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25.6.2007 von Sebastian.
Man kennt das ja, auf der einen Seite raunen einem postmoderne Konstrukte ihre Gedanken entgegen, die wirr und klar zugleich wirken sollen. Auf der anderen Seite gibt es diese Drehbuchautoren, deren Gefühlszustände im Minutentakt zwischen melancholisch-erhaben zu tragisch-komisch und wieder zurück schwanken, je nach gerade zu bearbeitender Szene. Und irgendwo dazwischen muss man versuchen einen klaren Kopf zu bewahren. Das ist mitunter schwer und hindert dann auch schon mal daran, weitere Blogeinträge zu verfassen.
Vielleicht liegt es aber auch nur daran, dass ich in den letzten Tagen erkennen musste, dass sich all die unbekannten und für “statistische Abweichungen” gehaltenen Besucher des Blogs, als reale Menschen entpuppt haben. Der daraus resultierende Leistungsdruck ist einfach enorm.
Ganz gleich, was Grund für die Stille der letzten Tage ist, sie ist unnötig. Sogar völlig unnötig, denn es gibt eine Lösung dieser Sorgen, die wunderbar anzuschauen und formschön gleichermaßen ist. Es gibt nämlich eine “Blogtext-Notfallreserve”, die damals in besseren, textreicheren Zeiten mit weiser Vorrausicht angelegt wurde. Doch ist es, wie mit allen “…-Notfallreserven”, man hat ständig Angst, dass ein noch nötigerer Fall auftreten könnte, und dann gäbe es keine Reserve mehr.
-ZENSIERT-
Und dennoch und gerade deswegen fordere ich hier: Nadine, gib deine Texte frei!Wie ein lauter Knabenchor wird bald schon das ganze Internet zu dir rufen: Gib die Texte frei!
“Gib die Texte frei und hilf uns über diese Flaute!” halte ich ohnehin für einen tollen Songtitel.
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19.6.2007 von Nadine.
Schnell, macht das Radio an, dreht es richtig laut auf, wir fahren durch den Sommerregen… Nein, leider gutes Wetter. Dennoch kommen wir heute im Radio! Unser Film im Radio, das ist Intermedialität, das ist Intertextualität, das ist die Verschmelzung von Medien aufgrund dispositiver und medienspezifischer Gegebenheiten. Es ist einfach unglaublich! Julia Kristeva wäre stolz auf uns, Marshall McLuhan wäre stolz auf uns und Derrida, der hat ja sowieso überall seinen Senf dazugegeben.
Auf jeden Fall kommen wir nicht auf irgendeinem doofen Campusradio, sondern auf SWR3! Ab 19 Uhr also SWR 3 hören und sich über Evas gute Idee freuen!
(Leider haben wir irgendwie vergessen zu sagen, dass wir noch Sponsoren brauchen… Aber wir fühlen uns natürlich trotzdem mal wieder zieeemlich postmodern.)
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18.6.2007 von Sebastian.
Lieber Herr Gahr,
ich staunte nicht schlecht, als ich gestern Ihren Brief auf meinem Schreibtisch fand. Auch wenn wir bisher viele, viele Bewerbungen von Schauspielern erhalten hatten, waren doch wenige dabei, die ich selbst zumindest vom Gesicht her aus dem Fernsehen kannte. Noch überraschter war ich als ich Ihren Brief und die damit verbundene lange Liste bisheriger, hochkarätiger Filmproduktionen bewundern durfte. Als mein Vater dann meinte „Michael Gahr, das ist doch einer der bekanntesten Schauspieler Bayerns“, da lief mir schon ein stolzes Lächeln durchs Gesicht und es interessierte mich umso mehr, wie Sie an unser Projekt geraten waren, oder ob es bloß ein zufälliger Treffer sein sollte.
