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25.3.2008 von Nadine.
Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll. Nun ja. Dann lasse ich es wohl lieber.
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24.3.2008 von Sebastian.
Freitag 14. März; Drehbeginn: 10:00h - Drehende: 22:30h
Höhepunkt: Am ersten Drehtag direkt mit der besten Szene des Drehs zu beginnen, mag motivationstechnisch gesehen unklug sein, immerhin will man sich im Laufe der Zeit steigern, cool ist es dennoch! So fuhren wir direkt als aller erstes zum “Freeway”, eine ca. 2km langen geraden Straße hinter Hausen, um ein Polizeiauto mit 80 Sachen 15cm an der Kamera vorbei zu lenken. Moritz ruft immer: “Geht’s noch ein bisschen dichter?” Ich versuche derweil Anweisungen an das wegen Straßensperrungen im ganzen Umland verteilte Team zu geben, ohne Funkgerät, die Batterien liegen noch in Kirchwald. Erster Dehtag eben. Und dennoch, das Polizeiauto fährt mit Blaulicht und aus dem Fenster wehenden Geldscheinen 10 cm an der Kamera vorbei. Und die Zweifel flogen den Geldscheinen gleich über das nasse Feld. “Ayuda” war zurück!
Tiefpunkt: Als wir am Abend zu unserem Motiv am Laacher See kommen, gelingt es über 2 Stunden lang nicht, den Strom aus der Fischerhütte am Laufen zu halten. Zwischen Kabelwust und unzähligen steckenden und absteckenden Händen ist der Überblick mittlerweile völlig verloren gegangen. Gerade als wie die Feuerwehr überreden wollen, einen mitternächtliche Übung mit dem Stromgenerator zu veranlassen, findet der Motivbesitzer einen 32-Ampere Anschluss im 3×3 Meter großen Abstellschuppen. Ab da kann der Dreh beginnen und noch viel wichtiger, die Maske hat Licht. Dann vergessen wir zwar vor lauter Aufregung unserem Marilyn Double die Tasche in die Hand zu drücken, die sie im Anschluss ausleeren soll, aber die Fahrt über den Steg mit den angelegten Booten ist trotzdem klasse.
Samstag, 15. März; Drehbeginn: 10:00 - Drehschluss: 3:30h
Höhepunkt: Samstag, das sollte der Hammertag werden, das wissen wir. Immerhin haben wir nur einen Tag Zeit um alle Szenen mit Emily und Nicholas abzudrehen, und das sind viele. Nachdem wir den gesamten Vormittag in der Stadt verbringen, müssen wir noch ins Spielzimmer und drehen da noch etwa 10 Stunden weiter. Der tollste Moment des Tages ist eine Einstellung, die ich hier nicht verraten werde, da sie die Auflösung des Films vorwegnehmen würde. Für alle, die sich dennoch dafür interessieren, empfehle ich einen Blick in den Kölner Stadtanzeiger, dort hat Kurt im Interview nämlich nicht nur kräftig Werbung für Ayuda gemacht, sondern das Ende gleich mitveraten.
Tiefpunkt: Nadine rastet aus, als ich beschließe nach Abschluss der eigentlichen Arbeiten noch drei Details zu drehen, mir ist das egal, die Details werden gedreht und drei Kabel sind nachher durch bloße Wut so verwurschtelt, dass die Beleuchter noch ne Weile länger bleiben müssen. Nadine ist jetzt doppelt sauer, weil ich das ja irgendwie auch schuld wäre.
