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29.7.2009 von Sebastian.
Früher im Kindergarten, da habe ich selbst immer am liebsten mit Bleistift gemalt. Buntstifte, die nutzten doch nur die Mädchen. Daher erinnern meine Bilder aus dieser Zeit auch eher an die Prophezeiung des Johannes, als an normale Kindergartenbilder. Später dann habe ich mal eine ganz große Kiste mit Buntstiften geschenkt bekommen. Da meine Eltern zu dieser Zeit noch arm waren, reichte es leider nur für die billigste Sorte. Eben jener Sorte, die schon dutzende Brüche der Mine aufwies, bevor ich den ersten Stift in der Hand hielt. Man spitzt und spitzt und irgendwann waren die Stifte alle weggespitzt, ohne einen Strich damit gemalt zu haben. Wieder einmal war die frühkindheitliche Farberziehung gescheitert und ich kehrte zurück zu meinem geliebten Bleistift, um weiter hässliche Bilder zu malen.
Nadines Vergangenheit sah da ganz anders aus: frühe Erfahrungen mit Farben im Montessouri-Kindergarten, denn da gab es nichts als Körner zum hin-und herschütten, und eben Malstifte. Dann selbst erstellte Illustrationen für ihren ersten veröffentlichten Kurzroman im Alter von 5 Jahren. Diese Affinität zu Farbe zeigt sich bis heute, wenn sie mit ihren Kirsch-Flip-Flops daherkommt und Erbeeren isst.
Ein farbenblinder Regisseur, dessen Welt aus verschiedenen Graustufen besteht und eine Autorin, die “Fabelhafte Welt der Amelie” für “einen guten Anfang in Sachen Farbe” hält. Also genau die beiden richtigen Experten um endlich die langerwartete Ayuda-Farbkorrektur durchzuführen. So trafen wir uns am Samstag morgen (mit der obligatorischen Verspätung von 15min) mit unserer Lieblingscoloristin Rosali, die schon Kaffee bereitgestellt hat. So mögen wir das. Wir haben zum Glück auch Citronenkuchen dabei und so können wir erstmal gemütlich Kaffe und Kuchen genießen, das hätte auch Ralf gefallen! Rosali übrigens hatte damals schon unsere Muster farbkorrigiert, mit denen wir seitdem arbeiteten. Diese Rosali von vor zwei Jahren gilt bis heute als die zweitbeste Coloristin der Stadt, was man deutlich an den Mustern sieht, die schon ganz gut waren. Die beste Coloristin der Stadt sollte übrigens die Rosali von heute sein, das würden wir in den nächsten beiden Tagen feststellen!
”Das muss Rosali raushauen!” (Kameramann M. Virmond am Set)
Doch was genau heißt eigentlich “Farbkorrektur”? Zunächst mal klingt dieser Begriff unzutreffenderweise abwertend, so als würde man Fehler ausmerzen, um so ein “naja-Ergebnis” zu erhalten. Das trifft es eigentlich nicht recht. Vieleher wird hier die gesamte Bandbreite der Digitalisierung offenbar. Vorbei die Zeiten, wo man den Film ein bisschen grün machte, in dem man ihn 13 Sekunden länger im Entwicklerbad ließ, nur um dann festzustellen, dass die Uhr im Kopierwerk schon lange kaputt ist, und man nun eben einen magentafarbenen Film hat. Heute heißt “Farbkorrektur” eher: Ich lasse den Film so aussehen, wie ich will! Szene bei Tag gedreht, obwohl sie bei Nacht spielen sollte? -Kein Problem, Rosali dreht an einigen Rädchen und die Szene sieht so aus, als wäre nie Tag gewesen. Mist, den AYUDA-Schriftzug auf dem Foto kann kein Mensch lesen… egal, Rosali dreht an einigen Rädchen und niemand zweifelt mehr daran, was auf dem Foto steht. Der Lippenstift von Nora ist vielleicht doch ein bisschen rot… macht nix, Rosali dreht an einigen Rädchen und er ist grün, oder blau, ganz wie wir es wollen. Das scheint auch insgesamt das größere Problem zu sein. Während Farblegastheniker Hilger immer Sättigung rausdrehen lässt und das Bild wie Erde wird, legt Gottmann Einspruch ein, Sättigung wieder rein, das Bild sieht aus wie ein Blumenmeer. Rosali vermittelt und findet irgendeinen Zwischenwert. Perfekt! Alle drei sind zufrieden.
