Gestern, als Sebi keine Unterwäsche unter seiner Hose trug, weil die Wäsche noch nicht getrocknet war, redeten wir über die Hölle. Was dabei herauskam:
Es gibt da einen Kopierwerksbesitzer, den ich hier nicht einmal verleumden muss, da jeder, der in seinem Leben schon mal etwas mit einem Kopierwerksbesitzer zu tun hatte, weiß, von wem ich rede. Dieser Kopierwerksbesitzer ist nicht gerade Sebis und mein Lieblingsmensch. Deshalb glaube ich, dass, falls ich in die Hölle komme, er neben mir stehen und mich bis ans Ende aller Tage vollquatschen wird. Sebi, der fest davon überzeugt ist, täglich auf einer Bühne vor mindestens 100.000 Leuten zu stehen, da es für diese die Hölle ist, ihn singen zu hören, denkt aber auch, dass der Kopierwerksbesitzer in der Hölle neben ihm stehen und ihn bis ans Ende aller Tage vollquatschen wird. Das ist nun ein Problem. Das würde nämlich bedeuten, dass ich in der Hölle sowohl von dem Kopierwerksbesitzer vollgequatscht werden würde, als auch Sebis Gesinge ertragen müsste und so ungerecht kann nicht mal Satan sein. Deshalb muss sich der Kopierwerksbesitzer, wenn er in die Hölle kommt,vermutlich in seinem eigenen Kopierwerk kopieren lassen (schwarz-weiß, weil die Maschine für Farbe hat er noch nicht gebaut), damit er uns beide unabhängig voneinander bis ans Ende aller Tage vollquatschen kann.
Ich weiß, das klingt nach großem Unsinn, aber der böse Kopierwerksbesitzer ist momentan wirklich fuchsteufelswild. Weil wir unseren Film nicht mehr bei ihm entwickeln lassen wollen.
Wir wollen unseren Film bei seinem Gegenteilsmenschen entwickeln lassen: Bei der guten Kopierwerksbesitzerin. Okay, wir haben ihr selbstgebackenen Kuchen mitgebracht, aber das ist noch lange kein Grund, so nett zu uns zu sein. “Arme Nadine”, hat Sebi mal gesagt und mich in den Arm genommen, “du machst echt was mit.” Da kamen wir gerade wieder mal von einem Treffen mit einem schrecklichen Menschen aus der Medienbranche. Die gibt es da zu Genüge. Sebi und ich dachten schon, wir wären möglicherweise die einzigen beiden netten Menschen in der Medienbranche, aber jetzt wissen wir, dass es mindestens noch einen dritten gibt. Wenn die gute Kopierwerksbesitzerin wirklich unseren Film entwickelt, steht 16mm eigentlich nicht mehr viel im Wege. Wir können es selber nicht glauben!
“Sie werden das nicht schaffen”, hat der böse Kopierwerksbesitzer mir ins Gesicht gesagt. “Doch, wir schaffen das”, habe ich gesagt.