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2.8.2008 von Sebastian.
Für alle, die denken, “Ayuda” sei zu einem Rohrkrepierer geworden und ihr Erspartes beim nächsten Buchmacher darauf verwettet haben, dass der Film niemals fertig werde: Ich für meinen Teil würde niemals darauf wetten, dass irgendetwas bis zur Ewigkeit NICHT passiert, die Gewinnchancen sind dann sehr gering!
Für alle anderen, die gespannt auf jedes Informationströpfchen aus dem Taifun des Entstehungsprozesses warten, nun eine neue Episode aus der allseits beliebten Geschichte “Ayuda- oder wie ich ein Land in den Wahnsinn treibe!”.
In der vergangenen Woche war für “Ayuda”, und damit auch für uns ein wichtiges Datum: Spotting-Session stand auf dem Terminplan. Falls ihr nicht wisst, was genau damit gemeint ist, gibt es ein schlaues Buch, das Andi auch mir vorlegte. Schließlich sollte es eine erfolgreiche Spotting-Session werden, keine mittelmäßige. Ich lese also den Text durch, der zu meinem Unglück auf Englisch ist. Außer dem Wort Spotting-Session verstehe ich zwar nicht viel, ich nicke aber immer mal wieder wissend und gebe interessante Laute von mir. Danach bin ich so schlau wie vorher, aber es geht trotzdem los:
Ich sitze auf einem Sessel, hinter mir auf dem Bett chillen derweil Ralf und Nadine, die es sich mit allerlei Kissen gemütlich gemacht haben. Zu unserer rechten sitzt Andi, unser Komponist. Der ein oder andere kennt ihn, denn er war derjenige, der Christian Arndt in 15min Gitarre spielen beibringen sollte. Ein weiterer genialer Drehplankniff aus dem Hause footsteps. Nun, und das merke ich dann schnell, Spotting-Session macht Spaß! Während vorne der Film läuft trällert Andi ein paar Takte dazu. Entweder improvisiert, oder ein Stück aus den bereits 50 vorkomponierten Themen, die er für “Ayuda” angelegt hat. Mal ein bisschen Klavier, mal das gesamte Streichorchester der Wiener Oper. Eigentlich müssen wir drei uns nur einig sein, was wir wollen, Andi spielt das passende Lied dazu. Dass das schnell absurde Züge annehmen kann, wenn man sich im Wahn befindet, leuchtet ein: “Andi, kann man in dem Moment, in dem Hermann den Brief aufhebt, das Hermann-Thema in das Brief-Thema einfließen lassen?” “-Klar!” -gesagt, getan.
“Andi, kann man in dem Moment in dem Sammy die Limoflasche von Nora bekommt, das verknüpfte Nora-Limo-Thema in ein etwas desillusioniertes Sammy-Limo-Thema umwandeln?” “-Klar!” - gesagt, getan.
Musik ist eine herrliche Sprache.
Nora betritt Sammys unheimliches Zimmer. Andi hat da mal was vorbereitet. “Ach, wir haben vor ein paar Wochen mit dem SWR-Orchester was aufgezeichnet. Als wir noch 5 Minuten Zeit hatten, habe ich den Dirigenten gebeten, was auf die Szene zu improvisieren.” Nora betritt das Zimmer 60 Profimusiker beobachten die Szene auf der riesigen Leinwand im Studio und spielen ein paar Takte, während sich die Spannung steigert, drehen auch die Musiker richtig auf! Am Ende gibts ein Feuerwerk. Während sich der Komponist verrenkt, hauen die Musiker völlig rein. Inklusive dröhnenden Hörnern und E-Bass. Und das alles für “Ayuda”. Wie beim richtigen Film! Wie das genau funktioniert, weiß ich immer noch nicht. In einer kurzen Pause erlaubt mir Andi mal eine Taste an seinem Instrument zu drücken, um Verständnis zu schaffen sozusagen. Ich nutze die Gelegenheit, um mein frühkindheitliches Trauma der verpassten musikalischen Früherziehung aufzuarbeiten und drücke mutig, aber auch ein wenig ungewiss auf die Taste. Er erschallt Stille.