Rosali ist ein echter Profi, das merkt man vorallem daran, dass sie uns nicht nur fragt, ob wir die neue Farbe mögen, sondern uns zum Vergleich auch immer direkt die alte Farbe zeigt, die einem dann im direkten Vergleich ins Gesicht schlägt… Das fanden wir damals mal gut? Wir können es selbst nicht fassen, und winken immerzu Lobeszeichen in ihre Richtung. Dann irgendwann will Nadine die Stühle tauschen, ihr Kopf täte weh, weil sie immer nach rechts schauen müsste. So läuft unser Wochenende. Rosali coloriert und wir sitzen daneben, überwältigt von den Möglichkeiten der digitalen Farbkorrektur.
“…grün, grün, grün sind alle meine Muster…” (altes Volkslied)
Dass “Ayuda” berühmt wird, dessen sind wir uns spätestens jetzt sicher. Beim Mittagessen in der Stadt geben wir auch schon die ersten noch zu erhaltenden Einspielergebnisse aus, denn das von Rosali vorgeschlagene “günstige Restaurant” um die Ecke knöpft uns 9,50€ für versalzenes Risotto ab. Nadine ist sauer und trinkt aus Sparsamkeit nur Wasser, unglücklicherweise heißt das Wasser hier nicht Wasser sondern “L’eau d’édel” oder so ähnlich, jedenfalls konkurriert es preislich direkt mit dem Risotto. Aber was macht das schon, wenn man einen colorierten Film hat und damit sicher bald berühmt ist?
Am Ende sind wir alle drei sehr stolz. Als Nadine und ich kurz alleine an der Höllenmaschine sind, probiert sie Rosalis Stuhl und dreht ein bisschen an den Rädchen. Das klappt schon ganz gut, da ist Talent zu erkennen. Denn Nadine hat jetzt einen neuen Berufswunsch, nur der Stuhl, der sei noch ein bisschen niedrig, sagt sie, während sie Sättigung reindreht.
“Bildgestaltung kann ich…” N. Gottmann
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27.7.2009 von Nadine.
“Ich hab’s euch doch gesagt.” Diesen Satz bekommt ein gewisser Jung- inzwischen Mittelaltregisseur zur Zeit des Öfteren zu hören. Aus wessen Mund? Aus meinem natürlich. Denn, wie ich auch schon gesagt habe, stellt sich jetzt eben so langsam raus, dass das, was ich doch gesagt habe, tatsächlich richtig war. Hab ich ja gesagt. Genau das, was ich gesagt habe, funktioniert jetzt nämlich nicht. Hätte mal jemand auf mich gehört, jawohl. Dann wäre jetzt alles in Butter aufm Kutter. Aber stattdessen ist es ein Graus- so siehts aus im Schneckenhaus.
Seb (neuer Name, denn der alte Spitzname ist inzwischen zu kindlich für jemanden, der längst in einer vorgezogenen Thirtysomething-Krise steckt) und Ralle (müsste inzwischen auch schon stark auf die 30 zugehen, wohnt außerdem schon im Vorort und verdient glaub ich sogar schon echtes Geld) waren von Anfang an davon überzeugt, dass Ayuda einen in Atem halten würde, dass man nur so nach Luft japste, dass man gar nicht wosonstwohin wissen würde mit seinen ganzen Verdächtigungen und in lynchesken Verwirrungen steckend weder aus, noch ein - Namen schwirren durch Köpfe, gestreifte Pullis, Indizien ohne Ende und in einer Flut von versteckten Hinweisen würde der Zuschauer letztendlich jämmerlich ertrinken - beinahe, denn kurz vor Schluss, genau im richtigen Augenblick, würde er an einem sicheren Anker an Land gezogen und voller Glück die unvorhersehbare, aber geniale Antwort bekommen auf sein unendliches Fragen.
