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Hier, an dieser Stelle, wird bald der neueste Blogeintrag von Sebastian E.A. Hilger zu lesen sein. Mit tollen und interessanten Infos zum Stand des Films, den heißesten News aus Sebastians sexy Leben und einer gehörigen Prise schlechtem Humor, wie wir es von ihm kennen und lieben. Ein Blogeintrag, der es mit den ganz Großen aufnehmen kann, ein Blogeintrag anknüpfend an die Vorzeigeschilder dieses Blogs, rührender als “Schwere Entscheidungen”, antithetischer als “Von guten und von bösen Kopierwerksbesitzern” und abgefakter als “Fakten, Fakten, Fakten”, und vor allem bescheiden. Lieber Sebastian, wir freuen uns schon!

Und nein, wir setzen unsere Mitarbeiter nicht unter Druck.

Der erste Pretrailer

Den Pretrailer zu Ayuda gibt’s jetzt unter: http://www.youtube.com/watch?v=HnTEmsQ8NLA

Schaut es euch an, rechnet nochmal so und so viel Qualität drauf und schreibt uns dann, was ihr davon haltet. Nur so können wir die nächsten Trailer noch besser machen!

Tosender Beifall für den Trailer

Da Sebi und seine Freundin heute in der Uni einen Film vorgestellt haben, fuhren wir zu Freddy nach Bonn, um den Trailer fertigzustellen, denn wann hat man schon mal die Möglichkeit, einen Trailer einem großen Publikum auf einer großen Leinwand zu zeigen? Wann erreicht man schon mal seine Zielgruppe, wann kriegt man schon mal tosenden Beifall? Wenn nicht im Filmkeller der Uni Köln am Delikatessen-Abend.

Fleißig wurden Einladungen verschickt an Dozenten, an Freunde und an Feinde, falls die Freunde nicht kommen können. Und obwohl Sebi und ich müde waren und Sebi nicht Zug fahren kann (er kann keine Fahrkarten lösen, er will sich immer auf dem Kopf in den Zug setzen, er kauft sich Süßigkeiten aus dem Automaten am Bahnhof, der bestimmt nur ein Mal pro Jahr gefüllt wird, ihh (nicht mal ich kauf mir da was, obwohl ich meine neue Lieblingssüßigkeit weißes Kinder Bueno gesehen habe)), sind wir mit dem Zug nach Bonn gefahren. Zu Freddy.

Das, was jetzt mit dem Film zu tun hat, ist eigentlich langweilig. Aber das ist ja immer noch ein Filmblog. Also ich hab halt zugeguckt, wie Sebi zuguckt, wie Freddy den Film schneidet. Na ja, hat echt Spaß gemacht. Einmal hab ich da eine Wimper auf Sebis Gesicht gesehen, hab mir aber nichts gewünscht, sondern die Wimper weggeschmissen und einmal… Nee, Quatsch, ich hab natürlich schon gute Tipps gegeben. Und hab Kaffee geholt. Und ich hab den Jungs gesagt, dass sie sich mal ein bisschen beeilen sollen. Wir mussten nämlich um halb8 wieder in Köln sein. Freddy wollte aber ständig noch die “Cooler-Titel”-Taste drücken und daher wurde es dann schon ziemlich knapp. Wie es typisch ist, hat sich dann natürlich auch noch die Festplatte aufgehangen, wie Marilyn, und dann hab ich den Jungs gesagt, Nee nee, das schaffen wir nicht mehr. Träume zerplatzten wie Seifenblasen und Sebi rannte dann schonmal zum Bahnhof, wo er den Zug, der mit 9 Minuten Verfrühung abfuhr, gerade noch kriegte, und setzte sich auf dem Kopf in den Zug, weil ich nicht mehr da war, um ihm zu sagen, dass das so nicht geht.