Ich habe mich über Ihre Bewerbung sehr gefreut, und es hat viel Spaß gemacht, Ihr Demoband anzuschauen. Und tatsächlich gibt es in unserem Film eine Rolle, auf die ihr Profil zutreffen würde. Doch es gibt auch ein Problem bei der Sache, ein Problem, das mich in den letzten Tagen geradezu in ein Dilemma getrieben hat.
Die Rolle des „alten Mannes“, von der ich eben erzählt habe, ist bereits jemandem zugesagt worden. Nun weiß ich natürlich auch, dass es noch keinen Vertrag gibt, die Zusage ist bloß mündlicher Natur, und selbst vertragliche Zusagen werden in unserer Branche ja oft „generös“ ausgelegt, gerade dann wenn einer der „bekanntesten Schauspieler Bayerns“ sich für das Projekt interessiert, und damit das Projekt auch zweifellos einen großen Schritt voranbringen würde.
Da täte es dann auch nichts zur Sache, dass dieser Mensch, dem die Rolle zugesagt wurde, ein 84- jähriger Mann aus der Nähe von Köln ist, der sein Leben lang der Schauspielerei entgegensah, sich aber in einer Zeit befand, da man diese Wahl nicht hatte, und nun im Alter seinen Traum verwirklicht. Es würde sogar gegen ihn sprechen, dass er stolz erwähnt, seine Theatergruppe würde nicht als Laien-, sondern als Amateurtheater bezeichnet. Und auch die Tatsache, dass er nun seit Wochen allen Freunden und Bekannten erzählt, er würde in einem richtigen Film mitspielen, würde wohl bloß belächelt.
Ja, und man hätte vermutlich auch Recht und täte gut daran, eine wichtige Rolle, wie die des „alten Mannes“ mit einem sehr viel erfahreneren Darsteller zu besetzen. Da zählt eine einfache Zusage wenig, Geschäft ist Geschäft und Film ist nun mal Geschäft.
So würde man wohl argumentieren. Und diese Argumentation wäre nicht mal schlecht. Und so wurde auch argumentiert, in mir, im Dilemma.
Und doch… Es ist nicht leicht, zu seiner Entscheidung zu stehen, aber wir wollen es versuchen.
Denn wer sonst, wenn nicht wir jungen Filmemacher, hat die Möglichkeit gegen kapitalistische „Geschäft-ist-Geschäft-Marotten“ einer Branche anzukämpfen, die sich selbst für „Kunst“ hält? Auch wenn es nicht leicht ist, den Spieß, den man selbst oft genug zu spüren bekam, beiseite zu legen.
Aber wer sonst, wenn nicht wir, sollte an Dingen wie einem gegebenen Wort festhalten?
Ich hoffe, lieber Herr Gahr, sie bringen Verständnis auf für diese Entscheidung, die ich mir wirklich nicht leicht gemacht habe. Und ich würde mich sehr darüber freuen, wenn ich Sie dennoch im Hinterkopf behalten dürfte, denn ich möchte Sie wirklich gerne kennen lernen. Vielleicht ergibt sich ja noch eine Rolle bei diesem Projekt oder beim nächsten.
„Du hättest doch den Gahr nehmen sollen“ werde ich vielleicht in wenigen Wochen denken.
„Ja, aber ich konnte nicht. Und du auch nicht.“ Werde ich mir dann selbst antworten.
In diesem Sinne verbleibe ich mit
freundlichen Grüßen
Sebastian Hilger
footsteps filmproduktion
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13.6.2007 von Nadine.