Nee, nee, so wird das glaub eher nicht. Hab ich denen gesagt. Ich habs denen ja gesagt. Und was ist jetzt? Voll viele Verdächtigungen vunktionieren voll nicht. Zum Beispiel:
- Marilyn sollte eigentlich einen Knopf geöffnet haben, um einen Hinweis zu geben. Verdacht: Jemand, der eine Knopfsammlung hat? Problem: Das Kleid hat keine Knöpfe. Außerdem haben wir schon zu viele Verdächtigungen aufgrund von Sammlungen.
- Der Polizist sollte versuchen zu fliehen. Verdacht: Der Polizist wars. Problem: Dass Leute mit Koffern fliehen, hat sich anscheinend noch nicht in die Sehkonventionen eingeschlichen. Die meisten gehen davon aus, dass der Polizist in den Urlaub wollte.
- Auf den Tischkarten beim Gartenfest sind mit derselben Schrift Namen geschrieben wie der Hilferuf Ayuda auf dem Foto. Verdacht: Helene wars. Problem: Hä? Welches Gartenfest? Welche Tischkarten? Welche Schrift? Welches Foto? Hä? Ayuda?
- Bei Sammy steht voll auffällig eine Polaroidkamera herum. Verdacht: Sammy wars. Problem: Hä? Welches Foto (schon wieder)? Der Fotoapparat war zwar echt teuer und steht auch schick im Regal, hats aber nicht ins Bild geschafft.
- Sammy hat gelbes Briefpapier. Verdacht: Sammy wars (schon wieder) oder Hermann oder Helene. Problem: Wenn Sammy schreibt, dass Marilyn denkt, dass Hermann denkt, dass Helene denkt, dass Sammy denkt,… dann, tja, wer war dann der Mörder? Oder hat das gar nix damit zu tun? Außerdem sieht man den Briefumschlag nicht und Blut ist glaub auch nicht drauf. Wenn ja, sieht man es auch nicht.
- Hermann hat eine Messersammlung. Verdacht: Hermann wars. Problem: Marilyn wurde erhängt. Also Idee streichen. Außerdem haben wir schon zu viele Verdächtigungen aufgrund von Sammlungen.
- Kilian hat berechnet, dass er es war. Verdacht: Kilian wars. Problem: Woher soll man wissen, dass man Kilians Berechnungen trauen kann. Wie, der ist Astronomiestudent? Und die Berechnungen, die check ich auch nicht.
- Mia hat eine Puppensammlung. Verdacht: Mia wars. Problem: Nur weil man (irgendwelche, ganz anderen) Puppen in seinem Zimmer hat als die Puppe, die auf dem Foto (jaja, ich weiß, welches Foto?), heißt das noch lange nicht, dass man der Mörder ist, zumal man nicht mal ein Motiv bekommen hat (außer die Puppen natürlich). Außerdem haben wir schon zu viele Verdächtigungen aufgrund von Sammlungen.
- Marco hat ne große Tasche. Verdacht: Marco wars. Problem: Ist doch klar, dass Marco ne große Tasche hat. Coole Typen haben immer alles in Groß. Außerdem haben wir es durch ein Superweitwinkelverkleinerungsobjektiv irgendwie geschafft, dass die größte Tasche der Stadt ein bisschen mickrig aussieht. Winsel.
- Die Schaben waren es. Verdacht: Die Schaben planen einen Schabenaufstand, zumindest eine Schabenplage. Problem: Könnte stimmen, immerhin sind die Schaben am letzten Drehtag spurlos verschwunden…
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23.7.2009 von Sebastian.
Der neue Ayuda-Promo Trailer ist für Euch online gegangen.Viel Spaß!
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