Freddy und ich saßen bei Freddy und tranken Milchshakes, weil wir bis zum nächsten Zug ja noch eeeewig Zeit hatten. Wir haben auch noch ein bisschen gefochten und uns Schwänke aus unserem Leben erzählt. 15 Minuten vor Abfahrt des nächsten Zuges, als der PC endlich fertig gerendert hatte, merkten wir auf einmal, dass wir von einer Szene nur den Ton hatten und kein Bild. Wir überlegten uns, ob wir lieber ein Hörspiel machen wollten. Eigentlich sprach nichts dagegen. Na ja, da müssen wir mal Ralf fragen, ob er einverstanden ist. Wir machten also doch erstmal einen Film. Noch 12 Minuten bis zur Abfahrt. Noch 12 Minuten Transkodieren. Super, dann würden wir also den nächsten Zug auch noch verpassen. Dann transkodierte es aber zum Glück plötzlich ganz schnell fertig. Unter vollem Einsatz sprinteten Freddy und ich dann zum Bahnhof. Wir rannten sogar todesmutig durch den Bonner Drogenweg. Ich nahm eine benutzte Nadel, die da rumlag, und bin jetzt endlich drogenabhängig und immer gut drauf.

Als wir im Filmkeller ankamen, waren sogar ein paar Leute da. Da freuten wir uns. Leider mussten wir unseren Trailer jetzt nach dem Film zeigen, den Sebi vorgestellt hatte. Und da sein vorgestellter Film irgendwie nicht so beliebt war, gingen schon einige Leute währenddessen. Als dann der Abspann kam, sind auch die anderen gegangen und den Abspann konnte man leider nicht unterbrechen, weil er zum Film dazugehörte. Am Schluss waren noch wir da und der Junge, der den Filmkeller abschließen muss. Und der hat noch irgendwas rumgekruschtelt, während unser Trailer lief.

Mir egal. Wir haben zum ersten Mal einen Trailer von uns gesehen. Auf einer Leinwand. Also meinen Geschmack hat es getroffen, ich würde mir den Film angucken. Freddy, der Perfektionist, will ihn jetzt nochmal überarbeiten, aber wahrscheinlich gibt es in den nächsten Tagen die erste Vorabversion! Ich hoffe, ihr freut euch dann auch, denn jeder, der den Trailer bisher gesehen hat (wir), findet ihn toll. Da haben wir die Zielgruppe ja echt getroffen.

Das blöde Geld

In einer Welt voll Frieden und Freundschaft, so heißt es immer, solle man sich nicht von irdischen Gütern lenken lassen, nicht dem Mammon dienen und Geld nur ja nicht zu viel Bedeutung beimessen.

Tja, das sind ja ganz nette Parolen. Das Problem ist nur, ohne Moos- nix los. Da ist schon was Wahres dran. Ohne Geld kein Wasser, kein Brot, keine Brustvergrößerung. Wir können nicht von Feinstaub verseuchter Luft und nicht vorhandener Liebe leben! Und der Film auch nicht.

Keine Ahnung, was grad los ist. Aber wenn noch ein bisschen weniger los wäre, würde sich die Filmrolle wieder aufrollen und zurück in die Kamera hüpfen.

Seit dem letzten Drehtag warte und warte ich, dass irgendwas wieder in Gange kommt in der Hoffnung, dass wir nicht in eine dieser schrecklichen Fallen- angefangener Film, nie vollendet- geraten. Das wird auch nicht passieren. Alles, was wir momentan tun können, haben wir getan- Freddy kümmert sich um den Trailer, Andi komponiert Musik und Aron fängt an zu schneiden…

Und doch habe ich das Gefühl, dass ohne Geld nichts weitergeht. Ja, ich weiß, wir sollen keine Schätze sammeln auf Erden, wo sie die Motten und der Rost fressen. Aber wenn man seine Schätze nicht gerade im Kleiderschrank versteckt oder im Regen draußen stehen lässt, passiert so was normalerweise auch nicht. Gebt mir Geld, ich lege es in meine alte Diddl-Spardose! Ich hab jetzt keinen Bock mehr auf Anti-Kapitalismus und Idealismus und Krötenrettung.

