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2.8.2008 von Sebastian.
Für alle, die denken, “Ayuda” sei zu einem Rohrkrepierer geworden und ihr Erspartes beim nächsten Buchmacher darauf verwettet haben, dass der Film niemals fertig werde: Ich für meinen Teil würde niemals darauf wetten, dass irgendetwas bis zur Ewigkeit NICHT passiert, die Gewinnchancen sind dann sehr gering!
Für alle anderen, die gespannt auf jedes Informationströpfchen aus dem Taifun des Entstehungsprozesses warten, nun eine neue Episode aus der allseits beliebten Geschichte “Ayuda- oder wie ich ein Land in den Wahnsinn treibe!”.
In der vergangenen Woche war für “Ayuda”, und damit auch für uns ein wichtiges Datum: Spotting-Session stand auf dem Terminplan. Falls ihr nicht wisst, was genau damit gemeint ist, gibt es ein schlaues Buch, das Andi auch mir vorlegte. Schließlich sollte es eine erfolgreiche Spotting-Session werden, keine mittelmäßige. Ich lese also den Text durch, der zu meinem Unglück auf Englisch ist. Außer dem Wort Spotting-Session verstehe ich zwar nicht viel, ich nicke aber immer mal wieder wissend und gebe interessante Laute von mir. Danach bin ich so schlau wie vorher, aber es geht trotzdem los:
Ich sitze auf einem Sessel, hinter mir auf dem Bett chillen derweil Ralf und Nadine, die es sich mit allerlei Kissen gemütlich gemacht haben. Zu unserer rechten sitzt Andi, unser Komponist. Der ein oder andere kennt ihn, denn er war derjenige, der Christian Arndt in 15min Gitarre spielen beibringen sollte. Ein weiterer genialer Drehplankniff aus dem Hause footsteps. Nun, und das merke ich dann schnell, Spotting-Session macht Spaß! Während vorne der Film läuft trällert Andi ein paar Takte dazu. Entweder improvisiert, oder ein Stück aus den bereits 50 vorkomponierten Themen, die er für “Ayuda” angelegt hat. Mal ein bisschen Klavier, mal das gesamte Streichorchester der Wiener Oper. Eigentlich müssen wir drei uns nur einig sein, was wir wollen, Andi spielt das passende Lied dazu. Dass das schnell absurde Züge annehmen kann, wenn man sich im Wahn befindet, leuchtet ein: “Andi, kann man in dem Moment, in dem Hermann den Brief aufhebt, das Hermann-Thema in das Brief-Thema einfließen lassen?” “-Klar!” -gesagt, getan.
“Andi, kann man in dem Moment in dem Sammy die Limoflasche von Nora bekommt, das verknüpfte Nora-Limo-Thema in ein etwas desillusioniertes Sammy-Limo-Thema umwandeln?” “-Klar!” - gesagt, getan.
Musik ist eine herrliche Sprache.
Nora betritt Sammys unheimliches Zimmer. Andi hat da mal was vorbereitet. “Ach, wir haben vor ein paar Wochen mit dem SWR-Orchester was aufgezeichnet. Als wir noch 5 Minuten Zeit hatten, habe ich den Dirigenten gebeten, was auf die Szene zu improvisieren.” Nora betritt das Zimmer 60 Profimusiker beobachten die Szene auf der riesigen Leinwand im Studio und spielen ein paar Takte, während sich die Spannung steigert, drehen auch die Musiker richtig auf! Am Ende gibts ein Feuerwerk. Während sich der Komponist verrenkt, hauen die Musiker völlig rein. Inklusive dröhnenden Hörnern und E-Bass. Und das alles für “Ayuda”. Wie beim richtigen Film! Wie das genau funktioniert, weiß ich immer noch nicht. In einer kurzen Pause erlaubt mir Andi mal eine Taste an seinem Instrument zu drücken, um Verständnis zu schaffen sozusagen. Ich nutze die Gelegenheit, um mein frühkindheitliches Trauma der verpassten musikalischen Früherziehung aufzuarbeiten und drücke mutig, aber auch ein wenig ungewiss auf die Taste. Er erschallt Stille.
“Sebi, Du kannst echt gar nichts!” sagt Nadine dazu nur, ich schiebe es auf die verpasste musikalische Früherziehung. Andi weiß damit umzugehen und lobt mich: Er habe selten jemanden gesehen, der mit so viel Gefühl nichts spielen würde.
Das schlechte an der Geschichte: Ich bin mir nun völlig sicher, unmusikalisch zu sein. Die Szene von Nora im Gruselzimmer passt nun nichtmehr zum Film, und auch wenn Nadine weint, können wir die Musik wohl nicht verwenden.
Das gute an der Geschichte: Auch ohne das SWR-Orchester sind wir uns nun ein Stück sicherer: “Ayuda” wird ein richtiger cooler Film! Und das ist die Hauptsache…
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