Archive für 25.11.2008

Sebis Patent

Alles ist wieder gut. Zumindest privat. Beruflich haben sich die Produzenten der neuen Perle des Independent-Kinos, “Ayuda”, jüngst eines der Glanzstücke unter ihren Fauxpässen geleistet. Endlich stand der Termin beim Skyscraper of Arthouse an, dem Chef von Soundvision, ein cooler Typ, der ungefähr alle deutschen Filme, die nicht doof sind, vertont, jemand der so ist, wie wir gerne sein wollen, zumindest später. Damit wir alle gut gelaunt sind, hat Sebi mir Cappuccino mitgebracht und Soundvision selbst gebackene Brownies, natürlich nicht von Sebi, der kann nur den Tarte au chocolat aus dem Rewe, sondern von Matthias, unserem engagierten Fahrer, der beim Nachdreh immer den leckeren Tee dabei hatte. An den erinnert ihr euch wahrscheinlich nicht, weil ich ihn immer weggetrunken hab, hatte Halsweh! Bis zu diesem Zeitpunkt lief übrigens alls gut.

Bei Soundvision könnten wir, wenn Dennis fertig ist mit dem Sounddesign, die Kinomischung machen, also einstellen, was im Kino von vorne und von hinten, rechts, links und dazwischen, (denn es sollen 8 verschiedene Positionen sein!) zu hören ist. Außerdem haben wir in der Firma auch den Foley-Raum gesehen, den Raum mit allen Geräuschen, die es auf der Welt gibt. Da könnte man zum Beispiel “gerade eben ist noch leichter Rauch aus der Pistole gekommen”, “Lisa malt sich Lippenstift neben die Lippen” oder “die Schaben neben der Zigarettenschachtel bewegen sich zwar nicht, atmen aber sehr laut” nachvertonen!

Wir haben uns gefreut, weil der Chef von Soundvision sich so viel Zeit genommen hat und weil er gesagt hat, er könnte uns helfen, sofern ihm der Film gefiele… Okay, deshalb hatten wir eher Angst, aber  da war trotzdem noch ein Hauch von Zuversicht bis zu jenem Moment, in dem der patente Sebi dann sein Patent auspackte. Seit einem Jahr schwärmt er mir vor, wie cool er doch wäre und wie er bald die Welt, zumindest aber doch die Medienwelt verändern würde durch die genialste Idee seit Marco vorgeschlagen hat, dass die Studenten ihn in den Keller sperren sollten, nämlich… tadaaa… Mini-DVDs! Darauf, so plant Sebi ebenfalls seit einem Jahr, könnte er dann die Schauspiel-Demos, die wir irgendwann mal noch für alle möglichen Schauspieler drehen werden, brennen und die können die dann ganz einfach und besonders günstig verschicken. Eine Mini-DVD kostet zwar 1 Euro mehr als eine große, aber beim Porto sparen die Schauspieler dann jedes Mal 40 Cent! Also, super Idee. Die muss man sich unbedingt patentieren lassen. Sie würde sich besonders dann auszahlen, wenn nicht vor dem Mini-DVD-Trend, den Sebi in der Medienbranche initiieren will, schon Herr Mac da gewesen wäre und den Mac-Trend in der Medienbranche initiiert hätte. Und da sich der zweite Trend wohl schon ein bisschen mehr durchgesetzt hat, kam es dazu, dass Sebis Mini-DVD im Mac vom Chef von Soundvision stecken geblieben ist und er sie weder angucken, noch jemals wieder rausholen können wird. So hat er jetzt immer etwas von uns ganz nah an seinem Herzen - NICHT. Wahrscheinlich wird er immer wieder mit Freude an jenen Tag zurückdenken, an dem zwei dieser anstrengenden Filmstudenten, die ständig auf der Suche nach Unterstützung von coolen Arthouse-Leuten sind, ihren ersten Eindruck dadurch hinterließen, dass sie einfach mal seinen Computer kaputt gemacht haben!

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