Sebi und Nadine auf der Berlinale Teil 1 - Sebi lernt wichtige Leute kennen

“Ayuda” ist ein großes Projekt und große Dinge kosten viel Geld, es sei denn sie sind Styropor. “Ayuda” kostet daher auch viel Geld und da Sebi und Nadine nicht so viel Geld haben, müssen sie immer wieder Leute finden, die ihnen Geld geben. Das ist nunmal so im Filmgeschäft. Eigentlich gibt es dafür ja auch Produzenten, die bei Filmstiftungen um Geld bitten, und die wirklich gut darin sind, so etwas zu organisieren. Die Beiden sind nicht so gut darin, und sie haben auch keinen Produzenten, deshalb bekommen sie auch von den Filmstiftungen kein Geld. Das einzige was Sebi und Nadine gut können, ist mit ihren jungen und großen Augen Leute überzeugen. Daher ist die Berlinale auch der ideale Ort, um dieses Talent auszuspielen, denn hier kann man mit Leuten reden, die Geld haben, oder hergeben möchten.

Daher haben sich die beiden auch einen perfiden Plan ausgedacht, wie man an solche Leute rankommen kann. Und zwar am besten auf Partys, da sind alle betrunken, und tanzen wild auf der Tanzfläche und wenn man mal bedenkt wie viele Kinder schon aus solchen Situationen entstanden sind, müsste doch auch der ein oder andere Film daraus entstehen können. (Darüberhinaus sind Kinder [da nicht aus Styropor] auch sehr teuer) Zum Glück hat Sebi eine Einladung zur großen “British Council Party” bekommen, und zwar von seinem Chef. Da dürfen nämlich nur die wichtigsten Leute hin und dazu zählen Sebi und Nadine noch nicht. Aber Sebis Chef und der hat die Einladung weitergegeben. Nun steht auf der Einladung in großen, britischen Lettern: “Strictly for one person only!!”, was Sebi und Nadine ungefähr so übersetzen “Striktlich für eine Person nur!!”, die beiden können nämlich ganz gut Englisch. Das bedeutet, dass Sebi auf dieser Party auf sich alleine gestellt sein wird, aber, und das folgert ja aus dieser Einladung, alle anderen werden auch alleine sein! Und das ist ja die beste Voraussetzung, um Kinder und Filme entstehen zu lassen!

Leider brauchen Sebi und Nadine so lange, um die richtige Abendgarderobe rauszusuchen (Sebi hat nur 2 Hosen und 2 Pullis dabei… es waren nur 10kg Gepäck erlaubt und der Laptop wiegt schon 3kg…), dass es schon ein recht fortgeschrittener Abend ist, als Sebi zur Bahn kommt. Zum noch größeren Unglück findet Sebi dort heraus, dass die “British Council Party” an einem Dienstag stattfindet und Dienstag die Bahnen nur bis halb eins fahren. Es ist halb zwölf, als Sebi am Veranstaltungsort erscheint. Viertel vor zwölf als er die Jacke an der Garderobe abgegeben hat. Zwölf als er ein Bier hat. Dann fällt ihm auf, dass er offenbar der einzige ist, der wusste was “strictly one person” bedeutet, denn auf der ganzen Party ist wirklich niemand alleine da. Hier wird zu viert getrunken, dort zu sechst getanzt, da drüben zu zehnt gequatscht, nur Sebi, der steht alleine mit seinem Bier. Naja, erstmal hinsetzen, und die Lage auschecken. Da fällt ihm ein Pärchen auf, das zwar nicht alleine ist, aber zumindest ähnlich hilfesuchend reinschaut. Sieht zwar nicht so aus, als hätten die viel Geld (der Kerl hat einen merkwürdigen Pulli an), aber vielleicht kennen die ja jemanden… aber erstmal ein neues Bier holen gehen. Als Sebi um viertel nach zwölf zurückkehrt stellt sich raus, weshalb die beiden so geguckt haben, sie haben ihre Freunde gesucht, denn jetzt stehen sie im großen Kreise und singen englische Lieder. Selbst der Junge mit dem merkwürdigen Pulli wirkt jetzt cool. Naja, erst nochmal hinsetzen und einen kräftigen Schluck trinken, das Bier ist immerhin frei hier. Ah, da erspäht Sebi mit seinen Adleraugen jemanden, der ebenfalls alleine an einem der zahlreichen Tische sitzt. Also trinkt er sein Bier leer, nimmt allen Mut zusammen und als er von der Theke zurückkommt (12:25h) sieht er auch warum der junge Mann alleine saß: Sein Kumpel war eine Runde Tequila holen. Und hoch die Tassen!