Zum Glück hab ich gestern in der Uni eine tolle Ausschreibung entdeckt: Versuchspersonen, männlich, 1,80m plus/minus 10 Zentimeter zwischen 20 und 30 Jahren für Raumfahrtstudie gesucht. Da muss man nur drei Mal 33 Tage im Krankenhaus verbringen und so ein paar Tabletten schlucken, von denen Knochen schwinden oder wieder wachsen, so genau hab ich das jetzt auch nicht verstanden. Ist aber auch egal, denn bei dieser Studie bekommt man 10.000 € !! Das hab ich Sebi auf jeden Fall direkt vorgeschlagen. Da kann er hingehen, während ich in Paris bin, weil ihm ohne mich eh langweilig ist. Ich weiß ja nicht, ob er seine Knochen noch braucht, Opfer für die Kunst sind aber immer gut. Auch für den Lebenslauf. Ich zum Beispiel würde es machen, bin nur leider nicht männlich und auch nicht 1,80. Sebi hat mich dann noch drauf hingewiesen, dass Ralf ja auch noch da sei. Stimmt. Ralf, der immer behauptet, dass er laut irgendeiner Internetstudie der perfekte Liebhaber sei, weil er braune Haare hat und blaue Augen und 1,90m ist. Würde also grad noch gehen. Dann haben wir uns aber überlegt, wie Ralf aussähe, wenn auch noch seine Knochen weg wären. Das können wir leider echt nicht verantworten.

Dann warten wir jetzt halt weiter. Auf den Anruf von Jörg Pilawa, die Mehrwertsteuer und den Tod. Währenddessen sammeln wir schon mal unsere Schätze im Himmel.

Wie Nadine einmal in ihrer Freizeit etwas für den Film machte

Einmal, als Sebi schon in wirren Fieberträumen steckte über ein Treffen mit Willy Schmidt, der Kreuzung aus Helmut Schmidt und Willy Brandt, oder über wilden Sex mit seiner Lieblingshassfeindin aus der Uni oder über sein Leben, das in Zeitlupe (50fps) verlief, weil er so gestresst war von dem Theaterfilm, den er jeden Tag schnitt, um unsere Budgetüberschreitung zu bezahlen, von Treffen mit einem Tonstudiobesitzer, der auch Willy Schmidt heißt, der unseren Ton checkte und sagte, dass er gut sei und verstörten Telefonaten mit dem Mann von der KHM, der unsere Rechnungen vom Kopierwerk zugesendet bekam, saß ich herum und hab… eigentlich gar nichts getan, außer mit dem rechten Finger ab und an die Maustaste zu aktivieren, um Outlook zu checken. Eine Studivz-Nachricht! Von so ‘nem Typen. Naja, den fand ich ja mal ganz sexy. Und nett. Aber er war 32. Ich dachte noch eine halbe Stunde darüber nach, welcher Grad an Sexappeal wie viele Lebensjahre aufheben kann. Naja, naja.

Am folgenden Tag. Ich saß so auf der Arbeit herum und hab… eigentlich gar nichts getan, außer herauszufinden, dass die Zeilen der Excel-Tabelle bis 65536 gehen und die Spalten bis IV, da fiel mir ein, dass dieser Typ Designer ist. Da fiel mir ein, dass ich ja mal einen Film gedreht habe. Vor kurzem. Da fiel mir ein, dass ich auf diese Kombination ja eigentlich schon eher hätte kommen können, aber irgendwie ja keine Zeit hatte, darüber nachzudenken. Nun wusste ich also endlich, was ich diesem Typen zurückschreiben sollte. Ob er Lust hatte, für unseren Film Filmplakate zu machen und DVD-Inlays und lauter solche Sachen. Stolz erzählte ich Sebi, als er mich am nächsten Tag anrief, von meiner großartigen Film-caritativen Idee, redete etwas von vollstem Engagement und Motivation, die einfach nicht aufzuhalten war.

Besonders toll fand ich meine selbstlose Art, denn eigentlich hatte ich ja selbst schon mal ein wunderschönes Plakat entworfen. Emilys Hand, die an einer Schnur die aufgehangene Marilyn hält und die Gesichter der Bewohner außenrum, die aus dem Schatten auf die Leiche blickten. Draufschreiben wollte ich: Ayuda. Mit Joyce, Freddy und Christian Arndt (weil wir die so ja immer genannt haben). Okay, vielleicht ist das Plakat damit schon ein bisschen überfüllt, Ralf und Sebi hätten mein vollstes Engagement und meine Motivation, die einfach nicht mehr aufzuhalten war, aber ruhig mal ein bisschen zu schätzen wissen sollen.