Sonntag, 16. März; Drehbeginn: 13:00 - Drehschluss: 4:00h
Höhepunkt: Wir frühstücken alle bei Oma, unsere letzte Hoffnung und Geheimwaffe zugleich, um Beleuchter Stefan doch noch bis Ende des Drehs zu halten. Hm, es gibt leckere Sachen, alles, was das Herz begehrt. Die Techniker rund um Mitch freuen sich, dass es echtes Eifeler Schwarzbrot gibt. Die Mett-Igel sind auch beliebt. Nadine ist sauer, weil es keine Brötchen gibt. Ich erkläre ihr, dass Sonntag ist, und dass es ja nicht so schlimm ist, einmal während des Drehs Brot zu essen. Nadine hat kein Verständnis dafür. Sie droht damit, die Rechte für ihr Buch nachträglich zu entziehen. Eigentlicher Höhepunkt sind aber unsere beiden Marilyns an diesem Tag, denn heute sehen wir die beiden zum ersten Mal zusammen, Joyce und ihr Double Sibel. Da Joyce den Fuß gebrochen hat, kann sie immer nur ins Bild reingleiten, alles andere muss Sibel erledigen. Direkt beim Frühstück gibts die erste Verwechslung: Vegetarierin Joyce isst einen Mett-Igel, weil sie sich selbst mit Sibel verwechselt hat.
Tiefpunkt: Nachdem der Tag super läuft stellen wir am Abend fest, dass zwar alles eingeleuchtet, vorbereitet aufgelöst und bereit ist, die Schauspielerin für dieses Bild aber nicht gekommen ist. Da Sibel mittlerweile ihren Schönheitsschlaf macht, wollen wir Ralf ins rote Kleid stecken. Als uns auffällt, dass das Seil mit dem hängenden Ralf keine rechte Spannung aufbaut, muss Nadine ins rote Kleid steigen und doubelt für diese Szene die fehlende Darstellerin, mal wieder. Da wir alle mittlerweile ganz geblendet sind vom Gegenlicht, das Moritz setzt, um das Gesicht unkenntlich zu lassen, gelingt es Beleuchter Stefan O. sich unbemerkt davon zu schleichen.
Montag, 17. März; Drehbeginn: 13:00 - Drehschluss: 2:00h
Höhepunkt: Beim Dreh vor der Sparkasse in Mayen werde ich von einem Passanten um ein Autogramm gebeten. Auch wenn er mich zunächst für einen Tontechniker hält, und erst nach einer Korrektur der Tätigkeitsbeschreibung meinerseits auf diese famose Idee kommt, freue ich mich sehr. Während ich im Ruhm bade, fällt mir leider nicht auf, dass Joyce mit ihrem gebrochenen Fuß die waghalsige und überstürtzte Flucht aus der Bank nicht gut rüberbringt. Zu wenig wandlungsfähig! Nadine fällt das zwar auf, sagt aber nichts. Sie ist sauer, weil sie nie für einen Tontechniker gehalten wird.
Tiefpunkt: Wegen der ganzen Doubelei verwechselt Joyces Begleiterin Susi sich selbst mit Kamilla und gibt dieser ihre Handtasche mit. Als später auffällt dass darin Schlüssen, Handy und Überlebensföhn sind, muss kurz ein Drehstopp eingelegt werden. Wir beschließen schnell, die Handtasche zu doublen, Moritz setzt Gegenlicht und Jenny schmuggelt in einem unbemerkten Moment einen Stein ähnlicher Größe in Susis Hand. Alle sind glücklich, der Drehtag endet gut.
Dienstag, 18. März; Drehbeginn: 09:00 - Drehschluss: 2:00h
Höhepunkt: Sibel wird aufgehängt. Da wir noch Marilyns Füße filmen müssen, Joyce’s Fuß aber gerade unpässlich ist, wird Sibel in die Harnes-Weste gehangen. Sie freut sich so sehr darüber, dass sie die vier Tage frieren im Minirock und den verpassten Geburtstag ihres Freundes locker verzeiht. Christian Arndt ist auch wieder da. Außerdem Marco, Kamilla und Lea, es ist fast wie ein Klassentreffen. Nur, dass alle andere Frisuren haben. Obwohl das bei Klassentreffen ja auch vorkommt. Gut, dass wir die mit ihnen gemachten Nahaufnahmen direkt in den Anschluss der alten Szenen schneiden wollen. Nadine hat die Idee, dass wir den Film nur männlichem Publikum zeigen sollten, denen fallen Änderungen im Zusammenhang mit Haaren nämlich statistisch seltener auf.
