Archive für August 2008

Ein Rätsel

Ihr wollt wissen, was wir so treiben? Was wir mit “Ayuda” anstellen? Und vorallem, wann es endlich fertig wird. Darauf gibt es keine Antworten, stattdessen erwartet euch ein erster Einblick in den Soundtrack. Der wird zwar von Andi gerade fleißig produziert, aber eine winzige Kostprobe könnt ihr euch dennoch heute verdienen. Aber: Ein solcher Blick hinter die Kulissen hat seinen Preis, daher sind die Fragen nur für echte “Ayuda”- Fans zu beantworten. Der jeweils erste Buchstabe jeder Antwort ergibt ein Losungswort.

1. Mit welchen Worten beendete Regisseur Sebastian H. stets die laufende Aufnahme?

2. Welcher Hersteller baute unsere Kamera, die gute alte SR2? (Beim Nachdreh war es eine neuere SR3)

3. Ein beliebter Set-Name, sowohl der Tonmensch, als auch der Secound-Unit-Director tragen diesen Vornamen.

4. Mücke, bekannte Katze, die eigentlich eine Rolle spielen sollte, gehört zu welcher Familie und trägt daher welchen Nachnamen?

5. Sammy, der studentische Künstler. Wie heißt der Schauspieler dieser Figur mit Vornamen?

6. Das gewinnen wir auch 2009 sicher nicht, Verleihung ist im März in LA, wir haben uns trotzdem frei genommen…

7. Als wir die Szene mit Sammy und Kilian aus dem Fenster hängend drehten, war es vorallem eines nicht mehr (Adjektiv)…

8. Das Segelschiff trägt diesen Namen, außerdem steht es in Zeichensprache im Schlafzimmer des Polizisten an der Wand, was jedoch nicht im Bild ist….

9. Bonusfrage: Zu welcher Tageszeit endet ein Durchschnittsdrehtag bei “Ayuda”, der um 8:00 morgens begonnen hat?

Setzt die Buchstaben zusammen und gebt es unter folgendem Link als Passwort an (Großbuchstaben); Benutzername ist “Gast”. Viel Spaß.

http://ayuda.footsteps-filmproduktion.de/specials/Ayuda-TheNeverEndingStory-02.mp3

Unser Ameisen-Kurt

Eine Studienfreundin von Sebi und mir hat ihren Vater im Krankenhaus besucht. Ihr Vater teilte sich das Zimmer mit einem netten alten Mann, der ihr irgendwie bekannt vorkam. Da fiel ihr ein, dass sie den Mann aus unserem Ayuda-Trailer kannte. Es war unser weltbester Kurt. An dieser Stelle haben Sebi und ich auch angstvoll gewimmert. Kurt hatte mir vor kurzem erzählt, dass er denkt, irgendwas mit seinen Augen stimme nicht. Da hab ich mir schon Sorgen gemacht, denn ihr wisst ja, wenn Kurt schon mal sagt, das irgendwas nicht in Ordnung sei… Ihr kennt ihn. Er sieht selbst um vier Uhr nachts, nachdem er zehn Stunden am Set rumhing, keine Notwendigkeit, sich mal hinzusetzen. Außerdem wollte Kurt ja auch nicht mehr zum Arzt gehen, seit er bei einer Vollnarkose mal andauernd wieder aufgewacht ist. Das hat er zumindest bei unserem ersten Treffen behauptet. Nun hatte Kurt einen leichten Schlaganfall. Einen leichten! Das würde er sicher auch betonen. Schließlich hat er laut unserer Studienfreundin im Krankenbett schon wieder fröhlich Witze gerissen. Dass ich Sebi schon auf Vordermann bringen würde zum Beispiel, hihi. Jaja, unser Lieblings-Ameisenschutzwächter. Everybody’s Darling am Set. Kurt, der sogar die Logik der Post überwindet und einem immer schon früher zurückgeschrieben hat als der eigene Brief überhaupt angekommen sein kann. Deshalb schreibe ich ihm jetzt auch gleich, damit ich möglichst schnell eine Antwort bekomme, in der dann steht: “Juju, alles bestens. Na klar. Auf Ayuda freu ich mich schon.” Premierenkarten für sich und sechs Freunde hat der Kurt ja schon vor drei Monaten bestellt. Wenn ihr ihm auch Gute Besserung wünschen wollt: Kurt Berghoff, Wiesenweg 25a, 51503 Rösrath

