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13.6.2007 von Nadine.
Da kommt man gerade von einem mehr oder weniger grauseligen “Fluch der Karibik 3″ (vielleicht bin ich auch nur etwas verwirrt, weil ich Teil 2 ausgelassen habe, nein, das ist es nicht) nach Hause, euphorisch, denn man denkt sich: Das kannst du doch besser und beschließt, dass 00:54 Uhr sicher die optimale Zeit ist, endlich nochmal die viel kritisierte Anfangsszene in Angriff zu nehmen. Die erste Szene, das habe ich gerade diese Woche im Drehbuchseminar gelernt, ist in jedem Film die wichtigste, weil sie die Schablone ist, an der man den Rest des Films misst. Das bedeutet, die Welt, die in der ersten Szene geschaffen wird, wird auch für den Verlauf der kompletten Handlung als verbindlich richtungsweisend angesehen. Viel Theorie am späten Abend, ich weiß, aber in Anbetracht dessen, dass ich, seit Sebi und ich uns einen neuen Anfang ausgedacht haben, zwei Sätze zu Stande gebracht habe, muss ich mich an jeden Rettungsanker (bemerkenswerte auf Fluch der Karibik bezogene Metapher, ach nein, ich hasse Leute, die in Klammern auf irgendwelche Stilmittel hinweisen, die vordergründig hintersinnig wirken) klammern. Den zweiten von den zwei Sätzen finde ich im Übrigen auch noch dämlich, das heißt, den lösche ich eh gleich wieder und den ersten, naja, den hat ja Sebi mir schon bei der Besprechung gesagt, das heißt entweder der erste Satz ist sowieso auch blöd oder aber zumindest nicht mein Verdienst.
So ist es also, wenn man um 00:54 Uhr auf die Idee kommt, Drehbuch weiter zu schreiben. Und jetzt ist es im Übrigen auch schon 01:04, wieder zehn Minuten vergangen, in denen ich keinen tollen ersten Satz und keinen tollen zweiten Satz geschrieben habe und jetzt fängt auch noch gleich mein Gewissenskrieg an, ob ich die Wiederholung von Monk gucken darf oder weiterschreiben soll. Ach, vielleicht ist 00:54 Uhr ja doch ‘ne blöde Zeit und überhaupt haben Sebi und Ralf mir eh versprochen, dass ich noch während der Dreharbeiten auf einer gelben Schreibmaschine weitertippen darf. Wie Stanley Kubrick.
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8.6.2007 von Nadine.
Gestern, als Sebi keine Unterwäsche unter seiner Hose trug, weil die Wäsche noch nicht getrocknet war, redeten wir über die Hölle. Was dabei herauskam:
Es gibt da einen Kopierwerksbesitzer, den ich hier nicht einmal verleumden muss, da jeder, der in seinem Leben schon mal etwas mit einem Kopierwerksbesitzer zu tun hatte, weiß, von wem ich rede. Dieser Kopierwerksbesitzer ist nicht gerade Sebis und mein Lieblingsmensch. Deshalb glaube ich, dass, falls ich in die Hölle komme, er neben mir stehen und mich bis ans Ende aller Tage vollquatschen wird. Sebi, der fest davon überzeugt ist, täglich auf einer Bühne vor mindestens 100.000 Leuten zu stehen, da es für diese die Hölle ist, ihn singen zu hören, denkt aber auch, dass der Kopierwerksbesitzer in der Hölle neben ihm stehen und ihn bis ans Ende aller Tage vollquatschen wird. Das ist nun ein Problem. Das würde nämlich bedeuten, dass ich in der Hölle sowohl von dem Kopierwerksbesitzer vollgequatscht werden würde, als auch Sebis Gesinge ertragen müsste und so ungerecht kann nicht mal Satan sein. Deshalb muss sich der Kopierwerksbesitzer, wenn er in die Hölle kommt,vermutlich in seinem eigenen Kopierwerk kopieren lassen (schwarz-weiß, weil die Maschine für Farbe hat er noch nicht gebaut), damit er uns beide unabhängig voneinander bis ans Ende aller Tage vollquatschen kann.
Ich weiß, das klingt nach großem Unsinn, aber der böse Kopierwerksbesitzer ist momentan wirklich fuchsteufelswild. Weil wir unseren Film nicht mehr bei ihm entwickeln lassen wollen.