Auch diesmal erwies sich Sebi als nicht sonderlich würdig. “Da hat sich schon irgendwann mal so ein Designertyp bei Ralf gemeldet. Glaub ich”, antwortete er, als ich von meiner tollen Idee erzählte. “Hallo! Die Designer kennen wir aber!” (Meine Mitbewohnerin und ich waren da zufällig mal auf ner Party von denen. Ohne Sebi.) “Aber er hat doch eh abgesagt”, sagte Sebi. “Ja, aber es war doch trotzdem super, dass ich ihn gefragt habe. Außerdem könnten wir ja auch jemand von den anderen Designern fragen. Tim zum Beispiel.” “Aber wir haben doch diesen Designer von Ralf.” “Tim sieht aber gut aus!” “Der Typ von Ralf sieht auch gut aus. Glaub ich.” “Tim ist aber auch erfolgreich”, sagte ich, “das sieht man an seiner schönen Wohnung.” “Ich hab auch ne schöne Wohnung”, sagte Sebi, “bin aber nicht erfolgreich. Das ist also kein Beweis.”

Soviel also zum Thema: Wie ich einmal in meiner Freizeit etwas für den Film machte.

Einmal, als ich herumsaß und… eigentlich gar nichts getan habe, außer einen Blogeintrag zu schreiben, der all jenen genügt, die endlich mal wieder was zum Thema “Ayuda” hören wollen, all jenen, die mich wieder gebündelter schreiben sehen wollen und all jenen, die wollen, dass ich endlich aufhöre, zu schreiben, fiel mir auf, dass Sebi vielleicht ein bisschen eifersüchtig ist auf Leute, die gut aussehen, eine schöne Wohnung haben und erfolgreich sind.

(Namen wurden aus privatsphärischen Gründen ausgetauscht.)

Footsteps-Blog olé olé! Ein kleiner Lückenfüller als Ansporn für all diejenigen, die immer noch unseren Blog lesen

Okay okay, ich geb’s zu. Mein letzter Eintrag war dankbar. Ich konnte damit nicht beweisen, dass ich die neue Jane Austen bin. Den Text hätte einfach jeder schreiben können, der dabei war in unseren drei Wahnsinns-Wochen. Wenn ich mir Sebi vorstelle, den ich jetzt ein paar Tage nicht gesehen habe, was echt mal ganz entspannend ist, (so ist also ein Leben ohne Screwball-Comedy, ein Leben ohne einen großen Jungen, der einen ständig schlägt, ein Leben ohne den Mann von der ifs, der sich von irgendwelchen Häusern abseilt, um den großen Jungen anzuzeigen), sehe ich ihn immer noch mit einem erhabenen Grinsen im Gesicht, weil er seinen Beitrag natürlich besser findet, weil meiner so dankbar war.

Es geht aber nicht um das, was war oder um den Weg, der hinter uns liegt. Es geht darum, wie es weitergehen soll.

Jetzt sind wir ein Mal erfolgreich. „Für Sie doch immer, toller Blog!“ jubelt der Fahrer, wenn er mir die S-Bahn-Tür noch einmal öffnet, weil ich zu spät komme. „Footsteps-Blog olé olé!“ grölen die Fans des FC Köln auf den Rängen. „Da kommen unsere Filmleute!“ stellt uns der Arzt seinem Wartezimmer vor, „Ozean geöffnet, Mond knallrot, von Wellen zerrissen, übertobt, will mehr, noch mehr. Vom Ayuda-Blog!“ röhrt Herbert Grönemeyer im Autoradio, „Und hier die Autoren von „Torschusspanik“ und „Who the fuck is Ralf“, eröffnet Elke Heidenreich ihre Sendung. Ja, jetzt sind wir ein Mal erfolgreich, 1500 Blog-Besucher pro Monat, hart erarbeitet, und einmal abgesehen von der Sache mit dem Arzt, die wirklich wahr ist, gibt es nichts mehr zu schreiben außer Sätze, die von hässlichen Wörtern aus meinem Lieblings-Wortfeld „sagen“ eingerahmt werden. So werden auch wir den Grimme-Online-Award nicht gewinnen.