Tiefpunkt: Um 2:00h ist alles vorbei. Wir fallen uns freudig in die Arme. Und doch endet “Ayuda” hier, zumindest für die meisten. Außer Nadine, Ralf und mir findet das zwar eigentlich niemand traurig, aber wir reden uns ein, dass die anderen das nur nicht so gut ausdrücken können. Die Sprechchöre “Nie wieder Ayuda!” deuten wir ebenfalls als Ausdruck des Bedauerns. Als dann um 2:07h die letzten Gäste das Abschlussfest verlassen, sitzen wir traurig aber auch sehr stolz auf einem Stuhl.
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24.3.2008 von Nadine.
April: Der Nachdreh, auch bekannt unter dem Pseudonym „Doubeln für Fortgeschrittene“, war ein großer Erfolg (nähere Informationen siehe nächster Blogeintrag). Da die Produktion von der Doubelei zu profitieren scheint, suchen wir jetzt noch dringend ein Double für unseren Komponisten (muss nicht musikalisch sein, Instrumentation wird gedoubelt) und unseren Cutter (Haare egal, denn es wird eine Mütze getragen)!
Mai: Aufgrund des Lochs, das Sebi seit Beendigung der Dreharbeiten verspürt, beginnt er eine neue kreative Betätigung. Er verfasst das lang geplante „Sammelband des Zitierens für alles“. Hier findet man unter anderem Zitate wie „Dies entspricht ganz meiner Meinung.“ und „Den Rest kann sich der Leser ja selbst erschließen.“ Außerdem natürlich noch: „Ayuda ist top!“ Alles Zitate von dem Sebastian Hilger. (Kann ich ein Autogramm haben?) Pro7 startet das erfolgversprechende Format „Germany’s next Double“, in dem sich unter anderem die Schauspielerin Rita W. als Double für eine Fallleinenspannerin mit Mimik bewirbt.
Juni: Nadine kommt zurück, na endlich! Manche haben nicht mal gemerkt, dass sie weg war, weil sie ja doch die ganze Zeit in Deutschland rum hing. Vielleicht sind ja noch ein paar der Brötchen vom Bäckereiwerbespot, den Footsteps produziert hat, übrig, denn Nadine hat immer Hunger. Frisch gestärkt könnte man sich an die Planung eines kleinen aber feinen Kurzfilms für den Sommer machen. Oder aber mit den ersten PR-Aktionen für Ayuda beginnen, zum Beispiel bei einer der gefragtesten und bemerkenswertesten Zeitungen Europas, der Kölnischen Rundschau.
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12.3.2008 von Nadine.
Milton, der Teufel aus “The Devil’s Advocat”, (den nehme ich mal, weil er mein Lieblingsteufel ist), hatte ganz schön viel Stress. Er hatte beschlossen, “Ayuda” zu verhindern. Warum? Wissen wir auch nicht so richtig. Weil eine der zwei Eigenschaften des Teufels ist, dass er böse ist. Und das mit ihrem Herzblut auf die Beine gestellte Erstlingsprojekt eines jungen Teams unbescholtener Filmemacher kam ihm da gerade Recht. Als der Nachdreh anstand, überlegte er sich, was er denn noch organisieren könnte, um uns unglücklich zu machen. Hehe, dachte Milton und lachte garstig, wie wäre es, wenn ihr Hauptdarsteller zwei Wochen vor dem Dreh absagen würde? Upsi, das hab ich ja schon mal organisiert. Na gut, was wäre, wenn ihre Kamera zwei Tage vor dem Dreh kaputt ginge? Ypsilanti, hab ich ja auch schon mal ausprobiert. Milton war ganz schön aufgeschmissen, denn es gibt ja eigentlich nichts Schlimmeres als einen Hauptdarsteller, der einem zwei Wochen vor dem Dreh absagt oder einer Kamera, die zwei Tage vor dem Dreh kaputt geht. Aber für den Nachdreh hatte Milton eine neue Chance.
