eine Rolle bei ebay versteigert, bin ich raus“, und die Anschlussfehler, die er einbauen wollte, falls er merkte, dass der Regisseur am Set unaufmerksam sei. Vor allem aber werden wir ihn vermissen, weil er eine große Bereicherung für unseren Film gewesen wäre, wir sofort das Gefühl hatten, super mit ihm zusammenarbeiten zu können, und weil er uns sogar mit seiner Absage eineinhalb Seiten gute Tipps für unser Drehbuch mitschickte. Der Dreh wird ohne Michael nicht derselbe sein.
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6.5.2007 von Sebastian.
Es gibt eben Tage, an denen glaube ich, dass alles gut läuft. Ich glaube dann, dass der Film echt cool wird, dass die Leute uns auf Händen durch die Stadt tragen werden, dass man sagen wird “Respekt” und manchmal sogar, dass wir selbst sagen würden “Respekt”. Ich denke dann manchmal sogar, dass wir uns nicht blamieren werden, weil wir doch eigentlich noch so jung und unerfahren sind, dass man uns hilft statt zu lachen, und uns vielleicht sogar irgendwie süß findet in dieser Unwissenheit.
Meistens denke ich das, wenn ich gerade gut geträumt habe. Ich habe dann von einer großen Party geträumt, auf der alle am Film beteiligten zu “richtigen Freunden” werden, denn Freunden ist man ja nicht so böse für ihre Unwissenheit, meistens zumindest.
Manchmal träume ich auch was anderes, aber eher selten.
Dann gibt es aber auch noch Tage, an denen ich uns sehe, hilflos und kopflos und planlos umherlaufen. Dann habe ich nicht mal Angst, dass beim Drehen mit der Pistole tatsächlich jemand erschossen wird, oder einer der Mitarbeiter von der großen, ungesicherten und viel zu lange ungewarteten Windmaschine erst angesogen und dann zerstückelt wird. Ich denke dann einfach nur, dass es blöd wird.
Meistens lege ich mich dann hin und schlafe, in der Hoffnung auf eine tolle Party. Manchmal rufe ich dann aber auch Nadine an, die mir dann glaubwürdig versichert, dass ich keine Angst zu haben bräuchte, dass der Film blöd würde, denn das würde er auf jeden Fall. Und vor Dingen, die sicher sind, bräuchte man sich ja nicht zu fürchten.
Dann fühle ich mich besser.
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6.5.2007 von Nadine.
Florian Donner von Henkelsfallersleben sagt ja, dass er nach fünf Jahren keine Lust mehr auf seinen Film und dessen Thematik habe. Er nimmt jetzt glaub erstmal Urlaub von der DDR und der Stasi und Ulrich Mühes merkwürdiger Jacke. Ich möchte ihm nun zur Wahl der Thematik seines Filmes gratulieren, denn von dieser Abstand zu nehmen, ist nicht gerade eine der schwierigsten Übungen. Die DDR ist (außer bei Daniel Brühls Mama) Geschichte, die Stasi-Leute sind doch bestimmt auch schon alle tot und Ulrich Mühes Jacke, ich hoffe, die haben sie nach dem Dreh in den Altkleidersack geschmissen. Dustin, der Bekannte von Sebi, der “Rolltreppe abwärts” gemacht hat, kann keine Rolltreppen mehr sehen. Die normale Treppe daneben zu benutzen, ist aber auch nicht so schlimm. Und Peter Jackson, der ist halt ein Freak.
Weitere Filmemacher, die sich leicht von ihrem Filmstoff distanzieren können: Ridley Scott von “Alien”, denn es ist irgendwie unrealistisch, dass man in einem Raumschiff landet, in dem keine Schwerelosigkeit herrscht, Roland Emmerich von “Independence Day”, weil wenn sowas passiert, hat man andere Probleme, als sich darüber aufzuregen, dass man das schon aus seinem Film kennt, und Pedro Almodóvar von “Hable con ella”, denn es passiert ziemlich selten, dass ein Mann mit einem Hut in eine Frau reinläuft, ohne dass der Hut runterfällt
Filmemacher, die sich weniger leicht von ihrem Filmstoff distanzieren können: Ralf, Sebi und Nadine. Es sei denn, sie halten sich den Rest ihres Lebens von Häusern, normalen Menschen und Marihuana fern.
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4.5.2007 von Sebastian.
Hallo, ich freue mich den offiziellen Produktionsblog eröffnen zu dürfen. Hier könnt ihr an unseren Fortschritten Anteil haben, aber auch über unsere Rückschläge lachen.
Vielleicht beginne ich mit einem Ereignis des letzten Tages. Anne rief mich an, um mir zu berichten, dass ein gewisses Baucenter jegliche Unterstützung des Projektes abgesagt hätte, die Begründung dafür sei aber verständlich.
Ich war gespannt, als alter Haudegen des Filmgeschäftes weiß ich natürlich, dass es es wahrlich gute Gründe braucht, uns eine Bitte auszuschlagen, nicht zuletzt wegen unserer großen Augen.
Naja, das Baucenter sei vor zwei Tagen völlig ausgebrannt…
“Nun gut”, sagte ich, “das lasse ich heute mal gelten, aber nur, weil ich gut gelaunt bin.”
Das Filmbizz ist echt hart.
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