Sebi verabschiedet sich also von niemandem, hift niemandem in die Jacke, nimmt seine eigene und geht. Naja, vielleicht ist noch zu erwähnen, dass er die letzte Bahn zwar nicht verpasst, diese aber nach einer Station mit den netten Worten “Dieser Zug endet hier. Weit entfernt von Ihrem Zuhause!” stehenbleibt. Nach einer weiteren Stunde Nachtbus, Schneegestöber und einem Kilometer Dauerlauf kommt Sebi dann erschöpft, aber auch ein bisschen stolz bei Nadine an. “Und wie ist es gelaufen?” fragt sie. Aber da schläft er schon und träumt einen britischen Traum.

Live-Eintrag

Gerade auf unserem Lieblingssender VOX: Joyce kocht beim Promidinner, noch bis 22:40h.

Und schon vorbei. Joyce hat leider mit 22 Punkten den letzten Platz belegt, bloß weil es den Damen und Herren wohl in Joyces geliehener WG-Wohnung nicht gefallen hat. Und das obwohl unser Lieblingssender VOX  sich große Mühe gegeben hat,  das Lotter-WG-Leben unserer lieben Joyce als charmant-chaotisch darzustellen. Da werden schonmal Stühle aus dem Keller geholt, obwohl im Hintergrund ständig dieser schöne graue Plastikstuhl zu sehen ist. -> Spontan und verlottert!
Vom Stühle tragen ganz erschöpft wird schnell die Frisur gewechselt, und das gleich dreimal - klar, sind ja auch vier Stühle. -> Wild und verlottert!
Und dann muss Joyce auch noch das Salatdressing improvisieren. -> Vergesslich und verlottert.
Achja, falls ihr Joyce nicht kennt: Sie spielt in “Alarm für Cobra 11″ eine Episodenrolle, in “unter uns” hat sie vor einigen Jahren auch mal ein paar Tage gedreht und nicht zu vergessen wäre da noch “Dahoam is Dahoam” auf dem Bayerischen Rundfunk, alles nachzulesen in sich ständig wiederholenden Bauchbinden. “Ayuda”- ähh, nein! Da hat unser Lieblingssender wohl was vergessen. Gut, dass er dennoch Material mit Informationen, sowie einer Sendegenehmigung von Footsteps haben wollte, nur für alle Fälle. Hätte ja sein können, dass Joyces Gasherd leer gewesen wäre. Dann hätte man dumm da gestanden und die schlauen Spontanis bei VOX hätten schnell die Ayuda-DVD reingeschoben, als Apperitiv sozusagen, um direkt zur Hauptspeise weiterzuleiten.

Ja, dem deutschen Fernsehen geht es gut. Muss es gehen. 20:15h am Sonntag. Und dann über zweieinhalb Stunden lang. Leuten zusehen beim Kochen. Und natürlich zuhören beim Reden über Kochen. Gibt es auf der Welt etwas uninteressanteres als Kochen? Da sitzen vier halbwegs interessante Leute am Tisch, Leute die zumindest was zu erzählen hätten, ganz gleich ob interessant oder nicht, und man lässt sie 140 min darüber sprechen, ob jetzt das Schweinkotelett mit den Vollkornnudeln mithalten kann, oder ob der Chantre seine Lieblingsweinbrande ist. Man ist bei ihnen zu Hause (sofern das zu Hause unseren VOXies gefällt, sonst leiht man sich ein zu Hause und hängt seine T-Shirts an die Wand) und man sieht nur Küche, Pfannen, Töpfe und Servietten.

