Archive für 30.7.2007

Der Tag davor

Hier sind wir nun, Herr R., und werden es wohl schaffen. Leicht war es nicht. Sebi hat Tinitus, ich Magenentzündung und Ralf musste kotzen. Da war Stress, da war Streit, da waren Tränen. Da war Zeit, die verging und nicht verging-immer so, wie man es nicht brauchte.
Bittbriefe, Bettelei, Förderungsanträge, Anschreiben und 249 Briefmarken-mit der Zunge aufgeklebt-und 189 Absagen. Telefonrechnungen für 140 € im Monat, eine 0900-Nummer war auch dabei. 9 Leute im Büro und eine Schildkröte-eng, laut, ein geschriebener Satz, eine Zwischenfrage.

2000 gefahrene Kilometer, Mc Donalds und noch mehr Magenschmerzen, viel Regen, wenig Sonne.

Sechs Computer, 16 Stunden am Tag gelaufen, ein lauter Netzwerkkühler,der Coldplay übertönt. E-Mails, E-Mails, E-Mails, 25 kB, 635 kB und 14 MB. Ein Internet, das mal geht, mal nicht- nach Lust und Laune.

Viele viele Stunden, in denen geredet wird und diskutiert und gefeilt und gekämpft- an Sätzen, die es letztendlich nie ins Drehbuch schaffen.

Streit, wer dem netten, aber nicht besonders guten Schauspieler absagt. Lange Telefonate- Kritik und Lob. Unser Hauptdarsteller, den wir hatten und verloren und hatten und verloren. Drehpläne, stundenlanges Verschieben und neue Telefonate. Prioritäten und Darsteller, für die es sich gelohnt hat.

Krisensitzungen und motivierende Ansprachen. Tage mit schlechter Laune und Katastrophen-Tage mit schlechten Nachrichten.

Die Equipment-Suche ohne Erfolg. Die Angst, keine Kamera zu bekommen. Die Tatsache, keine Kamera zu bekommen und nur noch eine Woche Zeit. Das Gespräch vor dem Haus-Alles absagen? Verschieben? Geht nicht. Eine Liste mit einem Vorteil und 17 Nachteilen. Ein Tag später, die Zusage für zwei Kameras. Haben wir Glück. Haben wir Pech. Sucher kaputt. Und letztendlich doch noch eine Zusage für eine Kamera aus Berlin.

Hier sitze ich nun zum ersten Mal seit Wochen alleine im Produktionsbüro. Nur die Schildkröte ist auch da und denke nach. Zum ersten Mal seit Wochen. Die anderen machen die letzte Besorgungen. Ich darf nachdenken. Jetzt geht es los. Wie wird es wohl werden? Haben wir an alles gedacht? Wahrscheinlich nicht. War es das jetzt, das Beste, was wir rausholen konnten?

Es ist die eine Belohnung, die wir jetzt bekommen. Das eine Mal, das wir alle da sind-wir,die Crew, die Schauspieler und die Filmrolle, die belichtet wird. Die eine Chance, die ich habe, durch das Haus zu gehen wie durch meine Geschichte.

Wenn die erste Klappe schlägt, halte ich die Luft an. Weil ich Angst hab, der Moment vergeht.
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