Vorzeichen

Wenn Matrosen zur See fahren, dann schauen sie vorher, ob z.b. die Möwen tief fliegen. Wenn sie tatsächlich tief fliegen, hat das in aller Regel nichts zu bedeuten, aber es wird dann an Bord trotzdem heiß diskutiert und als gutes oder schlechtes Vorzeichen gewertet. Wenn die Möwen tief fliegen und gleichzeitig der Wind aus Osten bläst, kann es allerdings Ausnahmen geben, je nach Jahreszeit auch Ausnahmen der Ausnahmen.
Man sieht schnell, dass die Seefahrt eine heikle Angelegenheit ist, und so verwundert es nicht, dass Nadine, Ralf und ich uns dafür entschieden haben einen Film zu drehen, statt ein Schiff über den Ozean zu treiben.

Beim Film ist alles viel einfacher: Essen kommt jeden Tag frisch ans Set, die Filzlausgefahr ist allgemein geringer und auch die Mädels am Set sind meist schöner anzusehen, als der durchschnittliche Matrose. Vorallem aber sind die Vorzeichen beim Film leichter zu deuten.
Kein Material mehr für die Kamera, 6 Stunden Verzug und der Darsteller muss in 15min am Flughafen sein -> schlechtes Vorzeichen!
Nach 16 Stunden Dreh eine kleine Überraschungsplansequenz einbauen, die so lang ist, dass die Kameraassistenz beide Arme voller Schärfemarkierungen schreiben muss -> schlechtes Vorzeichen!
Dabei noch immer mit Schlägen drohen und Süßigkeiten locken -> gutes Vorzeichen!

“Ist der Cutter mal am Ende, setzt er eine Blende!”

Wenn man einen Film schneidet, dann kennt man ihn irgendwann besser, als Kapitän Ahab die Spitze seiner Harpune. Man kennt jedes Frame im Film, man kennt aber auch jedes Frame, das nicht im Film ist. Man kennt jeden Versprecher, Atmer, Schlucker, jedes “und Bitte” und jedes “Danke, Aus!”. Das macht Überraschungen tendentiell selten. Das wäre so, als würde man dem Mann in der Tonne eine neue Sitzposition zeigen wollen. Alles schon probiert. Schlicht unmöglich.
Umso besser scheint das Vorzeichen zu sein, wenn man den Film, an dem man seit einem Jahr schnibbelt, dessen Pixel man auch rückwärts einzeln bennenen könnte, wenn man diesen Film beim ersten rohen Schauen spannend findet. Das ist wirklich mehr, als man erwarten kann.

“Macht der Cutter nur noch Scheiß, empfiehlt sich eine Blende über weiß.” 

In einer Sache sind sich Seefahrt und Filmmacherei übrigens sehr ähnlich. Gute Vorzeichen sind zwar förderlich für das Ergebnis, aber kein Garant. (vgl. Titanic)

“Schwarzblende - für Cutter ohne Hände.” 

Titelgeschichten

Für alle, die denken, “Ayuda” sei zu einem Rohrkrepierer geworden und ihr Erspartes beim nächsten Buchmacher darauf verwettet haben, dass der Film niemals fertig werde: Ich für meinen Teil würde niemals darauf wetten, dass irgendetwas bis zur Ewigkeit NICHT passiert, die Gewinnchancen sind dann sehr gering!