Liebe Joyce, Du warst wieder einmal zauberhaft. Und deine Fans werden Dich für diesen Auftritt lieben. Und dann wäre da ja auch noch Watson, der Hund von unserem Kameramann Moritz, den mittlerweile die ganze Republik kennt! (den Hund, nicht den Moritz) Auch zauberhaft. Ihr beiden wart cool. Ich selbst hatte sichtliche Mühe, diesen Fernsehabend ohne bleibende Schäden zu überstehen. Und so ziehe ich über diesem Abend das Resümee:

“Gelernt? Nee, gelernt habe ich hier nix. Ich bin immernoch genauso, wie ich vorher war und habe hier gemacht, was ich auch vorher schon konnte…”
(Joyce Ilg nach dem Promi-Dinner)

Sebis Patent

Alles ist wieder gut. Zumindest privat. Beruflich haben sich die Produzenten der neuen Perle des Independent-Kinos, “Ayuda”, jüngst eines der Glanzstücke unter ihren Fauxpässen geleistet. Endlich stand der Termin beim Skyscraper of Arthouse an, dem Chef von Soundvision, ein cooler Typ, der ungefähr alle deutschen Filme, die nicht doof sind, vertont, jemand der so ist, wie wir gerne sein wollen, zumindest später. Damit wir alle gut gelaunt sind, hat Sebi mir Cappuccino mitgebracht und Soundvision selbst gebackene Brownies, natürlich nicht von Sebi, der kann nur den Tarte au chocolat aus dem Rewe, sondern von Matthias, unserem engagierten Fahrer, der beim Nachdreh immer den leckeren Tee dabei hatte. An den erinnert ihr euch wahrscheinlich nicht, weil ich ihn immer weggetrunken hab, hatte Halsweh! Bis zu diesem Zeitpunkt lief übrigens alls gut.

Bei Soundvision könnten wir, wenn Dennis fertig ist mit dem Sounddesign, die Kinomischung machen, also einstellen, was im Kino von vorne und von hinten, rechts, links und dazwischen, (denn es sollen 8 verschiedene Positionen sein!) zu hören ist. Außerdem haben wir in der Firma auch den Foley-Raum gesehen, den Raum mit allen Geräuschen, die es auf der Welt gibt. Da könnte man zum Beispiel “gerade eben ist noch leichter Rauch aus der Pistole gekommen”, “Lisa malt sich Lippenstift neben die Lippen” oder “die Schaben neben der Zigarettenschachtel bewegen sich zwar nicht, atmen aber sehr laut” nachvertonen!

Wir haben uns gefreut, weil der Chef von Soundvision sich so viel Zeit genommen hat und weil er gesagt hat, er könnte uns helfen, sofern ihm der Film gefiele… Okay, deshalb hatten wir eher Angst, aber  da war trotzdem noch ein Hauch von Zuversicht bis zu jenem Moment, in dem der patente Sebi dann sein Patent auspackte. Seit einem Jahr schwärmt er mir vor, wie cool er doch wäre und wie er bald die Welt, zumindest aber doch die Medienwelt verändern würde durch die genialste Idee seit Marco vorgeschlagen hat, dass die Studenten ihn in den Keller sperren sollten, nämlich… tadaaa… Mini-DVDs! Darauf, so plant Sebi ebenfalls seit einem Jahr, könnte er dann die Schauspiel-Demos, die wir irgendwann mal noch für alle möglichen Schauspieler drehen werden, brennen und die können die dann ganz einfach und besonders günstig verschicken. Eine Mini-DVD kostet zwar 1 Euro mehr als eine große, aber beim Porto sparen die Schauspieler dann jedes Mal 40 Cent! Also, super Idee. Die muss man sich unbedingt patentieren lassen. Sie würde sich besonders dann auszahlen, wenn nicht vor dem Mini-DVD-Trend, den Sebi in der Medienbranche initiieren will, schon Herr Mac da gewesen wäre und den Mac-Trend in der Medienbranche initiiert hätte. Und da sich der zweite Trend wohl schon ein bisschen mehr durchgesetzt hat, kam es dazu, dass Sebis Mini-DVD im Mac vom Chef von Soundvision stecken geblieben ist und er sie weder angucken, noch jemals wieder rausholen können wird. So hat er jetzt immer etwas von uns ganz nah an seinem Herzen - NICHT. Wahrscheinlich wird er immer wieder mit Freude an jenen Tag zurückdenken, an dem zwei dieser anstrengenden Filmstudenten, die ständig auf der Suche nach Unterstützung von coolen Arthouse-Leuten sind, ihren ersten Eindruck dadurch hinterließen, dass sie einfach mal seinen Computer kaputt gemacht haben!

