Ich habe kürzlich eine Dokumentation über Tiere gesehen. Eigentlich fand ich Tiere immer langweilig, und Dokumentationen versuchen ja einen Sachverhalt realistisch abzubilden, schaffen das aber meist nicht, sondern sind etwas langweiliger als das Original. Eine Dokumentation über Tiere müsste mich demnach also ziemlich ziemlich langweilen. Irgendwie muss da aber dieses Minus-mal-Minus prinzip gewirkt haben, mit dem wir in der sechsten Klasse immerzu scherzten. Jedenfalls sehe ich seitdem viele kleine Tiere durch mein Leben wuseln. Nadine zum Beispiel ist so ein Tier, ein Huhn um genau zu sein. Stets auf den Beinen und etwas hektisch, schwer zufrieden zu stellen (immer wenn man eine neue Tomate hinwirft, läuft das Huhn hin, und lässt die andere Tomate liegen). Quirliges Tier eben.

Auch Ralf ist ein Tier, so ein cleveres Vogeltier um genau zu sein. Einer der immer oben auf dem Baum sitzt und solange die Situation beobachtet und analysiert, bis er sich völlig sicher ist, dass die Katze unten müde genug ist, als das man ihr vor der Nase rumspringen kann. Schlaues Tier eben.

Ich selbst bin auch ein Tier, so ein Erdmännchen vielleicht, das sich ziemlich cool vorkommt, wenn man es fotografiert. Im Grunde aber diesen dümmlichen Blick nicht loswird, nicht auf Fotos und nicht im Leben. Eingebildetes Tier eben.
In meinem neuen Leben laufen viele Tiere rum. Hinter meinem Haus ist eine Koppel auf der ein wildes Pferd mit dem Namen “Ayuda” rumspringt. Manchmal, wenn ich mich gut genug fühle und kräftig genug, dann gehe ich hin und versuche mich auf den Rücken zu setzen. Erdmännchen auf Pferd heißt dann die Devise. Da ich ein begabter Reiter bin und früher Dressur geritten bin, gelingt es oft. Und dann, wenn ich endlich glaube, das Tier ein für alle mal soweit erzogen zu haben, dass man damit in die Stadt reiten könnte, dann wirft es einem ab. Vogel und Huhn sitzen auf dem Zaun und lachen. Das geht nun schon ziemlich lange so. Aber man selbst redet sich ein, dass dieses Pferd nun schon ein bisschen zahmer geworden wäre, nach all der Zeit. Ist es auch. Aber zum Reiten reicht es noch nicht ganz.
Daher haben das Huhn, der Vogel und das Erdmännchen Hilfe geholt. Sie haben den Vogel recherchieren lassen, das Huhn hat die Ergebnisse nochmal gut durcheinander gebracht und neu geordnet, das Erdmännchen musste dann seinen Charme spielen lassen, so dass wir tatsächlich zwei Hündchen finden, konnten, die uns bei dieser ganzen Zähmerei gut gebrauchen konnten: Aron und Andi.
Und gerade gestern, als wir dachten, wir könnten nun bald losreiten, Erdmännchen, Vogel und Huhn in Begleitung der beiden Racker, und wir glaubten das Pferd nun gänzlich unter Kontrolle halten zu können, ja da entwickelte es seine Eigensinnigkeit weiter und bewies uns mit Nachdruck, dass es noch weitere Erziehung benötigte. Nun, wir geben nicht auf, und wenn ihr Abends fünf wirre Tiere mit einem Pferd über die Weide springen seht, dann hat das zwar sicher nichts mit uns zu tun, gibt aber vielleicht dennoch ein schönes Bild ab.