Archive für Juni 2009

Technische Details

Ist jemand interessiert an einer Einführung in die technischen Details einer Film-Postproduktion? - Nein? -Auch egal.

Wenn man einen Film dreht, dann versucht man natürlich eine möglichst hochwertige Bildqualität zu erzielen. In unserem Fall haben wir daher auf 16mm-Film gedreht, weil das ziemlich gut aussieht, cool klingt und vorallem weil KODAK nett zu uns war.  Damit könnte “Ayuda” auch der weltweit letzte Film auf 16mm sein, denn mittlerweile dreht fast niemand mehr auf 16mm (selbst die “reformorientierten” Öffentlich-Rechtlichen denken schon darüber nach 16mm abzulösen…) und bis “Ayuda” dann endgültig fertig ist, wird ganz sicher niemand mehr auf 16mm drehen. Mittlerweile dreht natürlich jeder auf HD, klar! Ist nicht nur billiger als 16mm, sondern auch einfacher zu nutzen und sieht auch noch besser aus. Wir sind trotzdem stolz auf 16mm, und hätten wir nicht die meisten der Rollen geschenkt bekommen, würde Herr KODAK uns sicher persönlich in seine Abendgebete einschließen!
Da heute außer dem bösen Kopierwerksbesitzer natürlich niemand mehr im Keller sitzt und Filmstreifen auseinanderschneidet und neu zusammenklebt, wurde der Film danach abgetastet. Das bedeutet, dass der Film durch ein unfassbar teures Gerät läuft (das Gerät ist so teuer, dass es eine eigene Tür hat) und sich am Ende des Gerätes auf einer Kassette befindet, natürlich auf einer HD-Kassette.

Aron, unser Cutter, mag aber kein HD. Nicht dass er generell konservativ wäre, es ist nur, dass HD so unglaublich gut zu sein scheint, dass man es auf keinem normalen Schnittsystem schneiden kann. Zumindest als wir Aron kennenlernten ging das noch nicht. Heute schneidet jeder seine Urlaubsfilmchen auf dem eigenen Laptop in HD, wenn die Filmchen denn mal geschnitten würden. Nun wurde uns also der komplette Film nochmal in “niedriger Qualität” (wir fanden die eigentlich schon ganz gut… aber wir sind ja auch bescheiden) gegeben, eine sogenannte Offline-Kopie, damit wir und Aron damit den Film schneiden konnten , der jetzt ein Video war.

Als wir damit fertig waren, hatte das Kopierwerk, mit dem wir zusammengearbeitet hatten einen neuen Namen, einen neuen Chef und heulte schrecklich, weil niemand mehr auf Film drehen wollte. Die, die auf Film drehten hatten aber kein Geld, um deren Tränen zu trocknen, nämlich wir. Also konnte sich plötzlich niemand mehr daran erinnern, dass wir mal eine Abmachung hatten und dass wir dafür viel Kuchen gebacken hatten und sogar einmal deren Lager aufräumen mussten. Und dann standen wir da, mit unseren Filmrollen, dem nur noch mit Krümeln bedeckten Kuchentablett und einem Film in “niedriger Qualität”-sehr passend!

Dann kam Rosali ins Spiel. Wer Rosali ist? -Sie war diejenige, die wir immer mit netten Sprüchen auf der Klappe gegrüßt hatten. Damals wussten wir nicht, dass ihr Name mit einem einfachen “i” endet, obwohl es lang gesprochen wird. Daher lassen sich nun viele Bilder finden, auf denen die Klappe mit netten “viele Grüße an ROSALIE!”, “Hau rein ROSALIE!” und “Hier sind alle total bekifft! Außer ich! Stimmt’s ROSALIE?” beschriftet sind. Rosali war bei besagtem Kopierwerk für unser Projekt zuständig, weil sie Einsteigerin war und wir kein Geld hatten. Damals, als wir und das Kopierwerk noch Freunde waren klang das nach einem fairen Deal. Mittlerweile arbeitete sie selbst in einer anderen Firma und war auch keine Einsteigerin mehr. Uns fand sie trotzdem noch nett, wahrscheinlich wegen der Grüße und weil ich sie zu meinem Geburtstag eingeladen hatte. So legte sie ein gutes Wort bei der neuen Firma für uns ein. Es klappte. Und nun konnten wir richtig loslegen.

Ziel war es, aus dem Schnitt eine sogenannte EDL zu erstellen. Wir wussten natürlich nicht, was das war. Klang aber gut. Wir fanden heraus, dass EDL für Edit-Decission-List steht, und im Grunde eine lange Textdatei ist, in der der Schnittcomputer alle Schnitte schreibt, die im Film vorkommen, jeden Einzelnen mit vielen langen Zahlenkolonnen von Timecodes und Abkürzungen. Eine Art allgemeiner Sprache, die auch von anderen Systemen verstanden werden könnte. Mithilfe dieser Liste sollte es dann möglich sein, den Film aus der niedrigen Qualität mithilfe der glanzvollen HD-Bänder halbautomatisch nachzubauen. Und eigentlich hätte auch uns nach dieser kurzen Beschreibung schon klar sein müssen, dass das natürlich nicht so einfach funktioniert. Aron hatte “Ayuda” mittlerweile als Karrieresprungbrett nutzen können und schnitt bereits an einem neuen Film, dieses Mal natürlich gedreht auf HD und geschnitten in HD. Und wir hatten nichtmal einen MAC, mit dem wir auch nicht gewusst hätten, wie man eine EDL herstellt. Also engagierten wir eine externe Cutterin, die uns die sagenumwobene EDL erstellen sollte. Sie hatte zwar einen MAC, wusste aber auch nicht so recht, wie das mit der EDL gehen sollte. Egal, zunächst hieß es ohnehin, für jeden einzelnen Schnitt den Timecode umzustellen. Hat natürlich auch nicht geklappt. Nach zwei vollen Tagen in Nadines mittlerweile tropfendenden Zimmer hatten wir dann eine EDL, von der niemand wusste, ob sie funktionieren würde. Meine Mama atmete auf.

Sie funktionierte natürlich nicht, die EDL! War ja auch zu erwarten. Der Techniker rief mich in Tschechien an, meine Mutter erkannte sofort meinen EDL-Gesichtsausdruck und war seitdem wieder besorgt. Als ich zurück war, stellten der Techniker fest, dass wir zwar alles richtig gemacht hatten, aber es irgendwie trotzdem nicht funkionierte, klar! Wir spielten den ganzen Tag an der EDL rum und einigten uns anschließend darauf, dass ich die Liste von Hand ergänzen müsste. Bei jedem einzelnen der 1023 Schnitte sollte ich von Hand eintragen, auf welchem Band sie zu finden sei…

Warum ich das alles erzähle? Weil ich bei Nummer 102 bin, und wirklich keine Lust mehr habe…

Crack

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