Auf einem Festival, wie auf der Berlinale, da ist alles einfach. Denkt man sich. Koproduzenten, Produzenten, Senderverantwortliche, alle hängen wie die reifen Trauben vor einem und man braucht nur zu pflücken. In Wahrheit ist das einzige, was im völligen Überfluss vorhanden ist, Leute die Koproduzenten, Produzenten und Senderverantwortliche suchen. So auch wir, nur dass wir nichtmals richtig suchen, sondern ständig hoffen, dass uns jemand anspricht (vgl. British Council Party). So trafen wir auf die 3×3 Hindernisse auf dem Weg zum Co-Produzenten.
Umso besser, wenn wir morgens stolz und mit Erstaunen sehen, dass es eine Veranstaltung gibt, die auf den wohlklingenden Namen “Berlinale Co-Production Market” hört. Also lösen wir schnell eine Karte dafür und geben bei der abendlichen Feier schon die ersten Kröten des da kommenden Co-Production Deals aus.
Als wir endlich “Hebbel Am Ufer” finden, haben sich die ersten drei entscheidende Faktoren geändert, die das gemeinsame Finden eines Co-Produzenten nicht unbedingt erleichtern sollten:
1. Nadine ist sauer, weil Sie morgens extra aufgestanden ist, um eine Karte für einen ihr besonders wichtigen Film zu holen. Sebi hat währenddessen geschlafen und würde unmittelbar nach dem Mittagessen seine Karte abholen gehen. Probleme würde er dabei keine haben, wohlgenährt und ausgeschlafen konnte er so den Tag bestreiten.
2. Nadine hatte Hunger und war müde.
3. Nadine war nicht da, weil sie sich auf dem Rückweg vom Kartenschalter verlaufen hatte.
Während Sebi die Tür zum Veranstaltungsraum in so geschickter Weise aufhält und gleichzeitig versperrt, dass ein geregelter Zustrom an Besuchern kaum möglich ist und die damit geplante Startzeit um Minuten verzögern konnte, versuchte Nadine sich einen Weg durch den Großstadtdschungel Berlins zu bahnen.
Und tatsächlich, als würde der Co-Production Market nur auf die beiden Filmemacher warten, schossen sie gerade vor dem finalen Schließen der Tür herein und keine zwei Augenblicke später beginnt die ganze Party auch schon. Wie sich schnell herausstellte, lief ab nun einiges schief:
1. Die Veranstaltung mit dem schönen Namen war nicht etwa ein Co-Production Market, sondern eine Informationsveranstaltung für den Co-Production Market, die vorallem den Sinn hatt, überambitionierten Jung-Filmemachern die Flausen aus dem Kopf zu treiben.
2. Flausen hin oder her, unglücklicherweise war der Co-Production Market 2009 auch schon vorbei, es ging also ums Jahr 2010. Nicht gerade das Jahr in dem Ayuda nach Co-Produzenten suchen sollte.
3. Offenbar hatten wir auch die völlig falsche Nationalität für diese Veranstaltung: Nur das mit großer Zustimmung um sich werfende chinesische Mädchen in der Reihe vor uns war den Moderatorinnen bekannt und quitierte diesen Zustand mit einem nicht-stoppen-wollenden Nicken. Hai! Und obwohl Nadine und Sebi das Nicken imitierten, wurden sie nie nach ihren Namen gefragt…
Dennoch, und das betonten die Moderatorinnen, ist der Co-Production-Market eine tolle Sache, denn hier würden individuell Produzenten und Filmemacher zusammengebracht. Und für alle, die bis zu diesem Zeitpunkt noch da waren, wurden noch eben die drei Bedingungen für eine Bewerbung (nicht etwa für die Teilnahme…) vorgetragen:
1. Ein geplantes Budget von 1-10 Mio. Euro, von dem bereits ein Drittel organisiert sein muss.
2. Erfahrung in der Produktion eines Langspielfilms.
3. Mindestens eine erfolgreiche internationale Co-Produktion im Portfolio.
Nun, was zunächst schlecht klingt, kann sich als ganz großer Coup herausstellen, denn 2010 sind wir dann ganz sicher mit unserem neuen Film (”Ayuda II”) dabei:
1.1. Nadine darf ausschlafen und essen, ist daher nicht sauer.
1.2. Nadine ist daher nicht müde und nicht hungrig
1.3. und verläuft sich nicht.
2.1. Die Informationsveranstaltung mit den Kritierien kennen wir ja nun, was uns
2.2. 2010 den direkten Einstieg erlaubt.
2.3. mit Aron haben wir einen Ungarn, mit Christian Arndt einen Spanier, mit Moritz einen Halb-Iren, Nadine hat Verwandte in Mexiko, Bene kennt jemanden in den Niederlanden und bei Sebi wird ohnehin algerisches Blut vermutet und somit sind wir ebenfalls ziemlich international! Hai!
3.1. Ein hohes Budget planen ist uns ebenso eine Leichtigkeit und für das erste Drittel plündern wir wiedermal die Altersvorsorge unserer Eltern, Freunde, Feinde, Verwandten und Bekannten.
3.2. Einen Langfilm haben wir ebenfalls: “Ayuda” heißt das Schmuckstück, fehlt nur noch
3.3. Erfahrung bei internationalen Co-Produktionen. Aber auch dafür gibt es schon eine probate Lösung, denn internationaler Co-Produzent zu werden, war noch nie so leicht, wie heute! Mit 33€ ist das ganz einfach, aber seht selbst.
24.3.2009 bei 07:46
Ergaenzung zu 2.3:
Und Benes Oma ist Hollaenderin - Hai!
P.S. Wurde uebrigens bereits fuer BLACKOUT gecastet. Nur eine kleine Nebenrolle mit drei Drehtagen, aber immerhin.