Sebi und Nadine auf der Berlinale Teil 2 - Die Nadinale

Während Sebi voll und ganz damit beschäftigt ist, wichtige Leute kennen zu lernen - ganz schön anstrengend, kennt man ja: ein Smalltalk hier, ein Bier ausgeben da, Visitenkarten verteilen und anderen freundschaftlich auf die Schulter klopfen -, ist Nadine mal wieder schlauer. Sie weiß nämlich, dass sie sowieso niemand kennen lernen will und verbringt ihre Zeit deshalb mit sinnvolleren Dingen, Kreuzworträtsel lösen und eigenes Festival planen zum Beispiel.

Auf der Nadinale wäre nämlich alles noch viel cooler. Nadines großes Vorbild ist übrigens Everybodys Darling Heinz Badewitz, dem sein Erfolg einfach nie zu den Haaren steigt. Mal prüft er die Akkreditierungen der Festivalgäste, mal rückt er die Absperrung gerade, dann macht er sich noch persönlich auf die Suche nach einem seiner Homies, Wim Wenders: “Wim, where are you?”, und nimmt immer wieder gerne die ein oder andere DVD des ein oder anderen Möchtegern-Nachwuchsfilmers entgegen, nicht ohne demjenigen auch noch für einige Minute sein kostbares Ohr zu leihen und individuell nützliche Tipps zu geben. Nebenbei organisiert er übrigens ganz allein die Reihe “German Cinema”.

Aber warum ist denn jetzt eigentlich ausgerechnet Nadine dafür geeignet, in solche großen Fußstapfen zu treten? Weil sie einen hervorragenden Filmgeschmack hat, ist wohl klar. Einen guten Riecher, wenn es darum geht, die filmischen Perlen unter den Säuen zu finden. Hat sie mal wieder erfolgreich unter Beweis gestellt - Nadines Top 3 der Berlinale:

- Nadine will unbedingt in “Ricky”. Warum? Sie hat ein Plakat gesehen, auf dem ein Baby drauf war, voll süüüüüüüüüß. Sebi will nicht, alles was mit Nadine und Babys zu tun hat findet er scheiße, er ist ja schließlich kein Medizinstudent. Aber wie immer hört keiner auf Sebi. Was Nadine leider nicht auf dem Plakat gesehen hat: Dem Baby wachsen nach dem ersten Drittel des Films Flügel. Sehr ungewöhnlich, sehr französisch und sehr scheiße.

- Nadine will unbedingt in “Ander”. Warum? Sie hat ein Plakat gesehen, auf dem ein dunkles Haus ist, bei dem in einem Fenster Licht brennt. Sebi vertraut Nadine voll und ganz. Schließlich hat das Kriterium: Film nach Plakat auswählen bisher hervorragend funktioniert. Wie sich herausstellt, ist das Bild des Hauses nur auf dem Plakat so schön. Im Film selbst ist es auf einmal viel blasser und grobkörniger und überhaupt, eigentlich geht’s gar nicht um das Haus, sondern um ein Coming Out. Und um Mittagessen. Der Landwirt, der sich in seinen neuen Mitarbeiter verliebt, nicht damit klarkommt, dass er sich zu dem jungen attraktiven Mann hingezogen fühlt und ihn deshalb zum Beispiel anspuckt. Jaja, in Argentinien ist die Schwulenemanzipation anscheinend noch nicht so weit. Außerdem gibt es ein Happy End: Der Landwirt, sein Lover und eine Prostituierte mit ihrem unehelichen Kind leben gemeinsam glücklich bis an ihr Lebensende. Und außerdem wird noch die Hälfte des Films Mittag gegessen.

- Nadine will unbedingt in “Fucking Different Tel Aviv”. Aber nicht, weil sie ein Plakat gesehen hat. Nadine würde niemals auf denselben Trick drei Mal reinfallen. Sondern weil Sonja und Nina gesagt haben, dass das gut wäre. Sebi will nicht, weil er für Saft- und Kraftausdrücke wie “Fucking” ein zu schwaches Gemüt besitzt. Vor allem auf der Berlinale, wo er allein auf sich gestellt, für eine so lange Zeit weg von Kirchwald und seiner Mama ist. Aber er geht dann doch mit, weil alle gehen und ganz allein sein hat schon beim British Council nicht so gut funktioniert. Vor dem Film erfahren Sebi und Nadine dann, dass es im Film um Schwule geht, die Filme über Lesben machen und umgekehrt. Nicht gerade ungewöhnlich, denn eigentlich geht’s in jedem Berlinale-Film darum. Im Film erfahren Sebi und Nadine allerdings, dass schwul oder lesbisch zu sein, das einzige Kriterium war, um in die Kurzfilmsammlung aufgenommen zu werden. Keine Kriterien waren hingegen: Dass jemand die Kamera benutzt, dass jemand die Linse abputzt, dass man seinen Film in einer Auflösung einreicht, die über You-Tube-Qualität liegt. Wie beim Blue Monday eigentlich.

So, einen Film hat Nadine schon im Repertoire, nämlich Ayuda. Dann bekommt der wenigstens mal Aufmerksamkeit. Der ist zwar noch nicht fertig, aber Nadine muss eh erst noch ein Kino in Lonsee bauen.

3 Antworten auf “Sebi und Nadine auf der Berlinale Teil 2 - Die Nadinale”

  1. sebi sagt:

    ayuda geht auch sehr differenziert mit dem thema homosexualität um: “Nils, warum sind wir schwul?” also! Berlinale”

  2. Bene sagt:

    mädels, ich drück euch die daumen!
    für den kinobau und alles, was ihr sonst noch vorhabt. wie issn der plan? schnitt fertig. sound mischen. (team-interne) premiere?
    der fast täglich gleichermaßen hoffnungsvoll wie verzweifelt den ayuda-blog wälzende bene

  3. Lars sagt:

    “Sehr ungewöhnlich, sehr französisch und sehr scheiße.” Da musste ich lachen.

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