“Sebi, Du kannst echt gar nichts!” sagt Nadine dazu nur, ich schiebe es auf die verpasste musikalische Früherziehung. Andi weiß damit umzugehen und lobt mich: Er habe selten jemanden gesehen, der mit so viel Gefühl nichts spielen würde.
Das schlechte an der Geschichte: Ich bin mir nun völlig sicher, unmusikalisch zu sein. Die Szene von Nora im Gruselzimmer passt nun nichtmehr zum Film, und auch wenn Nadine weint, können wir die Musik wohl nicht verwenden.
Das gute an der Geschichte: Auch ohne das SWR-Orchester sind wir uns nun ein Stück sicherer: “Ayuda” wird ein richtiger cooler Film! Und das ist die Hauptsache…
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25.4.2008 von Sebastian.
Da das Warten ja bekanntlich eines der schwierigsten Dinge ist, die Vorfreude aber auch eine der schönsten Freuden sein kann, habe ich für alle treuen Fans ein kleines Bonbon hinterlegt. Viel Spaß.
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3.4.2008 von Sebastian.
Es ist ein Jammer, man kann es kaum mit ansehen, Tränen steigen hoch, sie zurückzuhalten fällt schwer, dann ein Schmerzensschrei und ich kann mich nicht mehr halten. Ich liege bei Aron im Wohnzimmer und weine bitterlich.
Schnitt - endlich.
Filme drehen ist emotional. Vielleicht deshalb, weil jedes einzelne Detail so schwierig ist. Jenny bastelt 15 Minuten an dem Sack, aus dem die Scheine rauspurzeln sollen, aber nicht das scheinähnliche Füllmaterial, Moritz bastelt 35 Minuten an der Kante für Marilyn, die zwar ihre Haare betonen soll, aber nicht den hässlichen Schatten auf die Wand werfen darf. Meine Mama bastelt 3 Wochen daran, ein leerstehendes Haus in ein bewohntes Haus zu verwandeln. Nadine, Ralf und ich basteln zwei Jahre daran, einen Film zu drehen.
Und was hat man letztlich in der Hand? - Einen Briefumschlag mit blauen Magnetbändern, das ist alles. Zehn blaue Bänder, das ist unser Film in einem Umschlag. Zwar ist das nicht irgendein Briefumschlag, er ist mit Bläschenfolie augelegt, trotzdem ist die Adresse auf dem Aufkleber vorne falsch, so geht die Rechnung erstmal an die KHM, anstatt an Footsteps. Und weder Bläschenfolie noch falscher Aufkleber beschützen Nadine davor, diesen Umschlag bei McDonalds zu vergessen.
“Ihre Tüte” - ruft uns die nette McDonalds- Frau hinterher. “Achja, beinahe vergessen, unser Film! Danke. Ach, und das ist ein Umschlag, trotzdem danke!” erwidern wir.
Unendliche Mühen konzentrieren sich in einem Briefumschlag. Im Grunde müsste der Umschlag glühen, oder zumindest so schwer sein, dass er bei Bodenkontakt sofort bis zum Erdmittelpunkt durchbrechen könnte, so wie das Material, das bei einer Supernova übrig bleibt. Man dürfte ihn eigentlich nur mit einer Handschelle am Handgelenk und einer weiteren über eine stabile Kette verbundenen Handschelle transportieren, die an der Bläschenfolie befestigt ist. Der Schlüssel würde vorher per Geldtransporter an den geheimen Bestimmungsort geschickt, und dieser würde bis kurz vor den vorher unbekannten Zeitpunkt ständig zufällig wechseln. Stattdessen frage ich meine Mutter, ob sie einen Umschlag mit blauen Bändern gesehen habe, der auf dem Schreibtisch da unten lag. Ob es wichtig sei, fragt sie etwas gelangweilt. “Nö…” antworte ich, es wären nur die Filmbänder. Dann sei ja gut.
In der Postproduction wird plözlich alles klein.