Ich habe eine Idee. „Also wir könnten ja wie bei den Gilmore Girls… naja egal.“ Ich kenne das schon, meine Freunde mögen Sätze, die mit den Gilmore Girls beginnen, nicht so richtig. „Na, was denn?“ „So einen Wettbewerb machen, wer den besten Blogeintrag geschrieben hat. Wer für mich ist, zieht dann ein rosa Bändchen an und wer für dich ist, ein blaues! Wie bei Lorelai und Luke.“ War auch nicht so ’ne super Idee.

Na gut, dein Beitrag war schön, Sebi, aber er ist das Ende einer Ära. Mesdames, messieurs- Es war mir eine Ehre.

Okay, genug Quatscho für heute. Vergesst nicht, weiterhin auf dieser Seite vorbeizuschauen!

Der Tag danach

Der obligatorische “Der Tag danach”-Artikel. Das ist nicht leicht. Leistungsdruck und so, seit ich weiß, dass Stefan seiner Frau den Blog immer vorliest.

Bis gestern haben wir das Haus ausgeräumt, deshalb ist ja auch erst heute der Tag danach- zumindest für mich. Ich bin jetzt zu Hause, damit Sebi abends endlich wieder schlafen kann- ohne mein Gejammere, dass ich einen Splitter im Finger habe und mein Rücken wehtut und überhaupt alles so furchtbar traurig ist. Insgesamt ist alles wundervoll- Wann benutzt man schonmal das Wort “wundervoll”? Sowas hätte ich Toni am Set sicher verboten. Es ist wundervoll, dass wir es hingekriegt haben, dass wir so t0lle Leute kennen gelernt haben und dass wir jetzt wieder Zeit haben. Fragt sich nur, Zeit für was?

Was ich heute bisher gemacht habe: Wäsche gewaschen, Popstars-Das Magazin geguckt, Grillsteak aus der Pfanne gegessen. Nicht gerade meine Lieblingsbeschäftigungen auf der Welt. Ist es das? Will ich so mein zukünftiges Leben verbringen??? Ein Freund schlägt mir gerade vor, dass wir uns die neuen Fenster im Dom angucken könnten- Soll sowas jetzt das Highlight meines Tages sein? Und morgen muss ich mit meiner Hausarbeit anfangen und nächste Woche muss ich in die Keramikfabrik Stäbchen brechen.

Ich will zurück! Ich will zurück zu euch!

Ich will mich zu neunt in den Chrysler quetschen und Motze von Moritz, weil wir schon wieder zu spät sind, ich will Frühstücks-Buffet von Gaby und Stifte von Eva und Tobi aus dem Produktionsbüro, ich will Mitch Guten Morgen sagen, der schon wieder das “Ich habe das Drehbuch nicht gelesen”-T-Shirt anhat, ich will mich in Helenes Zimmer treffen und die nächste Szene besprechen, ich will Freddys lustiges Lachen hören und einen Klaps auf die Schulter von Bene, ich will Moritz zusehen, wie er die Lampe um einen Millimeter verschiebt und Ralf, wie er den perfekten Platz für seinen Watchman findet und Waya, wie sie wieder mit der Klappe aus irgendeiner Ecke rausspringt, ich will Witze mit Lisa machen, weil es vier Uhr ist und wir immer noch drehen, ich will danach trotzdem noch zum See fahren, wo Sebi nacktbadet. Kommt, ich höre mir diesmal auch die Blumenkotz-Geschichte an, ich schreie Sebi nicht mehr an, wenn er eine komische Idee hat, ich esse nicht mehr den ganzen Tag Süßigkeiten, Sprichwörter sind ab jetzt am Set erlaubt, ich rede mit Kurt solange er will über Ameisen, ich passe auf meine Stifte auf, ich trinke nicht mehr aus Michael Pinks Tasse, ich versuche, unkritisch zu gucken und ich setze mich auch dafür ein, dass wir weniger als 16 Stunden drehen, aber lasst uns zurückgehen. Kommt zurück, kommt zurück!