Wo wir jetzt sein könnten…

Ja, so sieht es aus, wir könnten ganz wo anders sein, wenn sich in der Vergangenheit nur einige kleine Sachen anders verhalten hätten.

Wir könnten zum Beispiel im Knast sein:

Ralf steht an den Gitterstäben und hält einen Spiegel nach draußen. Er sieht sich um und erkennt, nichts, außer andere Spiegel, die nach draußen gehalten werden. Selbst Ralf hat jetzt einen drei-Tage-Bart, da er schon vier Monate hier ist. Seit vier Monaten steht er hier und spiegelt in den Gang und nichts passiert. Doch dann fällt ihm der Spiegel runter und er purzelt vor der Zellentür zu Boden. Zu weit, um mit dem Arm ran zu reichen, die Wächter schauen nur müde. Doch da Ralf hier noch einige Kilos abgenommen hat, gelingt es ihm sich durch die Gitterstäbe zu drücken und den Spiegel aufzunehmen, kurz noch zurückgedrückt und alles ist wieder beim alten. Puh, das war knapp.

Warum Ralf in Gefangenschaft ist? Es hat sich herausgestellt, dass wir damals für die Szene, in der Marilyn den toten Vogel in einen Sarg legt, keine Genehmigung vom Veterinäramt hatten, den toten Vogel zu filmen. Der Vogel klagte seine Bildrechte ein, und da das Ralfs Aufgabe war, kam dann eines zum anderen. Man kennt das, teure Staranwälte auf Klägerseite, Ralf nur den Pflichtverteidiger, der stets betrunken und manchmal garnicht erscheint, und schon ist man hinter Gittern.

Wir könnten in Hof sein zum Beispiel:

Sebi sitzt etwas unbequem im Zug, vielleicht liegt es daran, dass er auf dem Kopf sitzt, denn Zugfahren kann er gar nicht gut. Dabei fällt ihm sein vom Festivalleiter Heinz Badewitz persönlich gezeichnetes Zugticket ständig aus der Tasche, was die Fahrt nicht erleichtert. Als er dann endlich in Hof ankommt, wird er mit Blumen und einem kleinen wiederverwertbaren roten Teppich am Bahnsteig abgeholt. Natürlich von Heinz Badewitz persönlich, der hat nämlich extra die Eröffnung der Festspiele ‘einige Minuten später’ beginnen lassen, um die Verspätung des Zuges auszugleichen. Dann gehts direkt ins größte Hofer Lichtspielhaus (75 Plätze) und Sebi darf auf der Bühne eine Rede schwingen. Er freue sich sehr, hier sein zu dürfen und den neuen Film “Ayuda” vorstellen zu dürfen, er selbst habe sich damals… bla,bla,bla, das Festival hat nun schon ‘ca. 15 min. Verspätung’. Er endet mit dem Hinweis, dass man doch bitte verzeihen sollte, dass es sich bei der Vorführkopie (natürlich auf 35mm) nur um eine schlechte DV-Abtastung handele und dass die Bilder noch mindestens 40% besser werden würden. Dass die noch fehlenden Töne wechselseitig von Nadine und Sebi eingesprochen würden solle auch niemanden stören, außerdem würde Arons Drucker, der noch als Platzhaltergeräusch zu finden sei, sicher niemanden irritieren. Der Film sei eben noch nicht ganz fertig und als erfahrene Filmschaffende falle es sicher leicht, da zu abstrahieren. Unter begeistertem Applaus nimmt die deutsche Filmlandschaft diese Einschränkungen gerne hin und es beginnen tolle Hofer Filmtage, vielleicht die besten seit langem.

Warum Sebi in Hof ist? Weil nicht er, sondern Nadine Klaus Badewitz auf der Berlinale angesprochen hat. Als dieser nur etwas müde zuckend unsere DVD einsteckt, gibt Nadine diesen berühmten kaum hörbaren, aber das männliche Unterbewusstsein manipulierende Schluchzlaut von sich, dass uns Tor und Tür zur Filmwelt geöffnet hat. Außerdem haben Sebi und Nadine Kuchen dabei.