Wir wollen unseren Film bei seinem Gegenteilsmenschen entwickeln lassen: Bei der guten Kopierwerksbesitzerin. Okay, wir haben ihr selbstgebackenen Kuchen mitgebracht, aber das ist noch lange kein Grund, so nett zu uns zu sein. “Arme Nadine”, hat Sebi mal gesagt und mich in den Arm genommen, “du machst echt was mit.” Da kamen wir gerade wieder mal von einem Treffen mit einem schrecklichen Menschen aus der Medienbranche. Die gibt es da zu Genüge. Sebi und ich dachten schon, wir wären möglicherweise die einzigen beiden netten Menschen in der Medienbranche, aber jetzt wissen wir, dass es mindestens noch einen dritten gibt. Wenn die gute Kopierwerksbesitzerin wirklich unseren Film entwickelt, steht 16mm eigentlich nicht mehr viel im Wege. Wir können es selber nicht glauben!
“Sie werden das nicht schaffen”, hat der böse Kopierwerksbesitzer mir ins Gesicht gesagt. “Doch, wir schaffen das”, habe ich gesagt.
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31.5.2007 von Nadine.
Beim Drehbuchpreis KölnFilm mitzumachen, war mal wieder eine dieser tollen Nadine-Sebi-Aktionen:
Nachdem wir eine Woche überlegt hatten, ob wir überhaupt teilnehmen sollten, da eines der Hauptcharakteristika unseres Filmes ist, dass er nicht in Köln spielt, entschieden wir uns einen Tag vor Abgabe doch dazu. Chancen im Leben soll man ja nicht ungenutzt verstreichen lassen. Sie kommen nie wieder zurück. Und so.
Auf jeden Fall rannte ich um halb vier von der Uni nach Hause, denn unser Hauptproblem an der Teilnahme war:
1. unser Film hat keinen Kölnbezug
2. wir haben kein Treatment, das wir einreichen können
3. die Kopierkosten übersteigen unser Budget
Die Abmachung war klar: Um Punkt 2 kümmere ich mich, um Punkt 1 Sebi und den Rest machen wir zusammen. Ich (Nadine, die sich an die Abmachung gehalten hat) schrieb also die ganze Nacht das Drehbuch in ein dreißigseitiges Treatment um, während Sebi sich ein bisschen aufs Ohr legte. Zum Glück stand er jedoch um fünf Uhr auf, um im fliegenden Wechsel die letzten zehn Seiten des Treatments, die aufgrund meiner Müdigkeitsanfälle niemand mehr entziffern konnte, neu zu schreiben und überflüssige Konjunktive einzufügen.
Dann rief mich mein netter Mitarbeiter (Sebi, der sich nicht an die Abmachung gehalten hat) an und fragte, was denn jetzt eigentlich mit Köln sei. Da mir spontan nichts einfiel (das war ja auch nicht mein Aufgabenbereich), änderte Sebi nichts außer dem Titel: Neusserstraße. Darauf war er auch noch stolz. “Aber der Film soll doch nicht Neusserstraße heißen!” hab ich gesagt. “Jaa, das ändern wir dann ja wieder, wenn die uns die 15.000 € gegeben haben.” Davon würden die sicher begeistert sein.
In der Uni kopierten wir dann unsere Kopierkarten leer und gaben unser Treatment eine halbe Stunde vor Abgabeschluss ab.
Gestern war nun endlich der große Abend der Preisverleihung. Schon als wir das Museum Ludwig betraten, waren wir ein wenig verwundert darüber, dass wir die einzigen beiden Coolen waren. Kurz darauf stellten wir dann fest, worauf die Berge von watteweißen Haaren bereits hingedeutet hatten, dass nämlich dieser Filmpreis gar kein Nachwuchspreis war. Peinlich berührt rutschten wir in unseren Sitzen noch etwas tiefer und hörten endlich auf, in die Spiegelreflex-Kamera zu winken, die ein Reporter dabei hatte. Als sich dann auch noch die merkwürdigsten zwei alten Männer des Saals neben uns setzten (jedes Mal, wenn jemand anfing zu reden, schrien sie: “Lauter!” oder “Nicht flüstern!!”, obwohl sie den Rest der Rede dann eh nur damit verbrachten, irgendwelche Unterlagen über Gewässerverschmutzung durchzuarbeiten, lauthals zu gähnen und mir in den Schritt zu starren) und Sebi wiedermal von einer viel zu alten und viel zu komischen Frau hingerissen war, war der Abend eh schon wieder gelaufen.
