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29.3.2009 von Sebastian.
Nadine wirft mir ja immer vor, ich sei ein Muttersöhnchen. Und, damit das ein für allemal klar ist: Ja, sie hat recht. Kein Wunder, wenn man so eine coole Mutter hat!
Viele von euch kennen meine Mama ja schon, sie war ja beim Dreh dabei und zeigt damit bereits eine ihrer coolsten Eigenschaften: Wenn man sie fragt, ob sie beim Dreh helfen könnte und man ihr bei weitergehenden Fragen erklärt, dass das bedeute, 3 Wochen lang keine Minute zu haben, die nicht aus
a) Arbeit oder
b) (zu wenig) Schlaf
bestehe, dann sagt sie: ja! Und das obwohl sie normalerweise dem Herzinfarkt schon bedrohlich nahe ist, wenn ich mit Freunden Würfelspiele auf dem Boden mache. (Das würde so klackern, sagt sie)
Weiterhin cool an ihr ist, dass man sie nach dieser Frage (man muss nur ein, zwei Tage an Puffer dazwischen lassen) bitten kann, auch noch die vier Wochen vor dem Dreh mit Vorbereitungen im Motiv zu verbringen (upsi, die Renovierung wurde in der Planung vergessen…) Dann antworetet sie nicht, was vielleicht angebracht wäre: “Du lausiger Rotzbengel, wozu habe ich dich 23 Jahre meines kostbaren Lebens großgezogen?” Stattdessen sagt sie: “Ja, gut! Einrichten macht mir ja sowieso Spaß!” Dass diese Aussage sie nun ganze sieben Wochen an den Herzinfarkt heranführt, statt der ursprünglichen drei sollte auch erwähnt sein. Das liegt vorallem daran, dass meine Mama unglaublich schlecht mit Unordnung umgehen kann (ganz im Gegensatz zum Rest der Familie). Dass man in einem Haus, das seit 4 Jahren nicht betreten wurde und vorher von Soldaten bewohnt wurde, wenig Ordnung findet, dürfte selbsterklärend sein.
Dinge, die ihr daher das Leben schwer gemacht haben:
- 10cm Staubschichten auf dem Dachboden, die man nicht wegsaugt, sondern wegschaufelt um eine Staubexplosion zu vermeiden. Dauer: 2 Tage
- Heizkörper, die mal weiß waren, nun aber die Farbe von Fußballfeldern nach zuviel Regen und zuvielen Füßen haben. Dauer: 4 Tage
- Teppichklebereste, die hässlich, stinkend und giftig sind, aber nach all den Jahren nichts von ihrer Klebekraft verloren haben. Dauer: 2 Tage.
- Wände, die nicht die Farbe, wohl aber Handfettreste rund um die Lichtschalter annehmen. Dauer: 12 Tage.
-Regisseure, die mal “bodenzentriertes” Wohnen, mal Laminat für 35m²-Wohnzimmer (beides einen Tag vor Drehbeginn) fordern. Dauer: eigentlich immer noch andauernd.
- und nicht zuletzt: Ein 30-köpfiges Filmteam, das viel isst, viel trinkt, wenig aufräumt und ständig dreckige Schuhe hat. Dauer: 18 Tage.
Zunächst die gute Nachricht: Ja, sie hat es überstanden, und ja, mittlerweile lächelt sie bisweilen auch mal wieder. Die schlechte Nachricht: Das war wohl ihr erster und letzter Film, leider waren diese Ereignisse zu einprägsam, als dass ich wohl jemals nochmal den Mut aufbringen kann, sie erneut zu fragen.
Dennoch, das betont sie oft und gerne: ‘Ayuda’ ist ihr absoluter Lieblingsfilm, sie habe ihn nun schon ca. 34 mal gesehen. Dass sie immernoch an diesem Film hängt, zeigt sie nach wie vor durch ihr Engagement, so hat sie 4(!) DinA4 Seiten voller (angeblich) konstruktiver Kritik verfasst, die leider nie den steinigen Weg der modernen email-Kommunikation überwinden konnten. Denn bei all den Talenten, die sie hat; mit dem Computer klappt es noch nicht so gut. Deshalb wird sie diesen Artikel wohl auch nie lesen. Schade eigentlich.
Stets mit leicht zweifelnden Blick, das ist sie. Meine Mama!
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