Stimmen zum Dreh

Freitag 14. März; Drehbeginn: 10:00h - Drehende: 22:30h

Höhepunkt: Am ersten Drehtag direkt mit der besten Szene des Drehs zu beginnen, mag motivationstechnisch gesehen unklug sein, immerhin will man sich im Laufe der Zeit steigern, cool ist es dennoch! So fuhren wir direkt als aller erstes zum “Freeway”, eine ca. 2km langen geraden Straße hinter Hausen, um ein Polizeiauto mit 80 Sachen 15cm an der Kamera vorbei zu lenken. Moritz ruft immer: “Geht’s noch ein bisschen dichter?” Ich versuche derweil Anweisungen an das wegen Straßensperrungen im ganzen Umland verteilte Team zu geben, ohne Funkgerät, die Batterien liegen noch in Kirchwald. Erster Dehtag eben. Und dennoch, das Polizeiauto fährt mit Blaulicht und aus dem Fenster wehenden Geldscheinen 10 cm an der Kamera vorbei. Und die Zweifel flogen den Geldscheinen gleich über das nasse Feld. “Ayuda” war zurück!

Tiefpunkt: Als wir am Abend zu unserem Motiv am Laacher See kommen, gelingt es über 2 Stunden lang nicht, den Strom aus der Fischerhütte am Laufen zu halten. Zwischen Kabelwust und unzähligen steckenden und absteckenden Händen ist der Überblick mittlerweile völlig verloren gegangen. Gerade als wie die Feuerwehr überreden wollen, einen mitternächtliche Übung mit dem Stromgenerator zu veranlassen, findet der Motivbesitzer einen 32-Ampere Anschluss im 3×3 Meter großen Abstellschuppen. Ab da kann der Dreh beginnen und noch viel wichtiger, die Maske hat Licht. Dann vergessen wir zwar vor lauter Aufregung unserem Marilyn Double die Tasche in die Hand zu drücken, die sie im Anschluss ausleeren soll, aber die Fahrt über den Steg mit den angelegten Booten ist trotzdem klasse.

Samstag, 15. März; Drehbeginn: 10:00 - Drehschluss: 3:30h

Höhepunkt: Samstag, das sollte der Hammertag werden, das wissen wir. Immerhin haben wir nur einen Tag Zeit um alle Szenen mit Emily und Nicholas abzudrehen, und das sind viele. Nachdem wir den gesamten Vormittag in der Stadt verbringen, müssen wir noch ins Spielzimmer und drehen da noch etwa 10 Stunden weiter. Der tollste Moment des Tages ist eine Einstellung, die ich hier nicht verraten werde, da sie die Auflösung des Films vorwegnehmen würde. Für alle, die sich dennoch dafür interessieren, empfehle ich einen Blick in den Kölner Stadtanzeiger, dort hat Kurt im Interview nämlich nicht nur kräftig Werbung für Ayuda gemacht, sondern das Ende gleich mitveraten.

Tiefpunkt: Nadine rastet aus, als ich beschließe nach Abschluss der eigentlichen Arbeiten noch drei Details zu drehen, mir ist das egal, die Details werden gedreht und drei Kabel sind nachher durch bloße Wut so verwurschtelt, dass die Beleuchter noch ne Weile länger bleiben müssen. Nadine ist jetzt doppelt sauer, weil ich das ja irgendwie auch schuld wäre.

Sonntag, 16. März; Drehbeginn: 13:00 - Drehschluss: 4:00h

Höhepunkt: Wir frühstücken alle bei Oma, unsere letzte Hoffnung und Geheimwaffe zugleich, um Beleuchter Stefan doch noch bis Ende des Drehs zu halten. Hm, es gibt leckere Sachen, alles, was das Herz begehrt. Die Techniker rund um Mitch freuen sich, dass es echtes Eifeler Schwarzbrot gibt. Die Mett-Igel sind auch beliebt. Nadine ist sauer, weil es keine Brötchen gibt. Ich erkläre ihr, dass Sonntag ist, und dass es ja nicht so schlimm ist, einmal während des Drehs Brot zu essen. Nadine hat kein Verständnis dafür. Sie droht damit, die Rechte für ihr Buch nachträglich zu entziehen. Eigentlicher Höhepunkt sind aber unsere beiden Marilyns an diesem Tag, denn heute sehen wir die beiden zum ersten Mal zusammen, Joyce und ihr Double Sibel. Da Joyce den Fuß gebrochen hat, kann sie immer nur ins Bild reingleiten, alles andere muss Sibel erledigen. Direkt beim Frühstück gibts die erste Verwechslung: Vegetarierin Joyce isst einen Mett-Igel, weil sie sich selbst mit Sibel verwechselt hat.

Tiefpunkt: Nachdem der Tag super läuft stellen wir am Abend fest, dass zwar alles eingeleuchtet, vorbereitet aufgelöst und bereit ist, die Schauspielerin für dieses Bild aber nicht gekommen ist. Da Sibel mittlerweile ihren Schönheitsschlaf macht, wollen wir Ralf ins rote Kleid stecken. Als uns auffällt, dass das Seil mit dem hängenden Ralf keine rechte Spannung aufbaut, muss Nadine ins rote Kleid steigen und doubelt für diese Szene die fehlende Darstellerin, mal wieder. Da wir alle mittlerweile ganz geblendet sind vom Gegenlicht, das Moritz setzt, um das Gesicht unkenntlich zu lassen, gelingt es Beleuchter Stefan O. sich unbemerkt davon zu schleichen.