Und letztlich merken Aron und ich, dass die eine Einstellung, für die Jenny 15 min geklebt, Moritz 35 min gebaut und meine Mama 3 Wochen renoviert hat, eigentlich unnötig, sogar störend ist. Unerhört. Die Einstellung, wegen der der Drehtag zu spät endete, so dass der nächste Drehtag zu spät begann, so dass wir die andere Szene nicht mehr schafften, so dass wir dachten, den Film nicht fertig zu bekommen, an dem wir zwei Jahre gearbeitet hatten.
Und das ist dann zu viel für mein nah am Wasser gebautes, schwaches Herz.
Filme drehen ist emotional, schneiden ist kühl. Aber manchmal erfrischt diese kühle Brise mehr, als sie uns frösteln lässt. Denn eines ist Schnitt auch, entspannt… - endlich.
Sebi genießt die milde Brise.
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24.3.2008 von Sebastian.
Freitag 14. März; Drehbeginn: 10:00h - Drehende: 22:30h
Höhepunkt: Am ersten Drehtag direkt mit der besten Szene des Drehs zu beginnen, mag motivationstechnisch gesehen unklug sein, immerhin will man sich im Laufe der Zeit steigern, cool ist es dennoch! So fuhren wir direkt als aller erstes zum “Freeway”, eine ca. 2km langen geraden Straße hinter Hausen, um ein Polizeiauto mit 80 Sachen 15cm an der Kamera vorbei zu lenken. Moritz ruft immer: “Geht’s noch ein bisschen dichter?” Ich versuche derweil Anweisungen an das wegen Straßensperrungen im ganzen Umland verteilte Team zu geben, ohne Funkgerät, die Batterien liegen noch in Kirchwald. Erster Dehtag eben. Und dennoch, das Polizeiauto fährt mit Blaulicht und aus dem Fenster wehenden Geldscheinen 10 cm an der Kamera vorbei. Und die Zweifel flogen den Geldscheinen gleich über das nasse Feld. “Ayuda” war zurück!
Tiefpunkt: Als wir am Abend zu unserem Motiv am Laacher See kommen, gelingt es über 2 Stunden lang nicht, den Strom aus der Fischerhütte am Laufen zu halten. Zwischen Kabelwust und unzähligen steckenden und absteckenden Händen ist der Überblick mittlerweile völlig verloren gegangen. Gerade als wie die Feuerwehr überreden wollen, einen mitternächtliche Übung mit dem Stromgenerator zu veranlassen, findet der Motivbesitzer einen 32-Ampere Anschluss im 3×3 Meter großen Abstellschuppen. Ab da kann der Dreh beginnen und noch viel wichtiger, die Maske hat Licht. Dann vergessen wir zwar vor lauter Aufregung unserem Marilyn Double die Tasche in die Hand zu drücken, die sie im Anschluss ausleeren soll, aber die Fahrt über den Steg mit den angelegten Booten ist trotzdem klasse.
Samstag, 15. März; Drehbeginn: 10:00 - Drehschluss: 3:30h
Höhepunkt: Samstag, das sollte der Hammertag werden, das wissen wir. Immerhin haben wir nur einen Tag Zeit um alle Szenen mit Emily und Nicholas abzudrehen, und das sind viele. Nachdem wir den gesamten Vormittag in der Stadt verbringen, müssen wir noch ins Spielzimmer und drehen da noch etwa 10 Stunden weiter. Der tollste Moment des Tages ist eine Einstellung, die ich hier nicht verraten werde, da sie die Auflösung des Films vorwegnehmen würde. Für alle, die sich dennoch dafür interessieren, empfehle ich einen Blick in den Kölner Stadtanzeiger, dort hat Kurt im Interview nämlich nicht nur kräftig Werbung für Ayuda gemacht, sondern das Ende gleich mitveraten.
Tiefpunkt: Nadine rastet aus, als ich beschließe nach Abschluss der eigentlichen Arbeiten noch drei Details zu drehen, mir ist das egal, die Details werden gedreht und drei Kabel sind nachher durch bloße Wut so verwurschtelt, dass die Beleuchter noch ne Weile länger bleiben müssen. Nadine ist jetzt doppelt sauer, weil ich das ja irgendwie auch schuld wäre.