Ich will ja nicht, dass jetzt jemand aus Mitleid zurückkehrt und es klingt natürlich auch ganz schön kitschig, aber ich bin ja eine Freundin psychischer Erpressung. Ich ging in den letzten Tagen durch das Haus, das immer leerer und leerer wurde, aber das ist eine andere Geschichte, die Sebi an anderer Stelle erzählen möchte, und es war wie das Ende von “Titanic”. Leere Gänge, leeres Treppenhaus, leere Zimmer, als hätte dieses Haus seit Jahren niemand betreten, als wäre gar nichts passiert und dann immer wieder kleine Augenblicke, in denen ihr da rumgewuselt seid. Das war wundervoll.

Ihr wart wundervoll!

Nadine

Der Tag davor

Hier sind wir nun, Herr R., und werden es wohl schaffen. Leicht war es nicht. Sebi hat Tinitus, ich Magenentzündung und Ralf musste kotzen. Da war Stress, da war Streit, da waren Tränen. Da war Zeit, die verging und nicht verging-immer so, wie man es nicht brauchte.
Bittbriefe, Bettelei, Förderungsanträge, Anschreiben und 249 Briefmarken-mit der Zunge aufgeklebt-und 189 Absagen. Telefonrechnungen für 140 € im Monat, eine 0900-Nummer war auch dabei. 9 Leute im Büro und eine Schildkröte-eng, laut, ein geschriebener Satz, eine Zwischenfrage.

2000 gefahrene Kilometer, Mc Donalds und noch mehr Magenschmerzen, viel Regen, wenig Sonne.

Sechs Computer, 16 Stunden am Tag gelaufen, ein lauter Netzwerkkühler,der Coldplay übertönt. E-Mails, E-Mails, E-Mails, 25 kB, 635 kB und 14 MB. Ein Internet, das mal geht, mal nicht- nach Lust und Laune.

Viele viele Stunden, in denen geredet wird und diskutiert und gefeilt und gekämpft- an Sätzen, die es letztendlich nie ins Drehbuch schaffen.

Streit, wer dem netten, aber nicht besonders guten Schauspieler absagt. Lange Telefonate- Kritik und Lob. Unser Hauptdarsteller, den wir hatten und verloren und hatten und verloren. Drehpläne, stundenlanges Verschieben und neue Telefonate. Prioritäten und Darsteller, für die es sich gelohnt hat.

Krisensitzungen und motivierende Ansprachen. Tage mit schlechter Laune und Katastrophen-Tage mit schlechten Nachrichten.

Die Equipment-Suche ohne Erfolg. Die Angst, keine Kamera zu bekommen. Die Tatsache, keine Kamera zu bekommen und nur noch eine Woche Zeit. Das Gespräch vor dem Haus-Alles absagen? Verschieben? Geht nicht. Eine Liste mit einem Vorteil und 17 Nachteilen. Ein Tag später, die Zusage für zwei Kameras. Haben wir Glück. Haben wir Pech. Sucher kaputt. Und letztendlich doch noch eine Zusage für eine Kamera aus Berlin.

Hier sitze ich nun zum ersten Mal seit Wochen alleine im Produktionsbüro. Nur die Schildkröte ist auch da und denke nach. Zum ersten Mal seit Wochen. Die anderen machen die letzte Besorgungen. Ich darf nachdenken. Jetzt geht es los. Wie wird es wohl werden? Haben wir an alles gedacht? Wahrscheinlich nicht. War es das jetzt, das Beste, was wir rausholen konnten?

Es ist die eine Belohnung, die wir jetzt bekommen. Das eine Mal, das wir alle da sind-wir,die Crew, die Schauspieler und die Filmrolle, die belichtet wird. Die eine Chance, die ich habe, durch das Haus zu gehen wie durch meine Geschichte.

