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22.8.2008 von Sebastian.
Wenn Matrosen zur See fahren, dann schauen sie vorher, ob z.b. die Möwen tief fliegen. Wenn sie tatsächlich tief fliegen, hat das in aller Regel nichts zu bedeuten, aber es wird dann an Bord trotzdem heiß diskutiert und als gutes oder schlechtes Vorzeichen gewertet. Wenn die Möwen tief fliegen und gleichzeitig der Wind aus Osten bläst, kann es allerdings Ausnahmen geben, je nach Jahreszeit auch Ausnahmen der Ausnahmen.
Man sieht schnell, dass die Seefahrt eine heikle Angelegenheit ist, und so verwundert es nicht, dass Nadine, Ralf und ich uns dafür entschieden haben einen Film zu drehen, statt ein Schiff über den Ozean zu treiben.
Beim Film ist alles viel einfacher: Essen kommt jeden Tag frisch ans Set, die Filzlausgefahr ist allgemein geringer und auch die Mädels am Set sind meist schöner anzusehen, als der durchschnittliche Matrose. Vorallem aber sind die Vorzeichen beim Film leichter zu deuten.
Kein Material mehr für die Kamera, 6 Stunden Verzug und der Darsteller muss in 15min am Flughafen sein -> schlechtes Vorzeichen!
Nach 16 Stunden Dreh eine kleine Überraschungsplansequenz einbauen, die so lang ist, dass die Kameraassistenz beide Arme voller Schärfemarkierungen schreiben muss -> schlechtes Vorzeichen!
Dabei noch immer mit Schlägen drohen und Süßigkeiten locken -> gutes Vorzeichen!
“Ist der Cutter mal am Ende, setzt er eine Blende!”
Wenn man einen Film schneidet, dann kennt man ihn irgendwann besser, als Kapitän Ahab die Spitze seiner Harpune. Man kennt jedes Frame im Film, man kennt aber auch jedes Frame, das nicht im Film ist. Man kennt jeden Versprecher, Atmer, Schlucker, jedes “und Bitte” und jedes “Danke, Aus!”. Das macht Überraschungen tendentiell selten. Das wäre so, als würde man dem Mann in der Tonne eine neue Sitzposition zeigen wollen. Alles schon probiert. Schlicht unmöglich.
Umso besser scheint das Vorzeichen zu sein, wenn man den Film, an dem man seit einem Jahr schnibbelt, dessen Pixel man auch rückwärts einzeln bennenen könnte, wenn man diesen Film beim ersten rohen Schauen spannend findet. Das ist wirklich mehr, als man erwarten kann.
“Macht der Cutter nur noch Scheiß, empfiehlt sich eine Blende über weiß.”
In einer Sache sind sich Seefahrt und Filmmacherei übrigens sehr ähnlich. Gute Vorzeichen sind zwar förderlich für das Ergebnis, aber kein Garant. (vgl. Titanic)
“Schwarzblende - für Cutter ohne Hände.”
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2.8.2008 von Sebastian.
Für alle, die denken, “Ayuda” sei zu einem Rohrkrepierer geworden und ihr Erspartes beim nächsten Buchmacher darauf verwettet haben, dass der Film niemals fertig werde: Ich für meinen Teil würde niemals darauf wetten, dass irgendetwas bis zur Ewigkeit NICHT passiert, die Gewinnchancen sind dann sehr gering!
Für alle anderen, die gespannt auf jedes Informationströpfchen aus dem Taifun des Entstehungsprozesses warten, nun eine neue Episode aus der allseits beliebten Geschichte “Ayuda- oder wie ich ein Land in den Wahnsinn treibe!”.
In der vergangenen Woche war für “Ayuda”, und damit auch für uns ein wichtiges Datum: Spotting-Session stand auf dem Terminplan. Falls ihr nicht wisst, was genau damit gemeint ist, gibt es ein schlaues Buch, das Andi auch mir vorlegte. Schließlich sollte es eine erfolgreiche Spotting-Session werden, keine mittelmäßige. Ich lese also den Text durch, der zu meinem Unglück auf Englisch ist. Außer dem Wort Spotting-Session verstehe ich zwar nicht viel, ich nicke aber immer mal wieder wissend und gebe interessante Laute von mir. Danach bin ich so schlau wie vorher, aber es geht trotzdem los:
Ich sitze auf einem Sessel, hinter mir auf dem Bett chillen derweil Ralf und Nadine, die es sich mit allerlei Kissen gemütlich gemacht haben. Zu unserer rechten sitzt Andi, unser Komponist. Der ein oder andere kennt ihn, denn er war derjenige, der Christian Arndt in 15min Gitarre spielen beibringen sollte. Ein weiterer genialer Drehplankniff aus dem Hause footsteps. Nun, und das merke ich dann schnell, Spotting-Session macht Spaß! Während vorne der Film läuft trällert Andi ein paar Takte dazu. Entweder improvisiert, oder ein Stück aus den bereits 50 vorkomponierten Themen, die er für “Ayuda” angelegt hat. Mal ein bisschen Klavier, mal das gesamte Streichorchester der Wiener Oper. Eigentlich müssen wir drei uns nur einig sein, was wir wollen, Andi spielt das passende Lied dazu. Dass das schnell absurde Züge annehmen kann, wenn man sich im Wahn befindet, leuchtet ein: “Andi, kann man in dem Moment, in dem Hermann den Brief aufhebt, das Hermann-Thema in das Brief-Thema einfließen lassen?” “-Klar!” -gesagt, getan.