Eigentlich war ich mir sicher, dass wir einen Sonderpreis bekämen, es gab aber keinen. Bei den lobenden Erwähnungen wurden wir auch nicht lobend erwähnt. Eigentlich hätten wir dann die 15.000 € gewinnen müssen, aber die hat eine andere Drehbuchautorin gewonnen. Bestimmt nur, weil es in ihrem Film um Köln geht. Und darum hätte Sebi sich ja echt mal kümmern können. Dafür hat er mir aber eine Fanta gekauft.
Nachdem wir beim abschließenden Umtrunk keinen kostenlosen Sekt bekommen hatten und auch keine Brezeln und auch keine berühmten Leute, die wichtig für unsere Karriere sein könnten, kennen gelernt hatten, gingen Sebi und ich nach Hause.
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22.5.2007 von Nadine.
Bestimmt haben sich schon einige gefragt, wer eigentlich dieser ominöse Ralf ist, von dem in manchen Texten berichtet und zwischen manchen Zeilen gelesen wird.
„Was interessieren uns bitteschön die Ratschläge von Sebis Mutter?!“ ruft ihr, „und überhaupt, dass Nadine sich gerne als sentimentale Hysterikerin darstellt, wissen wir inzwischen auch. Aber who the fuck is Ralf?“ Ralf, das Mysterium.
Nein, Ralf ist kein imaginärer Freund, den Sebi und ich uns ausgedacht haben, um nicht wie zwei Freaks rüberzukommen, die auf die seltsame Idee kamen, einen Film zu drehen. Auch falsch ist die Annahme, dass Ralf nur ein postmodernes Konstrukt ist, damit ich hier einen selbstreflexiven Text verfassen kann. Drittens ist Ralf auch kein verhuschtes Wesen, das keinen Kontakt zur Öffentlichkeit haben will, zumindest mache ich euch jetzt, ohne Ralf vorher zu fragen, einmal bekannt. Nicht, dass sich noch irgendjemand beschwert, dass Sebi und ich immer so tun würden, als wäre da dieser Ralf und als wäre der auch noch total funky, aber niemand dürfe Genaueres über seine Identität erfahren.
Deshalb bestätige ich an dieser Stelle: Ja, Ralf gibt es wirklich. Und Ralf ist ziemlich funky. Er kam bisher nur noch nicht dazu, etwas zu schreiben. Deshalb starte ich noch mal den Aufruf: Ralfi, schreib mal, was dein Herz zu unserem Film sagt!
Man munkelt, ihm sei bisher noch nichts eingefallen, doch meine sicheren Quellen haben da eine ganz andere Vermutung:
Ralf ist der einzige, der momentan dazu fähig ist, eine Beziehung zu führen. Deshalb sitzt er abends nicht alleine vor seinem Computer, dreht Däumchen und beschließt irgendwann am Tiefpunkt seines Weltschmerzes, einen Blogtext zu schreiben, sondern macht es sich mit seiner Freundin in der Hollywoodschaukel mit leckeren Driver-Cocktails gemütlich.
Zum Glück halte ich Sebi für ein Mamakind und er mich für eine sentimentale Hysterikerin.
Sonst könntet ihr hier gar keine tollen Beiträge lesen.
Soviel Selbstreflexivität, Sexappeal und Funk für heute.
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20.5.2007 von Nadine.
Gestern haben Sebi und ich den Drehplan gemacht. Dabei lache ich Sebi immer aus, weil er sich extra die Fuzzelcheck- Software gekauft hat und ich behaupte, dass man so eine Liste auch ganz leicht in Excel erstellen könne. “Ach ja, wie denn?” fragt Sebi. “Sag ich nicht”, sage ich, “mit so Programmierzeugs jedenfalls.” “Ahja.”
Auch wenn dieser Pathos in jedem Beitrag erscheint: Wenn man sich den Drehplan anschaut, wird das Ganze schon realer. Drehplan hat nichts mehr zu tun mit: “Hm, ja, vielleicht könnten wir ja noch… und überhaupt möglicherweise… aber das können wir ja demnächst irgendwann mal besprechen oder so.” Drehplan, das bedeutet: Fakten, Fakten, Fakten.
Wie viele Szenen müssen wir am Tag drehen? 3,9. Wie viele Minuten? 4. Wer ist an welchen Tagen da? Sebi, Ralf und Nadine an allen. (Nadine muss auf jeden Fall da sein, weil sie jeden Tag die Bierbänke aufbauen muss.) Es ist halt einfach, auf diesen Plänen stehen jetzt schon die Zeiten drauf, wann wir welchen Schauspieler abholen und wann er in die Maske muss und wann es Essen gibt und was es zu Essen gibt. Das bedeutet, wir müssen das nur noch eintragen und dann steht das da und dann passiert das da!
