Sebi und Nadine auf der Berlinale Teil 1 - Sebi lernt wichtige Leute kennen

“Ayuda” ist ein großes Projekt und große Dinge kosten viel Geld, es sei denn sie sind Styropor. “Ayuda” kostet daher auch viel Geld und da Sebi und Nadine nicht so viel Geld haben, müssen sie immer wieder Leute finden, die ihnen Geld geben. Das ist nunmal so im Filmgeschäft. Eigentlich gibt es dafür ja auch Produzenten, die bei Filmstiftungen um Geld bitten, und die wirklich gut darin sind, so etwas zu organisieren. Die Beiden sind nicht so gut darin, und sie haben auch keinen Produzenten, deshalb bekommen sie auch von den Filmstiftungen kein Geld. Das einzige was Sebi und Nadine gut können, ist mit ihren jungen und großen Augen Leute überzeugen. Daher ist die Berlinale auch der ideale Ort, um dieses Talent auszuspielen, denn hier kann man mit Leuten reden, die Geld haben, oder hergeben möchten.

Daher haben sich die beiden auch einen perfiden Plan ausgedacht, wie man an solche Leute rankommen kann. Und zwar am besten auf Partys, da sind alle betrunken, und tanzen wild auf der Tanzfläche und wenn man mal bedenkt wie viele Kinder schon aus solchen Situationen entstanden sind, müsste doch auch der ein oder andere Film daraus entstehen können. (Darüberhinaus sind Kinder [da nicht aus Styropor] auch sehr teuer) Zum Glück hat Sebi eine Einladung zur großen “British Council Party” bekommen, und zwar von seinem Chef. Da dürfen nämlich nur die wichtigsten Leute hin und dazu zählen Sebi und Nadine noch nicht. Aber Sebis Chef und der hat die Einladung weitergegeben. Nun steht auf der Einladung in großen, britischen Lettern: “Strictly for one person only!!”, was Sebi und Nadine ungefähr so übersetzen “Striktlich für eine Person nur!!”, die beiden können nämlich ganz gut Englisch. Das bedeutet, dass Sebi auf dieser Party auf sich alleine gestellt sein wird, aber, und das folgert ja aus dieser Einladung, alle anderen werden auch alleine sein! Und das ist ja die beste Voraussetzung, um Kinder und Filme entstehen zu lassen!

Leider brauchen Sebi und Nadine so lange, um die richtige Abendgarderobe rauszusuchen (Sebi hat nur 2 Hosen und 2 Pullis dabei… es waren nur 10kg Gepäck erlaubt und der Laptop wiegt schon 3kg…), dass es schon ein recht fortgeschrittener Abend ist, als Sebi zur Bahn kommt. Zum noch größeren Unglück findet Sebi dort heraus, dass die “British Council Party” an einem Dienstag stattfindet und Dienstag die Bahnen nur bis halb eins fahren. Es ist halb zwölf, als Sebi am Veranstaltungsort erscheint. Viertel vor zwölf als er die Jacke an der Garderobe abgegeben hat. Zwölf als er ein Bier hat. Dann fällt ihm auf, dass er offenbar der einzige ist, der wusste was “strictly one person” bedeutet, denn auf der ganzen Party ist wirklich niemand alleine da. Hier wird zu viert getrunken, dort zu sechst getanzt, da drüben zu zehnt gequatscht, nur Sebi, der steht alleine mit seinem Bier. Naja, erstmal hinsetzen, und die Lage auschecken. Da fällt ihm ein Pärchen auf, das zwar nicht alleine ist, aber zumindest ähnlich hilfesuchend reinschaut. Sieht zwar nicht so aus, als hätten die viel Geld (der Kerl hat einen merkwürdigen Pulli an), aber vielleicht kennen die ja jemanden… aber erstmal ein neues Bier holen gehen. Als Sebi um viertel nach zwölf zurückkehrt stellt sich raus, weshalb die beiden so geguckt haben, sie haben ihre Freunde gesucht, denn jetzt stehen sie im großen Kreise und singen englische Lieder. Selbst der Junge mit dem merkwürdigen Pulli wirkt jetzt cool. Naja, erst nochmal hinsetzen und einen kräftigen Schluck trinken, das Bier ist immerhin frei hier. Ah, da erspäht Sebi mit seinen Adleraugen jemanden, der ebenfalls alleine an einem der zahlreichen Tische sitzt. Also trinkt er sein Bier leer, nimmt allen Mut zusammen und als er von der Theke zurückkommt (12:25h) sieht er auch warum der junge Mann alleine saß: Sein Kumpel war eine Runde Tequila holen. Und hoch die Tassen!

Sebi verabschiedet sich also von niemandem, hift niemandem in die Jacke, nimmt seine eigene und geht. Naja, vielleicht ist noch zu erwähnen, dass er die letzte Bahn zwar nicht verpasst, diese aber nach einer Station mit den netten Worten “Dieser Zug endet hier. Weit entfernt von Ihrem Zuhause!” stehenbleibt. Nach einer weiteren Stunde Nachtbus, Schneegestöber und einem Kilometer Dauerlauf kommt Sebi dann erschöpft, aber auch ein bisschen stolz bei Nadine an. “Und wie ist es gelaufen?” fragt sie. Aber da schläft er schon und träumt einen britischen Traum.

Antwort schreiben