Sonntag, 16. März; Drehbeginn: 13:00 - Drehschluss: 4:00h
Höhepunkt: Wir frühstücken alle bei Oma, unsere letzte Hoffnung und Geheimwaffe zugleich, um Beleuchter Stefan doch noch bis Ende des Drehs zu halten. Hm, es gibt leckere Sachen, alles, was das Herz begehrt. Die Techniker rund um Mitch freuen sich, dass es echtes Eifeler Schwarzbrot gibt. Die Mett-Igel sind auch beliebt. Nadine ist sauer, weil es keine Brötchen gibt. Ich erkläre ihr, dass Sonntag ist, und dass es ja nicht so schlimm ist, einmal während des Drehs Brot zu essen. Nadine hat kein Verständnis dafür. Sie droht damit, die Rechte für ihr Buch nachträglich zu entziehen. Eigentlicher Höhepunkt sind aber unsere beiden Marilyns an diesem Tag, denn heute sehen wir die beiden zum ersten Mal zusammen, Joyce und ihr Double Sibel. Da Joyce den Fuß gebrochen hat, kann sie immer nur ins Bild reingleiten, alles andere muss Sibel erledigen. Direkt beim Frühstück gibts die erste Verwechslung: Vegetarierin Joyce isst einen Mett-Igel, weil sie sich selbst mit Sibel verwechselt hat.
Tiefpunkt: Nachdem der Tag super läuft stellen wir am Abend fest, dass zwar alles eingeleuchtet, vorbereitet aufgelöst und bereit ist, die Schauspielerin für dieses Bild aber nicht gekommen ist. Da Sibel mittlerweile ihren Schönheitsschlaf macht, wollen wir Ralf ins rote Kleid stecken. Als uns auffällt, dass das Seil mit dem hängenden Ralf keine rechte Spannung aufbaut, muss Nadine ins rote Kleid steigen und doubelt für diese Szene die fehlende Darstellerin, mal wieder. Da wir alle mittlerweile ganz geblendet sind vom Gegenlicht, das Moritz setzt, um das Gesicht unkenntlich zu lassen, gelingt es Beleuchter Stefan O. sich unbemerkt davon zu schleichen.
Montag, 17. März; Drehbeginn: 13:00 - Drehschluss: 2:00h
Höhepunkt: Beim Dreh vor der Sparkasse in Mayen werde ich von einem Passanten um ein Autogramm gebeten. Auch wenn er mich zunächst für einen Tontechniker hält, und erst nach einer Korrektur der Tätigkeitsbeschreibung meinerseits auf diese famose Idee kommt, freue ich mich sehr. Während ich im Ruhm bade, fällt mir leider nicht auf, dass Joyce mit ihrem gebrochenen Fuß die waghalsige und überstürtzte Flucht aus der Bank nicht gut rüberbringt. Zu wenig wandlungsfähig! Nadine fällt das zwar auf, sagt aber nichts. Sie ist sauer, weil sie nie für einen Tontechniker gehalten wird.
Tiefpunkt: Wegen der ganzen Doubelei verwechselt Joyces Begleiterin Susi sich selbst mit Kamilla und gibt dieser ihre Handtasche mit. Als später auffällt dass darin Schlüssen, Handy und Überlebensföhn sind, muss kurz ein Drehstopp eingelegt werden. Wir beschließen schnell, die Handtasche zu doublen, Moritz setzt Gegenlicht und Jenny schmuggelt in einem unbemerkten Moment einen Stein ähnlicher Größe in Susis Hand. Alle sind glücklich, der Drehtag endet gut.