Für alle anderen, die gespannt auf jedes Informationströpfchen aus dem Taifun des Entstehungsprozesses warten, nun eine neue Episode aus der allseits beliebten Geschichte “Ayuda- oder wie ich ein Land in den Wahnsinn treibe!”.
In der vergangenen Woche war für “Ayuda”, und damit auch für uns ein wichtiges Datum: Spotting-Session stand auf dem Terminplan. Falls ihr nicht wisst, was genau damit gemeint ist, gibt es ein schlaues Buch, das Andi auch mir vorlegte. Schließlich sollte es eine erfolgreiche Spotting-Session werden, keine mittelmäßige. Ich lese also den Text durch, der zu meinem Unglück auf Englisch ist. Außer dem Wort Spotting-Session verstehe ich zwar nicht viel, ich nicke aber immer mal wieder wissend und gebe interessante Laute von mir. Danach bin ich so schlau wie vorher, aber es geht trotzdem los:

Ich sitze auf einem Sessel, hinter mir auf dem Bett chillen derweil Ralf und Nadine, die es sich mit allerlei Kissen gemütlich gemacht haben. Zu unserer rechten sitzt Andi, unser Komponist. Der ein oder andere kennt ihn, denn er war derjenige, der Christian Arndt in 15min Gitarre spielen beibringen sollte. Ein weiterer genialer Drehplankniff aus dem Hause footsteps. Nun, und das merke ich dann schnell, Spotting-Session macht Spaß! Während vorne der Film läuft trällert Andi ein paar Takte dazu. Entweder improvisiert, oder ein Stück aus den bereits 50 vorkomponierten Themen, die er für “Ayuda” angelegt hat. Mal ein bisschen Klavier, mal das gesamte Streichorchester der Wiener Oper. Eigentlich müssen wir drei uns nur einig sein, was wir wollen, Andi spielt das passende Lied dazu. Dass das schnell absurde Züge annehmen kann, wenn man sich im Wahn befindet, leuchtet ein: “Andi, kann man in dem Moment, in dem Hermann den Brief aufhebt, das Hermann-Thema in das Brief-Thema einfließen lassen?” “-Klar!” -gesagt, getan.
“Andi, kann man in dem Moment in dem Sammy die Limoflasche von Nora bekommt, das verknüpfte Nora-Limo-Thema in ein etwas desillusioniertes Sammy-Limo-Thema umwandeln?” “-Klar!” - gesagt, getan.
Musik ist eine herrliche Sprache.

Nora betritt Sammys unheimliches Zimmer. Andi hat da mal was vorbereitet. “Ach, wir haben vor ein paar Wochen mit dem SWR-Orchester was aufgezeichnet. Als wir noch 5 Minuten Zeit hatten, habe ich den Dirigenten gebeten, was auf die Szene zu improvisieren.” Nora betritt das Zimmer 60 Profimusiker beobachten die Szene auf der riesigen Leinwand im Studio und spielen ein paar Takte, während sich die Spannung steigert, drehen auch die Musiker richtig auf! Am Ende gibts ein Feuerwerk. Während sich der Komponist verrenkt, hauen die Musiker völlig rein. Inklusive dröhnenden Hörnern und E-Bass. Und das alles für “Ayuda”. Wie beim richtigen Film! Wie das genau funktioniert, weiß ich immer noch nicht. In einer kurzen Pause erlaubt mir Andi mal eine Taste an seinem Instrument zu drücken, um Verständnis zu schaffen sozusagen. Ich nutze die Gelegenheit, um mein frühkindheitliches Trauma der verpassten musikalischen Früherziehung aufzuarbeiten und drücke mutig, aber auch ein wenig ungewiss auf die Taste. Er erschallt Stille.
“Sebi, Du kannst echt gar nichts!” sagt Nadine dazu nur, ich schiebe es auf die verpasste musikalische Früherziehung. Andi weiß damit umzugehen und lobt mich: Er habe selten jemanden gesehen, der mit so viel Gefühl nichts spielen würde.

Das schlechte an der Geschichte: Ich bin mir nun völlig sicher, unmusikalisch zu sein. Die Szene von Nora im Gruselzimmer passt nun nichtmehr zum Film, und auch wenn Nadine weint, können wir die Musik wohl nicht verwenden.
Das gute an der Geschichte: Auch ohne das SWR-Orchester sind wir uns nun ein Stück sicherer: “Ayuda” wird ein richtiger cooler Film! Und das ist die Hauptsache…

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