Früher im Kindergarten, da habe ich selbst immer am liebsten mit Bleistift gemalt. Buntstifte, die nutzten doch nur die Mädchen. Daher erinnern meine Bilder aus dieser Zeit auch eher an die Prophezeiung des Johannes, als an normale Kindergartenbilder. Später dann habe ich mal eine ganz große Kiste mit Buntstiften geschenkt bekommen. Da meine Eltern zu dieser Zeit noch arm waren, reichte es leider nur für die billigste Sorte. Eben jener Sorte, die schon dutzende Brüche der Mine aufwies, bevor ich den ersten Stift in der Hand hielt. Man spitzt und spitzt und irgendwann waren die Stifte alle weggespitzt, ohne einen Strich damit gemalt zu haben. Wieder einmal war die frühkindheitliche Farberziehung gescheitert und ich kehrte zurück zu meinem geliebten Bleistift, um weiter hässliche Bilder zu malen.
Nadines Vergangenheit sah da ganz anders aus: frühe Erfahrungen mit Farben im Montessouri-Kindergarten, denn da gab es nichts als Körner zum hin-und herschütten, und eben Malstifte. Dann selbst erstellte Illustrationen für ihren ersten veröffentlichten Kurzroman im Alter von 5 Jahren. Diese Affinität zu Farbe zeigt sich bis heute, wenn sie mit ihren Kirsch-Flip-Flops daherkommt und Erbeeren isst.
Ein farbenblinder Regisseur, dessen Welt aus verschiedenen Graustufen besteht und eine Autorin, die “Fabelhafte Welt der Amelie” für “einen guten Anfang in Sachen Farbe” hält. Also genau die beiden richtigen Experten um endlich die langerwartete Ayuda-Farbkorrektur durchzuführen. So trafen wir uns am Samstag morgen (mit der obligatorischen Verspätung von 15min) mit unserer Lieblingscoloristin Rosali, die schon Kaffee bereitgestellt hat. So mögen wir das. Wir haben zum Glück auch Citronenkuchen dabei und so können wir erstmal gemütlich Kaffe und Kuchen genießen, das hätte auch Ralf gefallen! Rosali übrigens hatte damals schon unsere Muster farbkorrigiert, mit denen wir seitdem arbeiteten. Diese Rosali von vor zwei Jahren gilt bis heute als die zweitbeste Coloristin der Stadt, was man deutlich an den Mustern sieht, die schon ganz gut waren. Die beste Coloristin der Stadt sollte übrigens die Rosali von heute sein, das würden wir in den nächsten beiden Tagen feststellen!
”Das muss Rosali raushauen!” (Kameramann M. Virmond am Set)
Doch was genau heißt eigentlich “Farbkorrektur”? Zunächst mal klingt dieser Begriff unzutreffenderweise abwertend, so als würde man Fehler ausmerzen, um so ein “naja-Ergebnis” zu erhalten. Das trifft es eigentlich nicht recht. Vieleher wird hier die gesamte Bandbreite der Digitalisierung offenbar. Vorbei die Zeiten, wo man den Film ein bisschen grün machte, in dem man ihn 13 Sekunden länger im Entwicklerbad ließ, nur um dann festzustellen, dass die Uhr im Kopierwerk schon lange kaputt ist, und man nun eben einen magentafarbenen Film hat. Heute heißt “Farbkorrektur” eher: Ich lasse den Film so aussehen, wie ich will! Szene bei Tag gedreht, obwohl sie bei Nacht spielen sollte? -Kein Problem, Rosali dreht an einigen Rädchen und die Szene sieht so aus, als wäre nie Tag gewesen. Mist, den AYUDA-Schriftzug auf dem Foto kann kein Mensch lesen… egal, Rosali dreht an einigen Rädchen und niemand zweifelt mehr daran, was auf dem Foto steht. Der Lippenstift von Nora ist vielleicht doch ein bisschen rot… macht nix, Rosali dreht an einigen Rädchen und er ist grün, oder blau, ganz wie wir es wollen. Das scheint auch insgesamt das größere Problem zu sein. Während Farblegastheniker Hilger immer Sättigung rausdrehen lässt und das Bild wie Erde wird, legt Gottmann Einspruch ein, Sättigung wieder rein, das Bild sieht aus wie ein Blumenmeer. Rosali vermittelt und findet irgendeinen Zwischenwert. Perfekt! Alle drei sind zufrieden.
Rosali ist ein echter Profi, das merkt man vorallem daran, dass sie uns nicht nur fragt, ob wir die neue Farbe mögen, sondern uns zum Vergleich auch immer direkt die alte Farbe zeigt, die einem dann im direkten Vergleich ins Gesicht schlägt… Das fanden wir damals mal gut? Wir können es selbst nicht fassen, und winken immerzu Lobeszeichen in ihre Richtung. Dann irgendwann will Nadine die Stühle tauschen, ihr Kopf täte weh, weil sie immer nach rechts schauen müsste. So läuft unser Wochenende. Rosali coloriert und wir sitzen daneben, überwältigt von den Möglichkeiten der digitalen Farbkorrektur.
“…grün, grün, grün sind alle meine Muster…” (altes Volkslied)
Dass “Ayuda” berühmt wird, dessen sind wir uns spätestens jetzt sicher. Beim Mittagessen in der Stadt geben wir auch schon die ersten noch zu erhaltenden Einspielergebnisse aus, denn das von Rosali vorgeschlagene “günstige Restaurant” um die Ecke knöpft uns 9,50€ für versalzenes Risotto ab. Nadine ist sauer und trinkt aus Sparsamkeit nur Wasser, unglücklicherweise heißt das Wasser hier nicht Wasser sondern “L’eau d’édel” oder so ähnlich, jedenfalls konkurriert es preislich direkt mit dem Risotto. Aber was macht das schon, wenn man einen colorierten Film hat und damit sicher bald berühmt ist?
Am Ende sind wir alle drei sehr stolz. Als Nadine und ich kurz alleine an der Höllenmaschine sind, probiert sie Rosalis Stuhl und dreht ein bisschen an den Rädchen. Das klappt schon ganz gut, da ist Talent zu erkennen. Denn Nadine hat jetzt einen neuen Berufswunsch, nur der Stuhl, der sei noch ein bisschen niedrig, sagt sie, während sie Sättigung reindreht.
“Bildgestaltung kann ich…” N. Gottmann
29.7.2009 bei 17:39
so, jetzt meld ich mich mal wieder!
ich find`s top! der trailer ist zwar fast schon eine kurzfassung des films, mmn, aber echt schön!
ich geb die hoffung nicht auf, dass wir uns den sommer alle wieder sehen! wär echt geil!
gruß, bene
30.7.2009 bei 21:41
Was ich viel schlimmer finde, als dass ich mich nicht mit Farben auskenne, ist, dass ich seit dem Nachdreh um Jahre gealtert bin. Ich werde also doch älter, buhuuu!