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29.2.2008 von Sebastian.
“Bescheidenheit ist eine Tugend. -Meine!”
Und so sieht es hier im Moment hier bei uns aus. Die Sparkasse ruft “Juchee!” wenn wir ankündigen einen Raubüberfall inszenieren zu wollen. Die Polizei sei ja direkt gegenüber und deshalb habe man keine Angst, erwidert die freundliche Filialleiterinnenstimme in amüsiertem Tonfall. Ich bin enttäuscht, dass die Filiale in einer Fußgängerzone liegt und wir deshalb den Fluchtwagen nur im Schritttempo wegfahren lassen können.
“Ja stimmt! Die Pokerchips sind wirklich hässlich. Kauft ein paar schöne, ich bezahl sie euch!” antwortet der freundliche Spielhöllenbesitzer, dessen kaum genutzte Pokertische natürlich von uns genutzt werden dürfen, auf mein enttäuschtes Geräusch, als er mir die Pokerchips des Hauses zeigt. Dann schaltet er das Licht aus, nicht ohne zu bemerken, dass wir das Kabel von seinem Starkstromanschluss zu unseren energiehungrigen Lampen ruhig mitten durch den Laden legen können, seine Kunden seien so was gewöhnt.
Unser freundlicher Filmmaterialhändler macht uns das zweitbeste Angebot, das Studenten je bekommen haben, ein bisschen enttäuscht erkenne ich zwar, dass wir das beste ja schon im Sommer bekommen haben, aber das wäre ja sicher noch zu toppen gewesen. Als Wiedergutmachung will er deshalb ein gutes Wort beim Kopierwerk für uns einlegen.
Ich hoffe sehr, dass die nächste Woche etwas besser läuft. Immerhin bin ich im Dunkeln gegen einen Spielautomaten gestoßen. Das hat wehgetan. Gut, habe damit den Jackpot geknackt, aber wie gesagt: Nächste Woche wird bestimmt wieder besser!
Das Tontier- nicht zu verwechseln mit dem Tonmenschen. Ebenfalls bescheiden!
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18.2.2008 von Nadine.
Leider war good old Jerry nicht auf der Berlinale, das bedeutet , es wird wohl doch nichts mit den Millionen für Ayuda. Dafür war aber P.T. Anderson in Berlin. Sebi und ich dürfen ihn jetzt P.T. nennen. Er wollte die ganze Zeit mit uns rumhängen. Beweisfoto, dass wir mit P.T. rumhingen: (P.T. hat das Foto gemacht.)
Wie ihr seht, war Sebi schon ganz schön kaputt. Vielleicht ist er genervt von mir. Er hat wirklich jeden Morgen rumgequengelt, wenn ich Karten holen gehen wollte. Wenn wir nicht um halb 8 in der Schlange standen, haben wir nämlich nur die übrig gebliebenen Karten bekommen und dann kam es dazu, dass wir z.B. in dem Film “Asyl: Park and Love Hotel” saßen. Dann hat Sebi wieder gequengelt, weil der langweilig war.
Vielleicht guckt er aber auch so, weil er sich Sorgen macht, wenn er auf der nächsten Berlinale Ayuda vorstellen soll. Die Berlinale ist nämlich very internäschonell und Sebi möchte nicht wie der einzige deutsche Kurzfilmregisseur im Kurzfilmwettbewerb enden, der sagte: “My English is poor.” und “I think, ich werde bald mein nächstes Projekt starten.” Die einzige Möglichkeit, Englisch zu umgehen, ist, Mandarin zu lernen. Um zu zeigen, wie internäschonell wir hier sind, haben die Veranstalter nämlich sämtliche Filme, die im letzten Jahr von den Mandarinen gedreht wurden, eingeladen.
Die letzte Möglichkeit ist schließlich, dass Sebi ein bisschen erschöpft ist, weil er sich getraut hat, den Direktor der Hofer Filmtage anzusprechen. Ich hab zwar gesagt, wir müssen unbedingt mit dem reden, hab mich aber natürlich nicht getraut, weil wir nicht mal wussten, ob er das wirklich ist. Er zeichnete sich dadurch aus, dass er die German Filmreihe moderierte, kompetent und selbstsicher auftrat und jeden kannte, der im letzten Jahr einen Film gedreht hat. Shakernd mit Fatih Akin und flirtend mit Nicolette Krebitz kam er aus dem Kinosaal, da hat Sebi ihn einfach mal gefragt, ob das Gerücht stimmte, dass er der Chef der Hofer Filmtage sei. Hihi. Das Eis war gebrochen und wir waren charmant wie eh und je. Auf jeden Fall konnten wir Herrn Badewitz jetzt schon mal eine Trailer DVD von Ayuda geben, damit er sich an uns erinnert, wenn wir im Herbst unseren Film einsenden. P.T. klopfte uns stolz auf die Schulter.
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5.2.2008 von Sebastian.
Heute war eigentlich ein ziemlich guter Tag. Nachdem ich heute morgen aufgestanden bin, habe ich alle Ayuda-Sachen erledigt, die sich in den letzten Tagen angestaut hatten. Und über Karneval können das mal eine ganze Menge sein. Es gibt zwar einige neue Probleme, aber auch die werden wir noch lösen können. Jaja, ihr merkt schon, dass ihr hier ganz offensichtlich ausgenutzt werdet. Blabla, uninteressantes Gelabere, das er da von sich gibt. Ja, ich gestehe, ich benutze euch heute: Denn bei allem Schaffen, das man so treibt, und all den Dingen die man endlich auf der endlosen Liste durchstreichen kann, fehlt doch eines: sozialer Kontakt. Einen Tag nur vor dem Bildschirm zu verbringen, hat manchmal und für manche seinen Reiz, mich macht es immer melancholisch. Und da Nadine, sozialer Kontakt, Melancholie-Blocker und engagierter Mitstreiter in einer Person am Montmartre sitzt, seid ihr es heute, die mir den Hauch von sozialer Nähe spenden müsst. Dabei seid ihr nicht mal schlecht darin. Denn ich sehe euch da schaffen und lesen, ihre treue Leserschaft. Die, die einem noch bleiben, an einem immer dunkler werdenden Abend, wie heute. Ach!
Ihr da alle, ich danke euch heute, für eure Treue, die ihr dem Blog schon seit so langer Zeit haltet, und dass obwohl die Qualität und auch die Quantität so schwanken. Und heute danke ich euch im besonderen auch für den sozialen Kontakt, den ihr mir heute gegeben habt. Bis bald, bin aufgeladen und muss weiter machen!
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