Montag, 17. März; Drehbeginn: 13:00 - Drehschluss: 2:00h

Höhepunkt: Beim Dreh vor der Sparkasse in Mayen werde ich von einem Passanten um ein Autogramm gebeten. Auch wenn er mich zunächst für einen Tontechniker hält, und erst nach einer Korrektur der Tätigkeitsbeschreibung meinerseits auf diese famose Idee kommt, freue ich mich sehr. Während ich im Ruhm bade, fällt mir leider nicht auf, dass Joyce mit ihrem gebrochenen Fuß die waghalsige und überstürtzte Flucht aus der Bank nicht gut rüberbringt. Zu wenig wandlungsfähig! Nadine fällt das zwar auf, sagt aber nichts. Sie ist sauer, weil sie nie für einen Tontechniker gehalten wird.

Tiefpunkt: Wegen der ganzen Doubelei verwechselt Joyces Begleiterin Susi sich selbst mit Kamilla und gibt dieser ihre Handtasche mit. Als später auffällt dass darin Schlüssen, Handy und Überlebensföhn sind, muss kurz ein Drehstopp eingelegt werden. Wir beschließen schnell, die Handtasche zu doublen, Moritz setzt Gegenlicht und Jenny schmuggelt in einem unbemerkten Moment einen Stein ähnlicher Größe in Susis Hand. Alle sind glücklich, der Drehtag endet gut.

Dienstag, 18. März; Drehbeginn: 09:00 - Drehschluss: 2:00h

Höhepunkt: Sibel wird aufgehängt. Da wir noch Marilyns Füße filmen müssen, Joyce’s Fuß aber gerade unpässlich ist, wird Sibel in die Harnes-Weste gehangen. Sie freut sich so sehr darüber, dass sie die vier Tage frieren im Minirock und den verpassten Geburtstag ihres Freundes locker verzeiht. Christian Arndt ist auch wieder da. Außerdem Marco, Kamilla und Lea, es ist fast wie ein Klassentreffen. Nur, dass alle andere Frisuren haben. Obwohl das bei Klassentreffen ja auch vorkommt. Gut, dass wir die mit ihnen gemachten Nahaufnahmen direkt in den Anschluss der alten Szenen schneiden wollen. Nadine hat die Idee, dass wir den Film nur männlichem Publikum zeigen sollten, denen fallen Änderungen im Zusammenhang mit Haaren nämlich statistisch seltener auf.

Tiefpunkt: Um 2:00h ist alles vorbei. Wir fallen uns freudig in die Arme. Und doch endet “Ayuda” hier, zumindest für die meisten. Außer Nadine, Ralf und mir findet das zwar eigentlich niemand traurig, aber wir reden uns ein, dass die anderen das nur nicht so gut ausdrücken können. Die Sprechchöre “Nie wieder Ayuda!” deuten wir ebenfalls als Ausdruck des Bedauerns. Als dann um 2:07h die letzten Gäste das Abschlussfest verlassen, sitzen wir traurig aber auch sehr stolz auf einem Stuhl.

6 Antworten auf “Stimmen zum Dreh”

  1. Chris sagt:

    Moin Moin zusammen!
    Das nenn ich mal einen Bolgeintrag!? Da fragt man sich nun wer besser schreiben kann - Nadino oder Sebi ^^ warscheinlich ist aber eher, dass das Drehbuch von Schröte stammt - die ist wenigstens die schlauste, musste nie Gedoubelt werden und hatt ihren Hamster im Laufrad für ihren Strom ihrer (Schreibe)Lampe immer dabei. Nun denn - hoffen wir mal alle das damit dem “EXPERIMENT” “Wie schrotte ich eine ganze Crew im 23 Tagen (und nächten) um ihnen dann ein Jahr später in einem ganz anderen Film zu sagen, dass das alles eh nur Gäg war und in wirklichkeit nur die an der Kamera festä-ge-riggte Midi DV wirklich mitlief - kurz WsiegCi23TuideJsiegaFzsddaenGwuiwndadKfgrMDwm ^^

    Aber Hauptsache die Drehzeiten sind diesmal mit angegeben…

    und ich erinnere nochmals an den Besten kommentar von ganz Ayuda, nämlich den den Markus (Sebids Pappa) irgendwann mitten in der Nacht unten in der tollen Tropfsteinhöle gegenüber einem rumschniefenenden, über die miserable Planung der “Planer” und das immer noch nichts dazugelerntseiddemletztendreh rumgemeckernden Tonmenschen nur ein kühles aber wahres “Ach was, in zwei Wochen haben wir eh alles vergessen”
    ^^
    also dann
    Verschneidet euch bloß nicht ^^

    Chris

  2. Peter sagt:

    Ich will wieder ans Set!!! argh
    Grüße aus dem Ösiland.
    Peter

  3. Peter sagt:

    Ach ja, wann gibt es den wo Fotos?

  4. Sebastian sagt:

    Hallo Peter, gefiel es Dir in Wiesbaden nicht? Das ist übrigens das berühmte Ayuda-Syndrom: erstmal erschöpft sein, wegen der langen Drehs, dann danach dennoch wehmütig zurückschauen, kannst den Tonmenschen dazu befragen, der kennt das auch schon.
    Viele Grüße
    Fotos gibts demnächst auf der Homepage

  5. chris sagt:

    Da kann ich dem Sebi nur zustimmen!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!

  6. Peter sagt:

    Hi,
    Das ist wohl eher das Filmset-Syndrom,
    den bisher gings mir nach jedem Dreh so ;-)
    (einschließlich Wiesbaden)

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