Dienstag, 18. März; Drehbeginn: 09:00 - Drehschluss: 2:00h
Höhepunkt: Sibel wird aufgehängt. Da wir noch Marilyns Füße filmen müssen, Joyce’s Fuß aber gerade unpässlich ist, wird Sibel in die Harnes-Weste gehangen. Sie freut sich so sehr darüber, dass sie die vier Tage frieren im Minirock und den verpassten Geburtstag ihres Freundes locker verzeiht. Christian Arndt ist auch wieder da. Außerdem Marco, Kamilla und Lea, es ist fast wie ein Klassentreffen. Nur, dass alle andere Frisuren haben. Obwohl das bei Klassentreffen ja auch vorkommt. Gut, dass wir die mit ihnen gemachten Nahaufnahmen direkt in den Anschluss der alten Szenen schneiden wollen. Nadine hat die Idee, dass wir den Film nur männlichem Publikum zeigen sollten, denen fallen Änderungen im Zusammenhang mit Haaren nämlich statistisch seltener auf.
Tiefpunkt: Um 2:00h ist alles vorbei. Wir fallen uns freudig in die Arme. Und doch endet “Ayuda” hier, zumindest für die meisten. Außer Nadine, Ralf und mir findet das zwar eigentlich niemand traurig, aber wir reden uns ein, dass die anderen das nur nicht so gut ausdrücken können. Die Sprechchöre “Nie wieder Ayuda!” deuten wir ebenfalls als Ausdruck des Bedauerns. Als dann um 2:07h die letzten Gäste das Abschlussfest verlassen, sitzen wir traurig aber auch sehr stolz auf einem Stuhl.
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29.2.2008 von Sebastian.
“Bescheidenheit ist eine Tugend. -Meine!”
Und so sieht es hier im Moment hier bei uns aus. Die Sparkasse ruft “Juchee!” wenn wir ankündigen einen Raubüberfall inszenieren zu wollen. Die Polizei sei ja direkt gegenüber und deshalb habe man keine Angst, erwidert die freundliche Filialleiterinnenstimme in amüsiertem Tonfall. Ich bin enttäuscht, dass die Filiale in einer Fußgängerzone liegt und wir deshalb den Fluchtwagen nur im Schritttempo wegfahren lassen können.
“Ja stimmt! Die Pokerchips sind wirklich hässlich. Kauft ein paar schöne, ich bezahl sie euch!” antwortet der freundliche Spielhöllenbesitzer, dessen kaum genutzte Pokertische natürlich von uns genutzt werden dürfen, auf mein enttäuschtes Geräusch, als er mir die Pokerchips des Hauses zeigt. Dann schaltet er das Licht aus, nicht ohne zu bemerken, dass wir das Kabel von seinem Starkstromanschluss zu unseren energiehungrigen Lampen ruhig mitten durch den Laden legen können, seine Kunden seien so was gewöhnt.
Unser freundlicher Filmmaterialhändler macht uns das zweitbeste Angebot, das Studenten je bekommen haben, ein bisschen enttäuscht erkenne ich zwar, dass wir das beste ja schon im Sommer bekommen haben, aber das wäre ja sicher noch zu toppen gewesen. Als Wiedergutmachung will er deshalb ein gutes Wort beim Kopierwerk für uns einlegen.
Ich hoffe sehr, dass die nächste Woche etwas besser läuft. Immerhin bin ich im Dunkeln gegen einen Spielautomaten gestoßen. Das hat wehgetan. Gut, habe damit den Jackpot geknackt, aber wie gesagt: Nächste Woche wird bestimmt wieder besser!
Das Tontier- nicht zu verwechseln mit dem Tonmenschen. Ebenfalls bescheiden!
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5.2.2008 von Sebastian.
Heute war eigentlich ein ziemlich guter Tag. Nachdem ich heute morgen aufgestanden bin, habe ich alle Ayuda-Sachen erledigt, die sich in den letzten Tagen angestaut hatten. Und über Karneval können das mal eine ganze Menge sein. Es gibt zwar einige neue Probleme, aber auch die werden wir noch lösen können. Jaja, ihr merkt schon, dass ihr hier ganz offensichtlich ausgenutzt werdet. Blabla, uninteressantes Gelabere, das er da von sich gibt. Ja, ich gestehe, ich benutze euch heute: Denn bei allem Schaffen, das man so treibt, und all den Dingen die man endlich auf der endlosen Liste durchstreichen kann, fehlt doch eines: sozialer Kontakt. Einen Tag nur vor dem Bildschirm zu verbringen, hat manchmal und für manche seinen Reiz, mich macht es immer melancholisch. Und da Nadine, sozialer Kontakt, Melancholie-Blocker und engagierter Mitstreiter in einer Person am Montmartre sitzt, seid ihr es heute, die mir den Hauch von sozialer Nähe spenden müsst. Dabei seid ihr nicht mal schlecht darin. Denn ich sehe euch da schaffen und lesen, ihre treue Leserschaft. Die, die einem noch bleiben, an einem immer dunkler werdenden Abend, wie heute. Ach!
