Archive für 30.9.2007

Das liebe Geld

Nach einem eigenen Filmdreh gibt es viele Dinge zu tun. Etwa das Wegräumen der Requisiten. Das macht Spaß, denn man kann sich das ein oder andere einstecken. Das geht zwar auch bei fremden Filmdrehs, aber man braucht hier kein schlechtes Gewissen zu haben, denn es gehörte einem meist ja schon bevor es zum Requsit wurde. Aber auch extra besorgte Requisiten kann man ohne schlechtes Gewissen einstecken, denn man hat sie ja wenigstens bezahlt. Das heißt, grundsätzlich geht das natürlich nur mit den Requisiten, die man nicht schon an jemanden verschenkt hat, der ein Andenken für den Film wollte oder aber zumindest eines gut gebrauchen konnte. Insgesamt also eher eine spaßige Sachen, das Sortieren der Requisiten.

Als weniger interessant stellt sich da das Zuordnen liegengebliebener Crewbesitztümer heraus. Insbesondere dann, wenn sich für die schönen Sachen mehr Besitzer finden, als es Fundstücke gibt, der eigenartig muffige Pulli aber bloß von mir getragen wird, wenn es im Produktionsbüro mal wieder zu kalt ist. Auch das panische und erfolglose Durchstöbern von 4 Kubikmetern Müll am Mendiger Friedhof, um Leihgegenständen mit besonders hohem emotionalen Wert für den Verleiher wiederzufinden, gehören eher in die Kategorie “Interessant, aber nicht zwingend erforderlich”.

Das vielleicht bitterste der gesamten Zeit war aber der verganene Sonntag. Wir nahmen uns in unserem jugendlichen Leichtsinn vor, an diesem Tag mal eben die Quittungen der Produktion einzubuchen.
Abgründe! Wer konnte vorher ahnen, in welchem Maße wir den heimischen Einzelhandel von nie für möglich gehaltenen Warenmengen erleichtern würden.

Modellgips 2,39€. REWE-Tragetasche 0,10€. Verteiler-Baldachin 1,98€. Zellkautschuk-Belag 7,23€. Massageb. 7,95€. 20Serv.Orient.Red 2,50€. VHW07 4,95€. Senftopf Porzell 2,00€. Lang.Nogger.Orig 1,00€.

WER SOLL DAS BEZAHLEN? oder besser gesagt: WER HAT DAS BEZAHLT? Denn die Quittung belegt ja, dass es bezahlt wurde.

Etwa das “Frühjahrsmarkenset 2007″ für 5,50€. Naja, Fehlinvestition, die Briefmarken wurden für Anschreiben an Filmförderungen benötigt. Oder die beiden Flaschen “Oettinger Malz” für je 0,36€ plus 0,08€ Pfand je Flasche. Stolzer Preis, dafür dass wir nur die Kronenkorken brauchten und sie dennoch bis zum Dreh verloren hatten. Freude kam auf, als sich herausstellte, dass das “Duschbad JA!” für 1,30€ als Privatkauf gilt und deshalb subtrahiert werden konnte. Auch erinnert man sich an manch geschäftsinnige Geschichte, wie der Kauf der “Biegepuppen Bauernfamilie Aktion”, bei dem ich 2,30€ Rabatt raushandeln konnte.

60L Müllbeute 0,79€. TESAF.KLAR 2RLL +ABR 3,29€. Allzwecktuch 0,75€. Sandw.Sch.Gouda lei. 1,49€. Renovierungsset 6,99€.

Nach Stunden, in denen nichts passiert, als dass ich Beträge zwischen 0,19€ und 4.500,00€ vorlese und mein Papa diese brav in irgendeine riesige Tabelle einträgt, kommen einem so die Gedanken. Irgendwann hört man auf, sich vorzustellen, wie man das alles bezahlt, der Gedanke ist zu schmerzhaft. Stattdessen ringt das menschliche Gehirn, seinezeichen Meister in psychischer Verdrängung, so lange bis man sich ein fein gearbeitetes kleines Sparschwein vorstellt. Dort hinein darf man nach jedem genannten Betrag die Mehrwertsteuer einwerfen, die man ja vielleicht irgendwann vom Finanzamt zurückbekommt. Und plötzlich freut man sich über hohe Beträge, denn die Mehrwertsteuer ist dann auch größer. Freundlich grüßt man im Geiste die kürzliche Erhöhung ebendieser Steuer. Erbost reagiert man auf Lebensmittel der Grundversorgung, auf denen bl0ß 7% Steuer liegt. Geradezu frech maßen da Briefmarken an, kein Fünkchen Steuer darauf. Das Sparschwein weint.

Und irgendwann am Abend, die Sonne ist längst untergeganen, trägt man dann sein prall gefülltes Schweinchen nach Hause. Erschöpft ist man und auch ein bisschen stolz, heute wieder so viel Geld verdient zu haben.

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