Da kommt man gerade von einem mehr oder weniger grauseligen “Fluch der Karibik 3″ (vielleicht bin ich auch nur etwas verwirrt, weil ich Teil 2 ausgelassen habe, nein, das ist es nicht) nach Hause, euphorisch, denn man denkt sich: Das kannst du doch besser und beschließt, dass 00:54 Uhr sicher die optimale Zeit ist, endlich nochmal die viel kritisierte Anfangsszene in Angriff zu nehmen. Die erste Szene, das habe ich gerade diese Woche im Drehbuchseminar gelernt, ist in jedem Film die wichtigste, weil sie die Schablone ist, an der man den Rest des Films misst. Das bedeutet, die Welt, die in der ersten Szene geschaffen wird, wird auch für den Verlauf der kompletten Handlung als verbindlich richtungsweisend angesehen. Viel Theorie am späten Abend, ich weiß, aber in Anbetracht dessen, dass ich, seit Sebi und ich uns einen neuen Anfang ausgedacht haben, zwei Sätze zu Stande gebracht habe, muss ich mich an jeden Rettungsanker (bemerkenswerte auf Fluch der Karibik bezogene Metapher, ach nein, ich hasse Leute, die in Klammern auf irgendwelche Stilmittel hinweisen, die vordergründig hintersinnig wirken) klammern. Den zweiten von den zwei Sätzen finde ich im Übrigen auch noch dämlich, das heißt, den lösche ich eh gleich wieder und den ersten, naja, den hat ja Sebi mir schon bei der Besprechung gesagt, das heißt entweder der erste Satz ist sowieso auch blöd oder aber zumindest nicht mein Verdienst.
So ist es also, wenn man um 00:54 Uhr auf die Idee kommt, Drehbuch weiter zu schreiben. Und jetzt ist es im Übrigen auch schon 01:04, wieder zehn Minuten vergangen, in denen ich keinen tollen ersten Satz und keinen tollen zweiten Satz geschrieben habe und jetzt fängt auch noch gleich mein Gewissenskrieg an, ob ich die Wiederholung von Monk gucken darf oder weiterschreiben soll. Ach, vielleicht ist 00:54 Uhr ja doch ‘ne blöde Zeit und überhaupt haben Sebi und Ralf mir eh versprochen, dass ich noch während der Dreharbeiten auf einer gelben Schreibmaschine weitertippen darf. Wie Stanley Kubrick.
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10.6.2007 von Sebastian.
…ein Leser dieses Blogs sonst so in seinem Leben?
Seit dem wir begonnen haben, unsere Errungenschaften und unsere nicht-Errungenschaften hier öffentlich zu machen, gibt es etwas auf das ich mich jeden Abend freue. Und zwar auf Mitternacht, nicht etwa, weil dann das RTL- Nachtjournal beginnt, sondern weil dann die Ergebnisse der Besucherzählung des letzten Tages verfügbar ist. Da kann man sich dann mit tollen blauen Balken anzeigen lassen, wann, wer, wie, wie lange, wie oft, wieso und was überhaupt gemacht hat. Man kann sogar sehen, welches Betriebssystem der Nutzer hat. Der Gläserne Blogleser ist somit ab Mitternacht Realität geworden.
In den letzten Monaten stellten sich bei der Tiefenanalyse dieser blauen Balken zwei markante Trends heraus:
1. Die Zahl der Leser des Blogs nimmt stetig zu, besonders dann, wenn ein neuer Beitrag geschrieben wurde, und dann nochmal ganz besonders, wenn in diesem Beitrag die Unterwäsche eines Teammitglieds näher thematisiert wird.
2. Unser größter Fan ist ein gewisser “Googlebot”. Dicht gefolgt von einem “Yahoobot” und weiteren Brüdern und Schwestern dieser internetsüchtigen Familie. An manchen Tagen bringt es die Familie “Bot” damit alleine auf über 50 Besuche, abzüglich der eigenen Kontrollbesuche, die Nadine und ich in regelmäßigen Abständen durchzuführen uns geschworen haben, um einen möglichen Eintrag unseres postmodernen Konstruktes R.K. sofort melden zu können, bleiben noch etwa 5 Besucher pro Tag. Manchmal auch 3.
Und darauf sind wir auch ein bisschen stolz. Wir stellen uns dann oft vor, wie wir auf der Straße von einem Polizisten angehalten werden, vielleicht weil wir wild fluchend über den Gehweg laufen, oder aus sonst einem wichtigen Grund. Nach Angabe der Personalien wird dann sofort klar, dass dort eine gewisse Verbindung herrscht, zwischen uns und dem Polizisten, irgendwie weiß der so viel über uns.