Ihr da alle, ich danke euch heute, für eure Treue, die ihr dem Blog schon seit so langer Zeit haltet, und dass obwohl die Qualität und auch die Quantität so schwanken. Und heute danke ich euch im besonderen auch für den sozialen Kontakt, den ihr mir heute gegeben habt. Bis bald, bin aufgeladen und muss weiter machen!
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25.1.2008 von Sebastian.
So langsam kommen die Motoren in Schwung, volle Kraft vorraus! Der Nachdreh naht…
Woran man das merkt?
‘An den vielen Blogeinträgen’ rufen die humanoiden Fans des Blogs, die gerade von ihrer wilden Demo zurückgekehrt sind. Während Bene noch ein paar Striche an der Zeichnung korrigiert, die er sich frisch ausgedruckt hat, um sie mit den entscheidenden Details zu ergänzen, übt Toni schonmal dieses berühmte Schnalzen, das zwar seitdem alle zu imitieren versuchen, es aber höchstens zu einem läpischen Zungenschnipsen bringen. Stefan hat derweil seiner Frau alle Blogeinträge als Hörbuch auf CD gebrannt, und verbringt die nun gewonnen freien Abende in diversen Stripclubs und begeistert die Mädels mit seinem Schraubenzieher aus der Seitentasche.
‘Daran, dass unsere Lieblingsschauspieler einen vollen Terminkalender haben, und nicht mehr ans Telefon gehen’ stöhnt Nadine auf französisch, während sie erneut versucht Jonas’ Skiurlaub, Katrins neue Hauptrolle und Joyces Engagement in München unter einen Hut zu bringen. Dass Nadine als Einzige keine Zeit hat und ihre geliebte Uni ausfallen lassen muss, wurde nicht berücksichtigt, da sie das ebenfalls auf französisch anmerkte. Und das versteht hier niemand.
‘Daran, dass Sebi mal wieder eine Erneuerung der Homepage will’ ruft Ralf aus Karlsruhe und verschlabbert dabei seinen Drivercocktail mit ganzen Fruchstücken. Zum Glück kann sein mittlerweile verbesserter Roboter innerhalb von 14,43 Sekunden einen neuen Cocktail mixen, den Schalter für den Aufzug verfehlt er allerdings um Haaresbreite, so dass Ralf nun zwei Cocktailpfützen aufwischen muss.
‘Nein!’ sage ich selbst, während ich einen selbstreflexiven Blogeintrag schreibe. Es sind die Träume, die mich seit gestern wieder jede Nacht begleiten. Ein Traum vom Dreh, unvorbereitet, ohne Essen, ohne Kamera, ohne Drehbuch, mit nörgelndem Team und das ganze kurz vor Sonnenuntergang. Ein Traum, den jeder Filmemacher kennt. Und der bis zum Dreh bleiben wird. Und der uns eigentlich nur eines sagen will: ‘Es geht wieder los!’
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23.1.2008 von Sebastian.
Heute war ein guter Tag. Wir waren von Morgens bis Abends in Düsseldorf bei Aron, unserem Cutter. Wir haben tolle Szenen geschnitten, und tolle Szenen gesehen und uns toll verstanden und tolle Ideen gehabt. Von einer dieser Ideen möchte ich erzählen: Es ist die “Gruselzimmer-Idee”.
Beim Schneiden hat man ein Problem: eigentlich muss man den Film schneiden, und dann, wenn er fertig ist, herausfinden, was an welcher Stelle noch fehlt. Leider kann man den Film nie fertig schneiden, weil an einigen Stellen noch etwas fehlt, so fällt es auch schwer herauszufinden, was das ist, und an welchen Stellen.