Wir könnten am Ayuda-Set sein zum Beispiel:

Nadine checkt nochmal die Schärfe, das kann sie ganz gut, da sie seit mittlerweile 34 Tagen als Kameraassistentin bei “Ayuda” arbeitet. Die Schärfe stimmt übrigens, wenn sich nur die Schauspielerin nicht zu stark bewegt. Die Schauspielerin ist übrigens auch Nadine, mit leicht hochgesteckten Haaren, wegen Einfühlen in die Rolle.  Nadine sagt also die Ruhe an, startet den Ton, startet die Kamera und spielt los. Dann baut sie auf den Gegenschuss um, legt das andere Kostüm an und klebt sich den falschen Bart auf, wegen Einfühlen in die Rolle. Sie spielt gerade die Streitszene zwischen Hermann und Helene. Das ist eine sehr emotionale Szene, daher muss sie sich sehr konzentrieren. Sie weiß, dass der Film nun sehr viele Naheinstellungen enthält, denn Zweier kann sie noch nicht so gut. Aber sie orientiert sich dabei am Stil von Moritz. Nur, wenn sie mit dem Fuss den Dolly schieben muss, während sie selbst Marilyns Leiche spielt, wirds knifflig. Aber Nadine hat eine clevere und komplizierte Konstruktion aus Spiegeln und Schnüren gebaut, mit der sie die Szene ganz gut im Griff hat.  Am Abend spendiert sie dann der Crew noch eine Kiste Feierabendbier,  schreibt die Dispo für den nächsten Tag, schreibt das Drehbuch noch ein bisschen um und geht dann irgendwann schlafen, denn morgen früh muss sie schon vor allen anderen die Brötchen schmieren.

Warum Nadine Ayuda nochmal alleine nachdreht? Nun, als wir bei Herrn Rings im Keller sitzen, hat Nadine einen Anfall von Mitleid und heißt den alten Mann völlig unvermittelt willkommen im Team von Ayuda. Dass er die Maschine zur Entwicklung erst noch bauen muss und dass Ayuda damit sein Testprojekt werden wird, sieht Nadine gelassen; im Zweifel drehen wir dann alles neu, sagt sie lachend, während sich die beiden noch ein paar Geschichten aus der Jugend erzählen.

Jahresausblick Teil 4 (mit Verspätung wegen upsi Vergessen)

Oktober: Das Footsteps-Team bekommt von einer der erfolgreichsten Produktionsfirmen Deutschlands den Auftrag, eine Serie zu entwickeln. Es wird nur leider nichts daraus, weil… Ja, warum denn eigentlich nicht? Okay, Nadine ist 24/7 eingespannt, aber Sebi, der hat sich wohl die gemütliche Lebensweise aus uns’ Zürili angewöhnt, meistens chillt er, zwischendurch übt er sich im Dressurreiten. Und wo Ralf eigentlich steckt, weiß auch mal wieder niemand. Achso, der feiert Geburtstag mit Fred und dieser einen da, ach, wie heißt die denn nochmal, Charlize Theron oder so. Nur Daniele kann nicht kommen, der will sein Treffen mit Adam Sandler nicht absagen, “Adi hat sich schon so drauf gefreut”. Heinz Badewitz steht mit einem Blumenstrauß und einem Kamerateam am Regionalbahnhof Hof und will Sebi abholen, aber der ist gar nicht im Zug. (Mehr dazu im Blogeintrag “Wo wir jetzt sein könnten”). Endlich hat Alexander Klaws zugesagt, das Abspannlied für Ayuda zu singen. Das finden viele doof, Bene zum Beispiel.

November: Die Tage werden kälter und nasser, das ist vor allem für Nadine ein Problem, denn sie muss den nächsten Monat in einem Karton (wenn sie noch einen findet) unter der Hohenzollernbrücke verbringen. Wie passend, dass Sebi ausgerechnet jetzt in der Sinnkrise steckt und Nadine sich daher nicht mal beim wöchentlichen Battlestar-Galactica-Gucken aufwärmen kann. Achso, was ist eigentlich mit Ayuda? Nachdem zwei Sounddesigner gerade noch rechtzeitig das Weite gesucht haben und “Ich habs euch doch gesagt”-Tonmensch Chris jetzt wahrscheinlich Recht hat mit der Vermutung, dass der Ton sich nicht kongenial zum restlichen Oeuvre verhält, macht uns Sounddesigner Nummer 3 - Anwärter Dennis nun endlich mal Hoffnung: “Joah, denk schon, dass ich die Hallenbad- äh Parkhaus-Szene irgendwie hinkriegen könnte.” Juchu! Joyce macht beim Perfekten Promi Dinner Werbung für Ayuda. Ein riesiger Karton mit Fanpost kommt an, nur nicht bei Nadine- die hat ja keine Wohnung.