Letztens, als ich eine meiner kleinen Sinnkrisen hatte, war Sebi da mit einem seiner rührenden Pladoyers. “Du musst für die Sache hundert Prozent geben, denn das ist echt eine Verantwortung, die wir tragen, wenn uns so viele Leute unterstützen”, hat er gesagt. Und auch wenn ich ihm nicht gesagt habe, dass er Recht hat, weil ich aus Prinzip nie zugebe, wenn er Recht hat, hat er schon Recht. Das denke ich zumindest, wenn ich den Drehplan anschaue mit den vielen leeren Kästchen, in die wir die Leute eintragen, die dann die Schauspieler abholen werden und die Schauspieler, die in die Maske gehen werden und die Maskenbildner, die dann die Maske machen werden. Für unseren Film.
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13.5.2007 von Nadine.
Eigentlich hatte ich eine DinA4-Seite vorbereitet, auf der alles stand, was ich sagen könnte. Es gab wie bei diesen Psycho-Tests in der Bravo Girl früher je nach Reaktion verschiedene Abzweigungen, die ich einschlagen konnte, je nach dem, wie das Gespräch verlief. Dann hatte ich aber wieder mal eine meiner Selbstbewusstseinsinseln inmitten den Ozeanen von Unsicherheit und schnappte mir einfach so das Telefon.
Das Gespräch war super! “Ach, was soll man denn sagen, wenn einen so eine nette Stimme anruft?” sagte Michael. “Ja”, antwortete ich auf der Palmenspitze meiner Selbstbewusstseinsinsel sitzend (und ne Sonnenbrille hatte ich sogar auch noch auf), “Sebi und Ralf wollten auch unbedingt, dass ich anrufe.” “Ja, das sind ja auch schlaue kölsche Jungs…”
Und weil das wirkliche schlaue kölsche Jungs sind, kam es dazu, dass wir einen unserer Lieblingsschauspieler wieder zurückbekamen! Juhuu!
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11.5.2007 von Nadine.
Manchmal habe ich Angst, dass der Film zu sehr mein Leben bestimmt, wenn ich jemand Neuen kennen lerne und viel zu schnell davon erzähle, dass ich einen Film drehe oder wenn ich nach einem langen Tag in meinem Zimmer bin, “Clocks” höre und merke, dass ich wieder mal nur über den Film nachdenke. Manchmal glaube ich, dass ich mein Leben zu sehr auf den Film ausrichte, wenn ich mal wieder einen Tag an der Uni ausfallen lassen habe, weil wir Termine haben oder wenn ich wegen einer kurzfristigen Änderung umsonst durch den Regen nach Hause geradelt bin und ein Treffen mit einem Freund abgesagt habe. Manchmal habe ich das Gefühl, dass ich für den Film über zu viele Schatten springen muss, wenn ich Herzklopfen habe, bevor ich fremde Leute anrufe, die uns sponsern sollen, stattdessen aber den Hörer aufknallen oder wenn ich meine Texte unserem strengen Dozenten geben muss, der das kritisieren wird, was ich geschrieben habe.
Und trotzdem würde ich keine Sekunde zögern, wenn Ralf und Sebi mich fragen würden, ob wir den Film machen sollen oder nicht. Ich würde hinaus laufen auf ein freies Feld Weizen, das sich vor dem blauschwarzen Horizont gelb abzeichnet und leicht im Wind wogt. Da würde ich stehen inmitten dem Weizen und würde schreien: Ja, ja, ja! Weil ich immer wieder alle Kreativität, die ich besitze, aufschreiben wollte. Ich schreib sie auf, ich schreib sie auf, ich schreib sie raus. Und weil ich immer wieder einen besten Freund haben wollte wie Sebi. Und wir alle zusammen das machen können. Und weil ich die ganzen Menschen kennen lernen wollte, die davon erzählen, was sie in ihrem Leben machen, von dem wir nur eines haben, die ganzen Künstler, die aussprechen, um was es geht, und dabei rauchen und sich durch die Haare fahren. Weil ich weiß, dass es das ist, was ich immer wollte. Und so würde ich schreien: Ja, ja, ja! Und die Wolken am blauschwarzen Himmel würden brechen und würden auf mich regnen und im Hintergrund würde “Clocks” spielen und ich würde endlich begreifen, dass das alles ein Film ist.