So zum Beispiel bei der Musik. Da man beim Schnitt noch keine Musik hat (man findet ja erst raus, wo man welche braucht) kommt man nicht recht in die Stimmung, die man aber braucht, um sich für Musik zu entscheiden. Filmemacher und Cutter arbeiten deshalb seit jeher mit einem Trick, dem sogenannten “temp track”. Dieser besteht aus bereits bekannter Musik, die einfach mal drauf gelegt wird, um ein Gefühl für die Stimmung der Szene zu bekommen, nach der der Komponist dann seine Musik ausrichten kann. Die meisten Filmemacher verlieben sich recht schnell in ihre “TempTracks” und wollen ganz ähnliche Musik, oder direkt den “TempTrack” behalten. Und da wir großen Filmemachern in allen Bereichen nachstreben, sind auch wir in unseren “TempTrack” verliebt. Oder besser gesagt in ein Stück des Tracks, eben das, das die Szene im “Gruselzimmer” untermalt.
Es ist so ein Stück mit einem tollen Kinderchor und coolem Klavier. Da weder Nadine (Musikkennerin), noch ich (Gesangstalent) , noch Aron (generell schlau) das Stück oder den Chor kannten, war schnell klar: das muss ein kleinerer Schulchor sein, vielleicht eine nahe Grundschule, offenbar sogar in Deutschland, denn es gibt auch ein deutsches Lied von diesem Chor: Rammsteins “Engel”. Das wird leicht, dachte sich das aufstrebende Jungteam. Denn Grundschüler, die Rammstein hören, werden froh sein, ein Lied in unserem Film positionieren zu dürfen, und das gratis!
Mittlerweile haben wir herausgefunden, der Chor heißt “Scala”, die deutsche Grundschule wird von 60 Mädchen im Alter von 14-18 Jahren besucht und liegt in Belgien und sein Schulchor ist nebenbei der erfolgreichste Mädchenchor der Welt.
Naja, vielleicht sollten wir lieber Hans Zimmer fragen, ob er uns was für “Ayuda” schreibt, der spricht nämlich wenigstens deutsch.
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6.1.2008 von Sebastian.
1.Dinge, die mir gefallen, gefallen Nadine nicht.
2.Dinge, die Nadine gefallen, gibt es nicht.
3.Ralf ist entweder meiner Meinung, oder der von Nadine.
Wer nun die Frage nach Einigungsmöglichkeiten als “Dilemma” beschreiben würde, hat entweder einen Logikschein oder ist ein lügender Kretaer. Ich beschreibe sie lieber als tägliche Ausgangssituation in unserer Filmproduktion, die meistens dazu führt, dass Ralf genervt den Raum verlässt, Nadine weint, bis sie ihren Willen bekommt, oder der Regisseur mit einer pathetischen Rede die Situation zu retten versucht. Nichts davon hat jemals wirklich zur Lösung eines Problems beigetragen. Und so sind wir uns wiedermal in nichts einig. Angefangen vom Drehtermin bis hin zum Abspannlied.
Nicht müde werdend versuche ich dennoch die drei Triolanten im Triell zu versöhnen und die Variablen der Trinomischen Gleichung aufzulösen.
Dieser Umstand führt also dazu, dass einige Fragen, die wegen o.g. Unmöglichkeit der Klärung zunächst verschoben wurden; stets in der Hoffnung, dass entweder jemand von uns stirbt und damit die Logikfalle entschärft werden könnte (wahrscheinlich) oder sich doch jemand der Meinung der anderen anschließt (unwahrscheinlich).
Aktuell stellt sich da gerade die völlig überbewertete Frage des Filmtitels. Während der ganz frühen Vorbereitung kam es nämlich zu einer Besonderheit, einer kleinen pragmatisch orientierten Umgehung des Dilemmas, ohne die wir wohl nie hätten beginnen können, die ihre Auswirkungen nun aber deutlicher denn je zeigt. Ralf und ich hatten in einem unbeobachteten Moment einen Schriftzug mit dem Inhalt “Ayuda” ins Spiel gebracht. Und so hieß der Film dann auch. “Ayuda”. Ganz schnell, ganz einfach, das war dann halt so. Und Nadine weinte lange.
