Einmal, als Sebi schon in wirren Fieberträumen steckte über ein Treffen mit Willy Schmidt, der Kreuzung aus Helmut Schmidt und Willy Brandt, oder über wilden Sex mit seiner Lieblingshassfeindin aus der Uni oder über sein Leben, das in Zeitlupe (50fps) verlief, weil er so gestresst war von dem Theaterfilm, den er jeden Tag schnitt, um unsere Budgetüberschreitung zu bezahlen, von Treffen mit einem Tonstudiobesitzer, der auch Willy Schmidt heißt, der unseren Ton checkte und sagte, dass er gut sei und verstörten Telefonaten mit dem Mann von der KHM, der unsere Rechnungen vom Kopierwerk zugesendet bekam, saß ich herum und hab… eigentlich gar nichts getan, außer mit dem rechten Finger ab und an die Maustaste zu aktivieren, um Outlook zu checken. Eine Studivz-Nachricht! Von so ‘nem Typen. Naja, den fand ich ja mal ganz sexy. Und nett. Aber er war 32. Ich dachte noch eine halbe Stunde darüber nach, welcher Grad an Sexappeal wie viele Lebensjahre aufheben kann. Naja, naja.
Am folgenden Tag. Ich saß so auf der Arbeit herum und hab… eigentlich gar nichts getan, außer herauszufinden, dass die Zeilen der Excel-Tabelle bis 65536 gehen und die Spalten bis IV, da fiel mir ein, dass dieser Typ Designer ist. Da fiel mir ein, dass ich ja mal einen Film gedreht habe. Vor kurzem. Da fiel mir ein, dass ich auf diese Kombination ja eigentlich schon eher hätte kommen können, aber irgendwie ja keine Zeit hatte, darüber nachzudenken. Nun wusste ich also endlich, was ich diesem Typen zurückschreiben sollte. Ob er Lust hatte, für unseren Film Filmplakate zu machen und DVD-Inlays und lauter solche Sachen. Stolz erzählte ich Sebi, als er mich am nächsten Tag anrief, von meiner großartigen Film-caritativen Idee, redete etwas von vollstem Engagement und Motivation, die einfach nicht aufzuhalten war.
Besonders toll fand ich meine selbstlose Art, denn eigentlich hatte ich ja selbst schon mal ein wunderschönes Plakat entworfen. Emilys Hand, die an einer Schnur die aufgehangene Marilyn hält und die Gesichter der Bewohner außenrum, die aus dem Schatten auf die Leiche blickten. Draufschreiben wollte ich: Ayuda. Mit Joyce, Freddy und Christian Arndt (weil wir die so ja immer genannt haben). Okay, vielleicht ist das Plakat damit schon ein bisschen überfüllt, Ralf und Sebi hätten mein vollstes Engagement und meine Motivation, die einfach nicht mehr aufzuhalten war, aber ruhig mal ein bisschen zu schätzen wissen sollen.
Auch diesmal erwies sich Sebi als nicht sonderlich würdig. “Da hat sich schon irgendwann mal so ein Designertyp bei Ralf gemeldet. Glaub ich”, antwortete er, als ich von meiner tollen Idee erzählte. “Hallo! Die Designer kennen wir aber!” (Meine Mitbewohnerin und ich waren da zufällig mal auf ner Party von denen. Ohne Sebi.) “Aber er hat doch eh abgesagt”, sagte Sebi. “Ja, aber es war doch trotzdem super, dass ich ihn gefragt habe. Außerdem könnten wir ja auch jemand von den anderen Designern fragen. Tim zum Beispiel.” “Aber wir haben doch diesen Designer von Ralf.” “Tim sieht aber gut aus!” “Der Typ von Ralf sieht auch gut aus. Glaub ich.” “Tim ist aber auch erfolgreich”, sagte ich, “das sieht man an seiner schönen Wohnung.” “Ich hab auch ne schöne Wohnung”, sagte Sebi, “bin aber nicht erfolgreich. Das ist also kein Beweis.”
Soviel also zum Thema: Wie ich einmal in meiner Freizeit etwas für den Film machte.
Einmal, als ich herumsaß und… eigentlich gar nichts getan habe, außer einen Blogeintrag zu schreiben, der all jenen genügt, die endlich mal wieder was zum Thema “Ayuda” hören wollen, all jenen, die mich wieder gebündelter schreiben sehen wollen und all jenen, die wollen, dass ich endlich aufhöre, zu schreiben, fiel mir auf, dass Sebi vielleicht ein bisschen eifersüchtig ist auf Leute, die gut aussehen, eine schöne Wohnung haben und erfolgreich sind.
(Namen wurden aus privatsphärischen Gründen ausgetauscht.)
20.9.2007 bei 17:19
20.9.2007 bei 19:47
musste sebi fragen. wie aus obigem artikel subtil zu entnehmen, habe ich damit grad nicht viel am hut und wo ist überhaupt mein hut?
24.9.2007 bei 17:23
Weiß nicht aber frag mal den Ralf - der gestern mir nichts dir nichts so aus heiterem Himmel auf dem Bahnsteig 8 des Koblenzer Haupftbahnhof aufgetaucht ist
28.9.2007 bei 17:06
super, ralf lebt also noch?! da bin ich aber beruhigt…