Erstmal organisierte er, dass unsere Marilyn und Emily beide Hauptrollen in täglich ausgestrahlten Serien bekamen. Er freute sich, denn so wurde es zu einem Ding der Unmöglichkeit, fünf Drehtage zu finden, an denen wir den Film vollenden konnten, da beide nur an den Wochenenden frei hatten. Und Marilyn und Emily an zwei Tagen abzudrehen, das würde nicht mal Gott schaffen. Als die Marilyn sich dann jedoch bereit erklärte, ihren einzigen Jahresurlaub für „Ayuda“ zu opfern, sodass sie auch unter der Woche drehen konnte, wurde Milton stinksauer im Angesicht von soviel Nächstenliebe. Begeistert von dem einzigen Termin, den wir nach Monaten finden konnten, machten wir uns an die Vorbereitungen. Und Milton zürnte. Das machte sich auch an der Kälte, die plötzlich mitten im Frühling herrschte, bemerkbar. Schnee. Ein Geistesblitz. Der kleine Nicholas könnte ausgeschaltet werden. Und so kam es, dass selbst der kleine Junge, der kein Schauspieler war, und eigentlich immer Zeit hatte, plötzlich einen Sperrtermin hatte. Er fuhr nämlich in den Skiurlaub. Logischerweise, genau an dem Tag, an dem wir ihn dringend brauchten. Und Emily und Nicholas abzudrehen, ohne dass sie einen gemeinsamen Drehtag hatten, das würde nicht mal Gott schaffen. Harr harr harr! Als der kleine Nicholas sich jedoch bereit erklärte, einen Drehtag auf sich zu nehmen, der morgens um 9 beginnen und nachts um 2 enden würde, wobei er direkt vom Set aus in den Urlaub fahren würde, wurde Milton stinksauer in Anbetracht solcher Nächstenliebe. Nichts schien dieses unverbesserliche Team unbescholtener Filmemacher aufhalten zu können. Einem erfolgreichen Nachdreh stand plötzlich nichts mehr im Wege. Milton konnte es nicht mehr sehen, wie es ihnen gelang, die Termine der Crew unter einen Hut zu bekommen, wie sie auf der Suche nach Motiven auf immer schönere Locations stießen und wie sie Boom-chakalaka tanzten. Es gab nur noch eine Möglichkeit: Das einzige, was nämlich schlimmer ist als ein fehlender Hauptdarsteller und eine kaputte Kamera ist eine Hauptdarstellerin, die sich den Fuß gebrochen hat. Das einzige, was noch schlimmer ist als eine Hauptdarstellerin, die sich den Fuß gebrochen hat, ist eine Hauptdarstellerin, die sich nur den Fuß gebrochen hat, weil ihr jemand auf den Fuß getreten ist. Das einzige, was noch schlimmer ist als eine Hauptdarstellerin, die sich nur den Fuß gebrochen hat, weil ihr jemand auf den Fuß getreten ist, ist eine Hauptdarstellerin, die sich den Fuß gebrochen hat, allerdings nur noch Szenen zu drehen hat, in denen sie durch das Bild laufen muss.
Es war der perfekte Plan und ja, er könnte wirklich alles zunichte machen. Denn ob wir das schaffen würden? Die Motoren ein drittes Mal anzuschmeißen und uns selber zu motivieren? Die Leute noch einmal zusammen zu kriegen? Die weiteren Kosten zu tragen? Ich habe Zweifel. Und ja, selbst wenn wir es hinkriegen würden, unseren Film zu vollenden, er würde leiden darunter, dessen bin ich mir sicher. Momentan sieht es so aus, als hätten wir Glück. Dass der Arzt Joyce wohl erlauben wird zu drehen und dass Joyce die Anstrengung auf sich nehmen wird und trotz dieser heftigen Situation mit uns drehen will und dass wir mit Sibel für die Totalen ein Double gefunden haben, das Joyce irgendwie wie aus dem Gesicht geschnitten ist. Und wir alle sind wohl wieder mal ein bisschen näher zusammen gerückt in der Woche voller Angst und Ungewissheit, wir haben unser Ziel wieder klar vor Augen und jeder Motivationsschwund ist verflogen. Aber so ganz will man der Sache noch nicht trauen. Man weiß nie, ob Milton nicht noch ein Ass im Ärmel hat, auch wenn er in „The Devil’s Advocat“ sagt, er sei Humanist. Vielleicht der letzte.![]()
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