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7.5.2007 von Nadine.
Sebi, hättest du mich heute angerufen, dann hätte ich dir tatsächlich gesagt, dass der Film schrecklich wird. Die Vorzeichen standen schlecht: Der erste Regen seit Wochen, der Platten an meinem vorderen Fahrradreifen und das sonst so befriedigende Geräusch einer eintreffenden E-Mail, das heute etwas Bedrohliches an sich hatte. Ich finde, heute hat unser Projekt seinen bisher größten Rückschlag erlebt, (schlimmer noch als der Rückschlag, der uns ereilte, als wir die Absage für die 4.000€-Unterstützung erhielten), denn heute hat uns einer unserer liebsten Schauspieler abgesagt.
Als wir ihn beim Casting kennen lernten, machten wir vor Freude Purzelbäume durch Schloss Wahn, weil er seine Rolle so cool interpretierte. Als er abends noch mit uns einen trinken war und Geschichten aus seinem Leben erzählte, konnten wir nicht glauben, dass so ein cooler Typ Lust hatte, mit uns rumzuhängen, und als wir erfuhren, dass er sich nur für unser Casting ein Wochenende in Köln herumtrieb (dabei sogar auf der FALSCHEN Rheinseite nächtigte), beschlossen wir, dass es nicht nötig sei, einen anderen Schauspieler für die Rolle zu casten.
Ich weiß nicht, wie es jetzt beim Dreh werden soll. Ob die Mädchen seine Bauchmuskeln vermissen werden und die Jungs das Armdrücken, das sie nach Drehschluss veranstaltet hätten? Sebi, Ralf und ich werden ihn auf jeden Fall vermissen. Seine Angewohnheit, in jeder Szene zu rauchen, obwohl er das schrecklich findet, die Konsequenz, mit der er sagte: „Wenn ihr jemals eine Rolle bei ebay versteigert, bin ich raus“, und die Anschlussfehler, die er einbauen wollte, falls er merkte, dass der Regisseur am Set unaufmerksam sei. Vor allem aber werden wir ihn vermissen, weil er eine große Bereicherung für unseren Film gewesen wäre, wir sofort das Gefühl hatten, super mit ihm zusammenarbeiten zu können, und weil er uns sogar mit seiner Absage eineinhalb Seiten gute Tipps für unser Drehbuch mitschickte. Der Dreh wird ohne Michael nicht derselbe sein.
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6.5.2007 von Nadine.
Florian Donner von Henkelsfallersleben sagt ja, dass er nach fünf Jahren keine Lust mehr auf seinen Film und dessen Thematik habe. Er nimmt jetzt glaub erstmal Urlaub von der DDR und der Stasi und Ulrich Mühes merkwürdiger Jacke. Ich möchte ihm nun zur Wahl der Thematik seines Filmes gratulieren, denn von dieser Abstand zu nehmen, ist nicht gerade eine der schwierigsten Übungen. Die DDR ist (außer bei Daniel Brühls Mama) Geschichte, die Stasi-Leute sind doch bestimmt auch schon alle tot und Ulrich Mühes Jacke, ich hoffe, die haben sie nach dem Dreh in den Altkleidersack geschmissen. Dustin, der Bekannte von Sebi, der “Rolltreppe abwärts” gemacht hat, kann keine Rolltreppen mehr sehen. Die normale Treppe daneben zu benutzen, ist aber auch nicht so schlimm. Und Peter Jackson, der ist halt ein Freak.
Weitere Filmemacher, die sich leicht von ihrem Filmstoff distanzieren können: Ridley Scott von “Alien”, denn es ist irgendwie unrealistisch, dass man in einem Raumschiff landet, in dem keine Schwerelosigkeit herrscht, Roland Emmerich von “Independence Day”, weil wenn sowas passiert, hat man andere Probleme, als sich darüber aufzuregen, dass man das schon aus seinem Film kennt, und Pedro Almodóvar von “Hable con ella”, denn es passiert ziemlich selten, dass ein Mann mit einem Hut in eine Frau reinläuft, ohne dass der Hut runterfällt
Filmemacher, die sich weniger leicht von ihrem Filmstoff distanzieren können: Ralf, Sebi und Nadine. Es sei denn, sie halten sich den Rest ihres Lebens von Häusern, normalen Menschen und Marihuana fern.
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