Nun sind die Diskussionen hitzig, die Temperatur steigt. Die Positionen stellen sich wie folgt dar:
Der Arbeitstitel des Film ist “Ayuda”.
a) Ich möchte entweder “Ayuda” als Titel (a1),
oder einen Titel, der besonders lang ist (mindestens 4 Wörter) (a2).
b) Nadine möchte,
wenn a1), dann einen Titel, in dem “Ayuda” nicht vorkommt. (b1)
wenn a2), dann einen Titel, der nicht so besonders lang ist. (b2)
c) Ralf möchte entweder (a1 und a2) oder (b1 und b2) oder beides oder nichts davon.
Recht knifflig, will man meinen. Aber dank meiner logischen Grundausbildung war es mir ein Leichtes das Rätsel zu lösen. Noch besser: Dem ersten von euch, der eine Lösung für das Problem findet, winkt als Belohnung eine Top-Trailer-DVD.
Also, Hirne einschalten und loslogiken!
Achja, ich überlege, ob es nicht vielleicht klüger wäre den Film “Dem Film, der als erster alle Kritiker weltweit überzeugen konnte” zu nennen, dann können wir wenigstens beim nächsten Film draufschreiben:
“Von den Machern von ‘dem Film, der als erster alle Kritiker weltweit überzeugen konnte’”
Aber ob sich das logisch vereinbaren ließe, wage ich noch zu bezweifeln.
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6.11.2007 von Sebastian.
“Wow, wir haben uns so lange nicht gesehen!” “Und, wie läuft’s?” “Was macht die Liebe?” “Alles Roger in Kambodscha?” “Du hier, und nicht in Hollywood?”
Man kennt das, alte Freunde wieder zu treffen, das kann anstrengend sein. Vor allem wenn die Freunde wirklich alt sind und die nicht gemeinsam erlebten Geschichten lang.
“Wir können ja dann mal ein Bier zusammen trinken gehen.” “Hey, gib mal Deine Nummer. Man kann sich ja demnächst anrufen…”
So laufen wohl die meisten Wiedersehensfreuden ab, und nichts bleibt als ein weiterer belegter Speicherplatz im Telefonbuch unter unbekanntem Namen.
Aber es gibt auch diese anderen Treffen, diese, die ganz unvorhersehbar eintreten. Dieser Blick, das magische Leuchten um den anderen und die Zeitlupe, die sofort das Leben um einen erfasst, während man auf sich zu tritt. Und man versteht sich, lacht und spaßt, obwohl man sich vielleicht Jahre nicht gesehen hat. Und man trinkt zusammen Bier, noch am selben Abend, und vergisst die Nummern auszutauschen, weil es so viel zu erzählen gibt.
Ihr glaubt vielleicht nicht an diese zweite Sorte, aber Nadine und ich trafen so einen Freund am Samstag. Wir haben gelacht und getanzt, alte Geschichten erzählt, ohne uns zu langweilen. Wir haben Bier getrunken und auch ein bisschen Schnaps. Und obwohl wir in der Zwischenzeit viel aneinander gedacht hatten, waren wir doch überrascht, wie cool unser Freund wirklich war. Mal witzig, mal ernst, mal irgendwo dazwischen, mal dezent, mal laut. Und immer noch verdammt gut aussehend.
Wir sind dann nach sechs Stunden wieder heim gefahren, haben uns aber für die Zukunft schon einige Male verabredet, werden wohl wieder mehr Zeit miteinander verbringen. Wie damals.
Achso, ihr kennt ihn übrigens auch, wir sollen euch alle nett grüßen, er freut sich, euch demnächst nochmal zu treffen, er ist nämlich ziemlich stolz, was aus ihm geworden ist, will sich aber noch ein bisschen fein machen. Bis dahin hängt er noch ne Weile bei unserem Cutter in Düsseldorf rum.
Ins Handy haben wir ihn auch eingespeichert. Unter “Ayuda”.
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