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27.8.2007 von Sebastian.
Irgendwie habe ich mir in der letzten Zeit diese schreckliche Angewohnheit angewöhnt, bei besonders wichtigen Sachen, bei Themen, die eigentlich keinen Spaß verstehen und mit besonderem Bedacht artikuliert werden sollten, den unrühmlichen Zusatz “und so” anzufügen.
“Herzliches Beileid. Und so!”
Weiß auch nicht so genau, aber irgendwie fand ich den Kontrast so herrlich, vielleicht auch nicht, jedenfalls sag ich es jetzt immer. Das wäre ja soweit auch ganz toll vonwegen Freiheit und so, aber leider denkt der Großteil der Bevölkerung weniger gut mit und hält mich deshalb für peinlich. Keine Freunde, Verstoßung, Wüste, man kennt das ja.
Naja, ihr fragt euch sicher, was das jetzt alles miteinander zu tun haben wird. Das weiß ich auch noch nicht so ganz genau, vielleicht klärt sich später aber alles.
Vielleicht ist es auch nur ein Zeichen von Unsicherheit meinerseits. Der Dreh ist nun seit einer Woche vorüber und ich frage mich seit dieser Zeit, was ich denn nun schreiben soll, nach all dem, was geschehen ist. So viele Gedanken und Gefühle, so stark und intensiv, diese Zeit mit euch. Mit Tränen und so. Und das obwohl ich seit zwei Jahren nicht mehr geweint habe. Und Freude zum Reinbeißen, Boom-Chaka-Laka und Hüftschwung. Sehr intensiv eben. Das ist es doch letztlich, was wir alle wollen: Intensiv leben, zumindest sagt das Nadine immer, kurz bevor ich ihr widerspreche, obwohl ich ihr eigentlich zustimmen müsste.
Ich glaube, das sind die Geschichten, von denen man später erzählen wird, wenn man irgend jemanden klarmachen will, wie toll alles früher war. Und es wird niemanden interessieren, weil es niemand versteht, der nicht dabei war. Es war garnicht die Tatsache des Films an sich, die mich so begeistert hat, es war diese Kraft, die von allen ausging und in eine Richtung strebte. Es war dieses Gefühl des Schaffens, das man sofort hatte, wenn man dieses Haus betrat. Dieses geschäftige Treiben und Denken, das auf der Wiese begann und sich bis aufs Dach hinaufzog. Viele Gäste, die uns besuchten, waren begeistert von dem Dreh, ich wusste erst nicht recht warum, denn zu sehen war meist wenig. Es war genau dieses Gefühl, das die Luft zum schneiden dick machte, und für jeden spürbar wurde. Ja, und Teil dieser Kraft zu sein, das war es, dass mich am allermeisten beeindruckt hat und mich bis hierhin zeichnet.
Und das ist der Grund, weshalb es weitergehen muss. Wir werden neues Geld besorgen, neuen Kuchen backen, neue Kameras schnorren und heulen und zittern und beten, und wir werden drehen, wieder.
Mit euch zusammen. Und wir werden wieder ziehen an einem Strang, vielleicht noch fester, denn ab jetzt gehören wir zusammen. Zieht euch warm an, es wird Winter.
Wie soll ein Blogeintrag werden, der doch nichtmal annähernd erfassen kann, was wichtig ist für diese Zeit und für mich und vielleicht auch für euch. Ein Blogeintrag auf den aber dennoch alle gespannt schauen werden. Da kommen einem schonmal eigenartige Ideen für den Anfang, und so.
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25.8.2007 von Nadine.
Der obligatorische “Der Tag danach”-Artikel. Das ist nicht leicht. Leistungsdruck und so, seit ich weiß, dass Stefan seiner Frau den Blog immer vorliest.
Bis gestern haben wir das Haus ausgeräumt, deshalb ist ja auch erst heute der Tag danach- zumindest für mich. Ich bin jetzt zu Hause, damit Sebi abends endlich wieder schlafen kann- ohne mein Gejammere, dass ich einen Splitter im Finger habe und mein Rücken wehtut und überhaupt alles so furchtbar traurig ist. Insgesamt ist alles wundervoll- Wann benutzt man schonmal das Wort “wundervoll”? Sowas hätte ich Toni am Set sicher verboten. Es ist wundervoll, dass wir es hingekriegt haben, dass wir so t0lle Leute kennen gelernt haben und dass wir jetzt wieder Zeit haben. Fragt sich nur, Zeit für was?
Was ich heute bisher gemacht habe: Wäsche gewaschen, Popstars-Das Magazin geguckt, Grillsteak aus der Pfanne gegessen. Nicht gerade meine Lieblingsbeschäftigungen auf der Welt. Ist es das? Will ich so mein zukünftiges Leben verbringen??? Ein Freund schlägt mir gerade vor, dass wir uns die neuen Fenster im Dom angucken könnten- Soll sowas jetzt das Highlight meines Tages sein? Und morgen muss ich mit meiner Hausarbeit anfangen und nächste Woche muss ich in die Keramikfabrik Stäbchen brechen.
Ich will zurück! Ich will zurück zu euch!
Ich will mich zu neunt in den Chrysler quetschen und Motze von Moritz, weil wir schon wieder zu spät sind, ich will Frühstücks-Buffet von Gaby und Stifte von Eva und Tobi aus dem Produktionsbüro, ich will Mitch Guten Morgen sagen, der schon wieder das “Ich habe das Drehbuch nicht gelesen”-T-Shirt anhat, ich will mich in Helenes Zimmer treffen und die nächste Szene besprechen, ich will Freddys lustiges Lachen hören und einen Klaps auf die Schulter von Bene, ich will Moritz zusehen, wie er die Lampe um einen Millimeter verschiebt und Ralf, wie er den perfekten Platz für seinen Watchman findet und Waya, wie sie wieder mit der Klappe aus irgendeiner Ecke rausspringt, ich will Witze mit Lisa machen, weil es vier Uhr ist und wir immer noch drehen, ich will danach trotzdem noch zum See fahren, wo Sebi nacktbadet. Kommt, ich höre mir diesmal auch die Blumenkotz-Geschichte an, ich schreie Sebi nicht mehr an, wenn er eine komische Idee hat, ich esse nicht mehr den ganzen Tag Süßigkeiten, Sprichwörter sind ab jetzt am Set erlaubt, ich rede mit Kurt solange er will über Ameisen, ich passe auf meine Stifte auf, ich trinke nicht mehr aus Michael Pinks Tasse, ich versuche, unkritisch zu gucken und ich setze mich auch dafür ein, dass wir weniger als 16 Stunden drehen, aber lasst uns zurückgehen. Kommt zurück, kommt zurück!
Ich will ja nicht, dass jetzt jemand aus Mitleid zurückkehrt und es klingt natürlich auch ganz schön kitschig, aber ich bin ja eine Freundin psychischer Erpressung. Ich ging in den letzten Tagen durch das Haus, das immer leerer und leerer wurde, aber das ist eine andere Geschichte, die Sebi an anderer Stelle erzählen möchte, und es war wie das Ende von “Titanic”. Leere Gänge, leeres Treppenhaus, leere Zimmer, als hätte dieses Haus seit Jahren niemand betreten, als wäre gar nichts passiert und dann immer wieder kleine Augenblicke, in denen ihr da rumgewuselt seid. Das war wundervoll.
Ihr wart wundervoll!
Nadine
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