00:54 Uhr

Da kommt man gerade von einem mehr oder weniger grauseligen “Fluch der Karibik 3″ (vielleicht bin ich auch nur etwas verwirrt, weil ich Teil 2 ausgelassen habe, nein, das ist es nicht) nach Hause, euphorisch, denn man denkt sich: Das kannst du doch besser und beschließt, dass 00:54 Uhr sicher die optimale Zeit ist, endlich nochmal die viel kritisierte Anfangsszene in Angriff zu nehmen. Die erste Szene, das habe ich gerade diese Woche im Drehbuchseminar gelernt, ist in jedem Film die wichtigste, weil sie die Schablone ist, an der man den Rest des Films misst. Das bedeutet, die Welt, die in der ersten Szene geschaffen wird, wird auch für den Verlauf der kompletten Handlung als verbindlich richtungsweisend angesehen. Viel Theorie am späten Abend, ich weiß, aber in Anbetracht dessen, dass ich, seit Sebi und ich uns einen neuen Anfang ausgedacht haben, zwei Sätze zu Stande gebracht habe, muss ich mich an jeden Rettungsanker (bemerkenswerte auf Fluch der Karibik bezogene Metapher, ach nein, ich hasse Leute, die in Klammern auf irgendwelche Stilmittel hinweisen, die vordergründig hintersinnig wirken) klammern. Den zweiten von den zwei Sätzen finde ich im Übrigen auch noch dämlich, das heißt, den lösche ich eh gleich wieder und den ersten, naja, den hat ja Sebi mir schon bei der Besprechung gesagt, das heißt entweder der erste Satz ist sowieso auch blöd oder aber zumindest nicht mein Verdienst.

So ist es also, wenn man um 00:54 Uhr auf die Idee kommt, Drehbuch weiter zu schreiben. Und jetzt ist es im Übrigen auch schon 01:04, wieder zehn Minuten vergangen, in denen ich keinen tollen ersten Satz und keinen tollen zweiten Satz geschrieben habe und jetzt fängt auch noch gleich mein Gewissenskrieg an, ob ich die Wiederholung von Monk gucken darf oder weiterschreiben soll. Ach, vielleicht ist 00:54 Uhr ja doch ‘ne blöde Zeit und überhaupt haben Sebi und Ralf mir eh versprochen, dass ich noch während der Dreharbeiten auf einer gelben Schreibmaschine weitertippen darf. Wie Stanley Kubrick.

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