Dezember: Weihnachten! Hach, seufz. Dicke dichte weiße weiche Schneeflocken hüllen Köln in ein weißes Kleid- nicht. Wie immer ist alles nur beschissen. Stau in der Fußgängerzone, überheizte Geschäfte, ekliger Nudelsalat an Heiligabend, penetrante Weihnachtslieder, Liebeskummer, der Weihnachtsbaum geht in Flammen auf, wieder mal das perfekte Geschenk verschenkt, aber das falsche bekommen, Langeweile, Angst vor Silvester und dem traurig heranschleichenden Jahr 2009. Und während man so dasitzt und vor sich hingrummelt und sich und die Nächsten und das Christkind und überhaupt alles verwünscht, kommt die Nachricht. Die Nachricht, auf die wir solange gewartet haben. Zuerst hören sie die Hirten bei ihren Schafen auf den Feldern, dann werden die Englein sie vom Himmel singen und dann kommen die Könige und bringen Geschenke, denn AYUDA IST DA.

Anmerkung des Autors

Aufgrund der Beschwerde, dass Erdmännchen viel cooler wären, als Vögel, Hühner und Hunde und dadurch ein schlechtes Licht auf die Produktion geworfen würde, bitte ich darum im Beitrag alle “Erdmännchen” durch “Grinsefische” zu ersetzen.

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Eine Geschichte aus dem Zoo

Ich habe kürzlich eine Dokumentation über Tiere gesehen. Eigentlich fand ich Tiere immer langweilig, und Dokumentationen versuchen ja einen Sachverhalt realistisch abzubilden, schaffen das aber meist nicht, sondern sind etwas langweiliger als das Original. Eine Dokumentation über Tiere müsste mich demnach also ziemlich ziemlich langweilen. Irgendwie muss da aber dieses Minus-mal-Minus prinzip gewirkt haben, mit dem wir in der sechsten Klasse immerzu scherzten. Jedenfalls sehe ich seitdem viele kleine Tiere durch mein Leben wuseln. Nadine zum Beispiel ist so ein Tier, ein Huhn um genau zu sein. Stets auf den Beinen und etwas hektisch, schwer zufrieden zu stellen (immer wenn man eine neue Tomate hinwirft, läuft das Huhn hin, und lässt die andere Tomate liegen). Quirliges Tier eben.

Huhn
Auch Ralf ist ein Tier, so ein cleveres Vogeltier um genau zu sein. Einer der immer oben auf dem Baum sitzt und solange die Situation beobachtet und analysiert, bis er sich völlig sicher ist, dass  die Katze unten müde genug ist, als das man ihr vor der Nase rumspringen kann. Schlaues Tier eben.
Vogel
Ich selbst bin auch ein Tier, so ein Erdmännchen vielleicht, das sich ziemlich cool vorkommt, wenn man es fotografiert. Im Grunde aber diesen dümmlichen Blick nicht loswird, nicht auf Fotos und nicht im Leben. Eingebildetes Tier eben.

Erdmannchen

In meinem neuen Leben laufen viele Tiere rum. Hinter meinem Haus ist eine Koppel auf der ein wildes Pferd mit dem Namen “Ayuda” rumspringt. Manchmal, wenn ich mich gut genug fühle und kräftig genug, dann gehe ich hin und versuche mich  auf den Rücken zu setzen. Erdmännchen auf Pferd heißt dann die Devise. Da ich ein begabter Reiter bin und früher Dressur geritten bin, gelingt es oft. Und dann, wenn ich endlich glaube, das Tier ein für alle mal soweit erzogen zu haben, dass man damit in die Stadt reiten könnte, dann wirft es einem ab. Vogel und Huhn sitzen auf dem Zaun und lachen. Das geht nun schon ziemlich lange so. Aber man selbst redet sich ein, dass dieses Pferd nun schon ein bisschen zahmer geworden wäre, nach all der Zeit. Ist es auch. Aber zum Reiten reicht es noch nicht ganz.