Wenn die erste Klappe schlägt, halte ich die Luft an. Weil ich Angst hab, der Moment vergeht.
100_03141.JPG100_0313.JPG100_0312.JPG100_0264.JPGfootsteps

Nadines dritter schlechter Beitrag in Folge

 Heute waren wir neidisch, weil der Regisseur von la boom exclusiv, unserem großen Vorbild, wenn es um das Thema “Gute Storyentwicklung in Filmen” geht, Jeffrey Greengrass heißt. Er heißt zwar gar nicht Jeffrey Greengrass, sondern Jeffrey Berlin Green, wie ich gerade durch google rausgefunden habe, aber Sebi dachte, er heißt Jeffrey Greengrass oder ich hab ihn falsch verstanden, das tut aber bezüglich dessen, was ich jetzt erzählen will, nichts zur Sache.

Wir waren also neidisch, dass der Regisseur Jeffrey Greengrass heißt, weil das natürlich auf der Berlinale mehr Eindruck macht mit so einem tollen Namen von Welt. Deswegen habe ich vorgeschlagen, dass wir so tun könnten, als seien wir Franzosen und habe gesagt:”Sébastien Ilgère”. Denn französische Filme sind immer gut, habe ich Sébastien erklärt, der sich in der französischen Filmwissenschaft noch nicht so gut auskennt wie ich. “Nee”, hat Sébastien gesagt, “französische Filme sind doch immer blöd. Man darf sie halt nur nicht kritisieren, weil sie französische Filme sind.” Das ist ja wohl erst recht ein Grund so zu tun, als wären wir Franzosen und würden einen französischen Film drehen. Ziemlich Avantgarde wäre das, ziemlich mise-en-scène und ziemlich fin de siècle.

Kritik kann ich nämlich kaum ertragen. Ertragen ja, aber nur wenn ich währenddessen auf der Deutzer Brücke stehe und in den Rhein schaue. Zum Glück sagen meistens nur diejenigen, dass unser Drehbuch schrecklich wäre, die es noch nie gelesen habe. Wie das dann wird, wenn die Leute aus unserem Film kommen und sagen, dass er ihnen “jetzt nicht so” gefallen hat? Wenn wir Dr. Uwe Bolls neuesten Film toppen und die Goldene Himbeere gewinnen? Wenn Ed Wood nicht mehr länger der schlechteste Regisseur aller Zeiten ist, sondern Sébastien Ilgère? Keine Ahnung. Das kommt in meinen Vorstellungen nie vor. Ich bin mir eigentlich sicher, dass alles super wird.

Wenn nicht, wäre das wirklich ein Problem. Meine lange Blog-Abstinenz erklärt sich nämlich einzig und allein durch Sébastiens klitzekleinen Hinweis, dass meine letzten zwei Beiträge an Niveau verloren hätten. Naja, Sébastien darf das. Der geht ja auch ansonsten immer mit mir von der Deutzer Brücke runter und tröstet mich.

Ab dem nächsten Beitrag geht’s wieder aufwärts. C’est promis.  

Uahhh, schnell!!

Schnell, macht das Radio an, dreht es richtig laut auf, wir fahren durch den Sommerregen… Nein, leider gutes Wetter. Dennoch kommen wir heute im Radio! Unser Film im Radio, das ist Intermedialität, das ist Intertextualität, das ist die Verschmelzung von Medien aufgrund dispositiver und medienspezifischer Gegebenheiten. Es ist einfach unglaublich! Julia Kristeva wäre stolz auf uns, Marshall McLuhan wäre stolz auf uns und Derrida, der hat ja sowieso überall seinen Senf dazugegeben.

Auf jeden Fall kommen wir nicht auf irgendeinem doofen Campusradio, sondern auf SWR3! Ab 19 Uhr also SWR 3 hören und sich über Evas gute Idee freuen!

(Leider haben wir irgendwie vergessen zu sagen, dass wir noch Sponsoren brauchen… Aber wir fühlen uns natürlich trotzdem mal wieder zieeemlich postmodern.)