Klar, der Mann kennt unseren Blog. Dieser ruft natürlich seine beiden hübschen Kolleginnen, die hinten im Wagen warten, und zusammen lachen und staunen wir über Schildkröten und Driver-Cocktails, denn die kennen unseren Blog ja auch. An den Tagen mit 5 Besuchern, stellen wir uns dann noch zwei bereits festgenommen Ganoven vor, die von der Rückbank unsinnige, aber wissende Kommentare zum Besten geben.
Um diese Vorstellungen zukünftig auch auf andere Berufsgruppen ausdehnen zu können, und um den treusten Fans eine Möglichkeit zu geben, sich vielleicht auch außerhalb des Blogs mal zu einem Kaffe zu treffen, habe ich den Plan gefasst einen Aufruf zu starten:
Und denkt dran, ich kenne euch ohnehin schon, als blauen Balken eben.

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8.6.2007 von Nadine.
Gestern, als Sebi keine Unterwäsche unter seiner Hose trug, weil die Wäsche noch nicht getrocknet war, redeten wir über die Hölle. Was dabei herauskam:
Es gibt da einen Kopierwerksbesitzer, den ich hier nicht einmal verleumden muss, da jeder, der in seinem Leben schon mal etwas mit einem Kopierwerksbesitzer zu tun hatte, weiß, von wem ich rede. Dieser Kopierwerksbesitzer ist nicht gerade Sebis und mein Lieblingsmensch. Deshalb glaube ich, dass, falls ich in die Hölle komme, er neben mir stehen und mich bis ans Ende aller Tage vollquatschen wird. Sebi, der fest davon überzeugt ist, täglich auf einer Bühne vor mindestens 100.000 Leuten zu stehen, da es für diese die Hölle ist, ihn singen zu hören, denkt aber auch, dass der Kopierwerksbesitzer in der Hölle neben ihm stehen und ihn bis ans Ende aller Tage vollquatschen wird. Das ist nun ein Problem. Das würde nämlich bedeuten, dass ich in der Hölle sowohl von dem Kopierwerksbesitzer vollgequatscht werden würde, als auch Sebis Gesinge ertragen müsste und so ungerecht kann nicht mal Satan sein. Deshalb muss sich der Kopierwerksbesitzer, wenn er in die Hölle kommt,vermutlich in seinem eigenen Kopierwerk kopieren lassen (schwarz-weiß, weil die Maschine für Farbe hat er noch nicht gebaut), damit er uns beide unabhängig voneinander bis ans Ende aller Tage vollquatschen kann.
Ich weiß, das klingt nach großem Unsinn, aber der böse Kopierwerksbesitzer ist momentan wirklich fuchsteufelswild. Weil wir unseren Film nicht mehr bei ihm entwickeln lassen wollen.
Wir wollen unseren Film bei seinem Gegenteilsmenschen entwickeln lassen: Bei der guten Kopierwerksbesitzerin. Okay, wir haben ihr selbstgebackenen Kuchen mitgebracht, aber das ist noch lange kein Grund, so nett zu uns zu sein. “Arme Nadine”, hat Sebi mal gesagt und mich in den Arm genommen, “du machst echt was mit.” Da kamen wir gerade wieder mal von einem Treffen mit einem schrecklichen Menschen aus der Medienbranche. Die gibt es da zu Genüge. Sebi und ich dachten schon, wir wären möglicherweise die einzigen beiden netten Menschen in der Medienbranche, aber jetzt wissen wir, dass es mindestens noch einen dritten gibt. Wenn die gute Kopierwerksbesitzerin wirklich unseren Film entwickelt, steht 16mm eigentlich nicht mehr viel im Wege. Wir können es selber nicht glauben!
“Sie werden das nicht schaffen”, hat der böse Kopierwerksbesitzer mir ins Gesicht gesagt. “Doch, wir schaffen das”, habe ich gesagt.
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