Daher haben das Huhn, der Vogel und das Erdmännchen Hilfe geholt. Sie haben den Vogel recherchieren lassen, das Huhn hat die Ergebnisse nochmal gut durcheinander gebracht und neu geordnet, das Erdmännchen musste dann seinen Charme spielen lassen, so dass wir tatsächlich zwei Hündchen finden, konnten, die uns bei dieser ganzen Zähmerei gut gebrauchen konnten: Aron und Andi.

Hunde

Und gerade gestern, als wir dachten, wir könnten nun bald losreiten, Erdmännchen, Vogel und Huhn in Begleitung der beiden Racker, und wir glaubten das Pferd nun gänzlich unter Kontrolle halten zu können, ja da entwickelte es seine Eigensinnigkeit weiter und bewies uns mit Nachdruck, dass es noch weitere Erziehung benötigte. Nun, wir geben nicht auf, und wenn ihr Abends fünf wirre Tiere mit einem Pferd über die Weide springen seht, dann hat das zwar sicher nichts mit uns zu tun, gibt aber vielleicht dennoch ein schönes Bild ab.

Ein Rätsel

Ihr wollt wissen, was wir so treiben? Was wir mit “Ayuda” anstellen? Und vorallem, wann es endlich fertig wird. Darauf gibt es keine Antworten, stattdessen erwartet euch ein erster Einblick in den Soundtrack. Der wird zwar von Andi gerade fleißig produziert, aber eine winzige Kostprobe könnt ihr euch dennoch heute verdienen. Aber: Ein solcher Blick hinter die Kulissen hat seinen Preis, daher sind die Fragen nur für echte “Ayuda”- Fans zu beantworten. Der jeweils erste Buchstabe jeder Antwort ergibt ein Losungswort.

1. Mit welchen Worten beendete Regisseur Sebastian H. stets die laufende Aufnahme?

2. Welcher Hersteller baute unsere Kamera, die gute alte SR2? (Beim Nachdreh war es eine neuere SR3)

3. Ein beliebter Set-Name, sowohl der Tonmensch, als auch der Secound-Unit-Director tragen diesen Vornamen.

4. Mücke, bekannte Katze, die eigentlich eine Rolle spielen sollte, gehört zu welcher Familie und trägt daher welchen Nachnamen?

5. Sammy, der studentische Künstler. Wie heißt der Schauspieler dieser Figur mit Vornamen?

6. Das gewinnen wir auch 2009 sicher nicht, Verleihung ist im März in LA, wir haben uns trotzdem frei genommen…

7. Als wir die Szene mit Sammy und Kilian aus dem Fenster hängend drehten, war es vorallem eines nicht mehr (Adjektiv)…

8. Das Segelschiff trägt diesen Namen, außerdem steht es in Zeichensprache im Schlafzimmer des Polizisten an der Wand, was jedoch nicht im Bild ist….

9. Bonusfrage: Zu welcher Tageszeit endet ein Durchschnittsdrehtag bei “Ayuda”, der um 8:00 morgens begonnen hat?

Setzt die Buchstaben zusammen und gebt es unter folgendem Link als Passwort an (Großbuchstaben); Benutzername ist “Gast”. Viel Spaß.

http://ayuda.footsteps-filmproduktion.de/specials/Ayuda-TheNeverEndingStory-02.mp3

