Es gab eine Zeit, in der haben wir geplant und Träume und Schäume gehabt und Erwartungen und Vorstellungen, Ideen und Fragezeichen und viel viel Mut. Damals mussten wir über Widerstände nicht springen, denn wir sind darüber geschwebt wie von selbst und alles schien möglich. Im Rückblick ist das für mich eine tolle Zeit, weil egal, welche Probleme es da möglicherweise im Kleinen gab, über allem die Gewissheit stand: Was auch immer ihr anderen alle sagt, dieser Film wird geil! Und uns könnt ihr gar nichts!
Die nächste Zeit, die kam, war eine Zeit, in der es wohl schon, ja natürlich manche Zweifel gab, die jedoch so meterdick von Arbeit überdeckt war, dass man sich gar nicht wirklich damit aufhalten konnte. Andererseits steckte man doch sowieso schon viel zu tief drin, als dass man den Zweifeln jemals hätte nachgeben können. So ließ man sie dann einfach unter dem Stapel Arbeit liegen und guckte gar nicht mehr dort nach.
Die dritte Zeit war geprägt von Euphorie. Denn tatsächlich schienen sich Wünsche und Vorstellungen aus der ersten Phase in dieser dritten auf Film bannen zu lassen. Alles, wofür man so lange gekämpft hatte, befand sich auf diesen Rollen und das war mehr als eine Genugtuung, diese zwei Wochen in diesem verdammten gelben Haus waren die zwei schönsten in meinem Leben.
In der Zeit, die darauf folgte, der vierten Zeit schlich sich immer mehr Trägheit ein und mit der Trägheit kam die Fragwürdigkeit. Denn Dinge, die man lange betrachtet, offenbaren Fehler. Zum ersten Mal wurde aus dem Geschenk eine Last, aus Fragen meinte man Vorwürfe herauszuhören. Die Lustlosigkeit gebar irgendwann einen trotzigen Widerstand und der hievte das Ding über die Ziellinie - eine Befreiung… vermeintlich.
Es war in der fünften Zeit ein wunderschönes Gefühl, auf die Bühne zu treten und sagen zu können: Wir habens euch doch gesagt. Wir hatten sehr wohl eine Filmrolle in der Kamera, Ayuda gibt es und es ist fertig! Es hat sich gelohnt, Paare zu entzweien, Firmen in den Ruin zu reißen und unbescholtene Dorfbewohner um den Verstand zu bringen! Naja, gelohnt hat es sich vielleicht nicht, aber zumindest war es nicht umsonst.
Einige Zeit danach, als wir bemerkten, aber es uns nicht eingestehen wollten, dass die fünfte Zeit, wenn, dann nur eine kurze Zeit, vielleicht aber auch weniger war, nannten wir diese fünfte Zeit “Ayudas schönsten Abend”. Es war eine hohe Erwartung, mit einem Abend drei Jahre Arbeit aufzuwiegen. Und doch, so fanden wir, hatte es irgendwie funktioniert. Der Ameisen-Kurt hatte sich mit 13 Begleitpersonen angemeldet, Lisa hat ihren Anschlusszug verpasst, wurde aber in Andernach abgeholt, auf unseren Plätzen im Kino stand Popcorn bereit, meine Eltern haben stolz ihre Platzreservierung mit nach Hause genommen, Maria versprach Sebi dem Chef der KHM vorzustellen, Familie Orth hat uns einen Präsentkorb voller Süßigkeiten geschenkt, es gab drei Ayuda-Kuchen, einer davon hatte drei Stockwerke, Andi hat es nach seinem Konzert in Karlsruhe noch rechtzeitig ins Kino geschafft, J.D. hielt “The Real Safri Duo” für das echte Safri Duo, Sebi beendete seine Karriere auf der Party am frühen Morgen, das letzte Bild vor dem Abspann hat nicht nur mich zu Tränen gerührt.
Seit über einem Jahr dauert die sechste Zeit an. Und die hat uns alle müde gemacht. Ich habe oft an die erste Zeit gedacht und darüber nachgedacht, was wir da eigentlich gedacht haben. Aber davon wird einem ja auch schwindelig. Ich wollte nie Aufmerksamkeit für Ayuda in der Zeitung, sondern im Publikum. Ich wollte nicht, dass Ayuda für seinen Produktionsprozess gelobt wird, sondern für sich, als Film. Ich wollte und ich dachte auch, Ayuda bekommt eine Chance. Jetzt, in der sechsten Zeit macht es mich traurig, dass den Film nicht viele sehen konnten, dass ich mich mit den Beteiligten nicht ohne schlechtes Gewissen treffen kann, dass ich immer mehr Festivalvorschläge weiterleite, von denen nichts zu erwarten ist.
Das Leben ging weiter. Die Schauspieler haben längst neue Szenen auf ihren Demobändern, Ralf hat geheiratet, einige Leute habe ich nach dem Dreh nie wieder gesehen und ich bin in Potsdam und sehe, auf welchem Stand wir mit Ayuda waren, ganz allein, und verstehe nicht, warum es nicht geschätzt wird. Das Schwierige an der sechsten Zeit, und das unterscheidet sie sehr von der vierten, ist, dass man immer mehr erkennt, dass man mit all den Gedanken immer alleiner ist, denn klar, das Leben geht weiter und für wen ist das noch Thema. Und wenn es Thema war, wurde es verständlicherweise in Phase 5 abgehakt.
Eine siebte Zeit wäre dann vielleicht eine, in der man selbst auch nicht mehr nachdenkt darüber. Und ich glaube in der Sorge darüber, dass so eine eintreten könnte, würde ich gerne DVDs machen und Kinos fragen und so viele wie möglich sollten Ayuda noch sehen, bevor 2012 sowieso die Welt untergeht.
23.12.2010 bei 18:30
Liebe Nadine!
Es kann kein Zufall sein, dass ich heute seit einem Jahr wieder das erste Mal auf den Blog gucke - genau einen Tag nachdem du hier wieder was gepostet hast. Weißt du, was das heißt? Dass Ayuda nicht aus meinem Kopf ist.
Ich verstehe, dass ihr enttäuscht seid, wie wenig euer immenser Einsatz für Ayuda im Endeffekt erreicht hat. Was nur für den Film an sich geht. Ich weiß, dass das ein geringer Trost ist, aber ein Film ist als künstlerisches Werk nie nur das Endprodukt, sondern auch die Arbeit daran. Um es in einem etwas abgewandelten Filmzitat zu sagen.
“Es ist doch nicht der Film, der aus einem Dreh einen geile Zeit macht. Es sind die Menschen, die sich dort treffen.”
In diesem Sinne frohe Weihnachten,
euer Freund Bene
23.12.2010 bei 18:31
Entschuldigt den sinngemäßen Doppelpost. Mein erster wurde nicht angezeigt…
24.12.2010 bei 15:27
Bevor es soweit ist, sollten wir das dann so machen, denke ich
3.5.2011 bei 18:52
Ich gehör zu den wenigen Leuten, die den Film schon gesehen haben. und ich finde ihn toll! Ich fänds gut wenn ihr den Film irgendwie so rausbringen könnt, dass ihn mehr Leute sehen und von ihm begeistert sein können =) Viel Glück dafür