Vorzeichen

Wenn Matrosen zur See fahren, dann schauen sie vorher, ob z.b. die Möwen tief fliegen. Wenn sie tatsächlich tief fliegen, hat das in aller Regel nichts zu bedeuten, aber es wird dann an Bord trotzdem heiß diskutiert und als gutes oder schlechtes Vorzeichen gewertet. Wenn die Möwen tief fliegen und gleichzeitig der Wind aus Osten bläst, kann es allerdings Ausnahmen geben, je nach Jahreszeit auch Ausnahmen der Ausnahmen.
Man sieht schnell, dass die Seefahrt eine heikle Angelegenheit ist, und so verwundert es nicht, dass Nadine, Ralf und ich uns dafür entschieden haben einen Film zu drehen, statt ein Schiff über den Ozean zu treiben.

Beim Film ist alles viel einfacher: Essen kommt jeden Tag frisch ans Set, die Filzlausgefahr ist allgemein geringer und auch die Mädels am Set sind meist schöner anzusehen, als der durchschnittliche Matrose. Vorallem aber sind die Vorzeichen beim Film leichter zu deuten.
Kein Material mehr für die Kamera, 6 Stunden Verzug und der Darsteller muss in 15min am Flughafen sein -> schlechtes Vorzeichen!
Nach 16 Stunden Dreh eine kleine Überraschungsplansequenz einbauen, die so lang ist, dass die Kameraassistenz beide Arme voller Schärfemarkierungen schreiben muss -> schlechtes Vorzeichen!
Dabei noch immer mit Schlägen drohen und Süßigkeiten locken -> gutes Vorzeichen!

“Ist der Cutter mal am Ende, setzt er eine Blende!”

Wenn man einen Film schneidet, dann kennt man ihn irgendwann besser, als Kapitän Ahab die Spitze seiner Harpune. Man kennt jedes Frame im Film, man kennt aber auch jedes Frame, das nicht im Film ist. Man kennt jeden Versprecher, Atmer, Schlucker, jedes “und Bitte” und jedes “Danke, Aus!”. Das macht Überraschungen tendentiell selten. Das wäre so, als würde man dem Mann in der Tonne eine neue Sitzposition zeigen wollen. Alles schon probiert. Schlicht unmöglich.
Umso besser scheint das Vorzeichen zu sein, wenn man den Film, an dem man seit einem Jahr schnibbelt, dessen Pixel man auch rückwärts einzeln bennenen könnte, wenn man diesen Film beim ersten rohen Schauen spannend findet. Das ist wirklich mehr, als man erwarten kann.

“Macht der Cutter nur noch Scheiß, empfiehlt sich eine Blende über weiß.” 

In einer Sache sind sich Seefahrt und Filmmacherei übrigens sehr ähnlich. Gute Vorzeichen sind zwar förderlich für das Ergebnis, aber kein Garant. (vgl. Titanic)

“Schwarzblende - für Cutter ohne Hände.” 

2 Antworten auf “Vorzeichen”

  1. Chris sagt:

    3,14159…
    Das lässt ja nur hoffen
    PS die zwinschen Cutter sprüche sind nett

  2. Bene Greiner sagt:

    “Wenn man diesen Film beim ersten rohen Schauen spannend findet, ist das wirklich mehr, als man erwarten kann.”

    Und etwas, dass Hoffnung auf einen geilen Streifen macht! Weiter so, durchhalten, Endspurt!
    Ich find euch TOP!

    P.S.: Schön, dass sich auch auf der Website mal wieder was getan hat, was die News angeht! Die Leute, die auf YouTube oder auf jetzt.de über den Film stolpern, wollen ja auch auf dem neuesten Stand sein.

Antwort schreiben