Unser Ameisen-Kurt

Eine Studienfreundin von Sebi und mir hat ihren Vater im Krankenhaus besucht. Ihr Vater teilte sich das Zimmer mit einem netten alten Mann, der ihr irgendwie bekannt vorkam. Da fiel ihr ein, dass sie den Mann aus unserem Ayuda-Trailer kannte. Es war unser weltbester Kurt. An dieser Stelle haben Sebi und ich auch angstvoll gewimmert. Kurt hatte mir vor kurzem erzählt, dass er denkt, irgendwas mit seinen Augen stimme nicht. Da hab ich mir schon Sorgen gemacht, denn ihr wisst ja, wenn Kurt schon mal sagt, das irgendwas nicht in Ordnung sei… Ihr kennt ihn. Er sieht selbst um vier Uhr nachts, nachdem er zehn Stunden am Set rumhing, keine Notwendigkeit, sich mal hinzusetzen. Außerdem wollte Kurt ja auch nicht mehr zum Arzt gehen, seit er bei einer Vollnarkose mal andauernd wieder aufgewacht ist. Das hat er zumindest bei unserem ersten Treffen behauptet. Nun hatte Kurt einen leichten Schlaganfall. Einen leichten! Das würde er sicher auch betonen. Schließlich hat er laut unserer Studienfreundin im Krankenbett schon wieder fröhlich Witze gerissen. Dass ich Sebi schon auf Vordermann bringen würde zum Beispiel, hihi. Jaja, unser Lieblings-Ameisenschutzwächter. Everybody’s Darling am Set. Kurt, der sogar die Logik der Post überwindet und einem immer schon früher zurückgeschrieben hat als der eigene Brief überhaupt angekommen sein kann. Deshalb schreibe ich ihm jetzt auch gleich, damit ich möglichst schnell eine Antwort bekomme, in der dann steht: “Juju, alles bestens. Na klar. Auf Ayuda freu ich mich schon.” Premierenkarten für sich und sechs Freunde hat der Kurt ja schon vor drei Monaten bestellt. Wenn ihr ihm auch Gute Besserung wünschen wollt: Kurt Berghoff, Wiesenweg 25a, 51503 Rösrath

Vorzeichen

Wenn Matrosen zur See fahren, dann schauen sie vorher, ob z.b. die Möwen tief fliegen. Wenn sie tatsächlich tief fliegen, hat das in aller Regel nichts zu bedeuten, aber es wird dann an Bord trotzdem heiß diskutiert und als gutes oder schlechtes Vorzeichen gewertet. Wenn die Möwen tief fliegen und gleichzeitig der Wind aus Osten bläst, kann es allerdings Ausnahmen geben, je nach Jahreszeit auch Ausnahmen der Ausnahmen.
Man sieht schnell, dass die Seefahrt eine heikle Angelegenheit ist, und so verwundert es nicht, dass Nadine, Ralf und ich uns dafür entschieden haben einen Film zu drehen, statt ein Schiff über den Ozean zu treiben.

Beim Film ist alles viel einfacher: Essen kommt jeden Tag frisch ans Set, die Filzlausgefahr ist allgemein geringer und auch die Mädels am Set sind meist schöner anzusehen, als der durchschnittliche Matrose. Vorallem aber sind die Vorzeichen beim Film leichter zu deuten.
Kein Material mehr für die Kamera, 6 Stunden Verzug und der Darsteller muss in 15min am Flughafen sein -> schlechtes Vorzeichen!
Nach 16 Stunden Dreh eine kleine Überraschungsplansequenz einbauen, die so lang ist, dass die Kameraassistenz beide Arme voller Schärfemarkierungen schreiben muss -> schlechtes Vorzeichen!
Dabei noch immer mit Schlägen drohen und Süßigkeiten locken -> gutes Vorzeichen!

“Ist der Cutter mal am Ende, setzt er eine Blende!”

Wenn man einen Film schneidet, dann kennt man ihn irgendwann besser, als Kapitän Ahab die Spitze seiner Harpune. Man kennt jedes Frame im Film, man kennt aber auch jedes Frame, das nicht im Film ist. Man kennt jeden Versprecher, Atmer, Schlucker, jedes “und Bitte” und jedes “Danke, Aus!”. Das macht Überraschungen tendentiell selten. Das wäre so, als würde man dem Mann in der Tonne eine neue Sitzposition zeigen wollen. Alles schon probiert. Schlicht unmöglich.
Umso besser scheint das Vorzeichen zu sein, wenn man den Film, an dem man seit einem Jahr schnibbelt, dessen Pixel man auch rückwärts einzeln bennenen könnte, wenn man diesen Film beim ersten rohen Schauen spannend findet. Das ist wirklich mehr, als man erwarten kann.

“Macht der Cutter nur noch Scheiß, empfiehlt sich eine Blende über weiß.” 

In einer Sache sind sich Seefahrt und Filmmacherei übrigens sehr ähnlich. Gute Vorzeichen sind zwar förderlich für das Ergebnis, aber kein Garant. (vgl. Titanic)

“Schwarzblende - für Cutter ohne Hände.”