Archive für 16.7.2007

Torschusspanik

Ihr wundert euch vielleicht, weshalb die Blogabstinenz- Zeiten immer länger werden, die Einträge selbst seltener (Ralf), kürzer (Sebi) und schlechter (Nadine) ausfallen als bisher gekannt. Vielleicht wundert ihr euch auch, das auf der Webseite immer noch die News von vor einem Monat prangen, ganz so, als wäre im letzten Monat so rein gar nichts passiert. Aber während ihr erbost von eurer Hollywoodschaukel ruft: “Ja, sind die denn eingeschlafen, läuft denn bei denen garnichts mehr?” und dabei beinahe euren Cocktail verschlabbert, kann ich euch versichern:

Hier schläft niemand. Seit Tagen nichtmehr. Täglich kommen Mitarbeiter der Ausstattung gelaufen, verstört vom arbeiten ohne Pause, die Arme wund von der intravenösen Nahrungsaufnahmeeinheit und werfen Requisiten vor meine Füße, und wollen gar kündigen.
Doch der erfahrene Filmschaffende, mit Sonnenbrille und Regiecappie, lässt sich davon nicht beeindrucken und antwortet trocken: “Du hast doch gar keinen Arbeitsvertrag von dem du zurücktreten könntest!” Ziemlich überrascht und überzeugt trotten sie dann zurück ins Glied, um ihre Arbeit fortzusetzen, die wieder durch eine unnötige Pause unterbrochen worden ist.

Gegen Mittag begebe ich mich dann meistens ins Produktionsbüro. Während ich mit Ordnern beworfen und mit wüsten Forderungen traktiert werde, schreite ich erhaben zu meiner Couch. “Für diese Knochenarbeit wollen wir mindestens das doppelte an Gage!” rufen sie wie aus einer Kehle.
Doch auch davon lässt sich der erfahrene Filmschaffende nicht blenden: “Klar!” sagt er gewieft, “Kein Problem. Denn das doppelte von Null ist immernoch Null! Muahhaha!” Überrascht aber auch etwas erleichtert setzen sie ihre Arbeit fort, die wiedermal von einer unnötigen Pause unterbrochen worden ist.

Am Nachmittag statte ich dann der Drehbuchabteilung einen Besuch ab und prüfe die Spanngurte, die sie zu einer produktiven Einheit mit ihrem Computer verbindet. Meistens lockern sich diese ein wenig, wenn zu sehr daran gezerrt wird. Erbost über diese Nachlässigkeit der Mitarbeiter im Drehbuch-Spanngurte-Kontrollteam ziehe ich die Gurte selbst fester, denn letztlich ist es ja so, dass man ja doch alles selbst machen muss. Jemand ruft mir noch was nach, ich kann es aber nicht verstehen, vielleicht liegt es am Klebeband, das über seinem Mund klebt. Zum Glück reagiere ich auch nicht darauf, das käme einer unnötigen Störung des Arbeitsablaufes gleich.

Gegen Abend besuche ich dann die Kopfhautmassage-Abteilung, die zum Glück logistisch perfekt geplant, direkt neben der Kühles-aber-nicht-zu-kaltes Bier-Abteilung gelegen ist und prüfe gerade bei diesen wichtigen Departments die Qualität der Arbeit selbst.

Dann noch später falle ich erschöpt in meine Hollywoodschaukel und beinahe belastet mich dann das Trinken des aus frischen Früchten und von 15 nackten Jungfrauen handgepresste Cocktailgetränk zu sehr, aber selbst das bekomme ich dann auch noch hin.

Ihr seht also deutlich, zum Schreiben sinnloser Blogeinträge ist in dieser heißen Phase hier wahrlich keine Zeit!

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