“Andi, kann man in dem Moment in dem Sammy die Limoflasche von Nora bekommt, das verknüpfte Nora-Limo-Thema in ein etwas desillusioniertes Sammy-Limo-Thema umwandeln?” “-Klar!” - gesagt, getan.
Musik ist eine herrliche Sprache.
Nora betritt Sammys unheimliches Zimmer. Andi hat da mal was vorbereitet. “Ach, wir haben vor ein paar Wochen mit dem SWR-Orchester was aufgezeichnet. Als wir noch 5 Minuten Zeit hatten, habe ich den Dirigenten gebeten, was auf die Szene zu improvisieren.” Nora betritt das Zimmer 60 Profimusiker beobachten die Szene auf der riesigen Leinwand im Studio und spielen ein paar Takte, während sich die Spannung steigert, drehen auch die Musiker richtig auf! Am Ende gibts ein Feuerwerk. Während sich der Komponist verrenkt, hauen die Musiker völlig rein. Inklusive dröhnenden Hörnern und E-Bass. Und das alles für “Ayuda”. Wie beim richtigen Film! Wie das genau funktioniert, weiß ich immer noch nicht. In einer kurzen Pause erlaubt mir Andi mal eine Taste an seinem Instrument zu drücken, um Verständnis zu schaffen sozusagen. Ich nutze die Gelegenheit, um mein frühkindheitliches Trauma der verpassten musikalischen Früherziehung aufzuarbeiten und drücke mutig, aber auch ein wenig ungewiss auf die Taste. Er erschallt Stille.
“Sebi, Du kannst echt gar nichts!” sagt Nadine dazu nur, ich schiebe es auf die verpasste musikalische Früherziehung. Andi weiß damit umzugehen und lobt mich: Er habe selten jemanden gesehen, der mit so viel Gefühl nichts spielen würde.
Das schlechte an der Geschichte: Ich bin mir nun völlig sicher, unmusikalisch zu sein. Die Szene von Nora im Gruselzimmer passt nun nichtmehr zum Film, und auch wenn Nadine weint, können wir die Musik wohl nicht verwenden.
Das gute an der Geschichte: Auch ohne das SWR-Orchester sind wir uns nun ein Stück sicherer: “Ayuda” wird ein richtiger cooler Film! Und das ist die Hauptsache…
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24.6.2008 von Nadine.
Juli: Nachdem „Ayuda“ das renommierteste Kopierwerk Kölns in den Ruin getrieben hat, gibt’s Drohbriefe ohne Ende. (Wäre ja auch zu easy gewesen, wenn mal eine Firma nicht pleite gegangen oder ein Ansprechpartner nicht gefeuert worden wäre.) Da Sebi gerade nicht zu sprechen ist, werden diese stellvertretend an Nadine weitergeleitet, die damit doch eigentlich gar nichts zu tun hat. Wieso war Sebi eigentlich nicht zu sprechen? Achso, er dreht jetzt Werbefilme mit einem Stundenlohn von 150 €. Nadine ist total pleite. Sie wird aber auch nicht freie Mitarbeiterin bei der Lokalzeitung, weil Sebi sie gezwungen hat, blau zu machen und ihn bei Aron und beim Schneiden zu vertreten. Daher: Sauer.
Weil Bene keine Zeit hatte, hat das Footsteps-Team übrigens auch nicht den 47Stunden11Minuten Filmwettbewerb gewonnen. Egal, zu gewinnen gab es: Nichts. Nur für die Veranstalter. Die haben unseren Film für eine Million Dollar an Hollywood verkauft.
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25.4.2008 von Sebastian.
Da das Warten ja bekanntlich eines der schwierigsten Dinge ist, die Vorfreude aber auch eine der schönsten Freuden sein kann, habe ich für alle treuen Fans ein kleines Bonbon hinterlegt. Viel Spaß.
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19.4.2008 von Nadine.
Das Lustige an allen Entscheidungen, die man in seinem Leben trifft und die für einen getroffen werden, ist, dass alles auch ganz anders hätte kommen können. Dann würde man ein ganz anderes Leben führen. Oder man hätte, wie in unserem Beispiel, einen ganz anderen Film. Im Zweifelsfall auch gar keinen Film, da niemand Lust gehabt hätte, so einen Blödsinn zu produzieren. Im Folgenden also extra für unsere Insider eine Version von „Ayuda“, wie es auch hätte sein können. (Jede einzelne dieser oft desaströsen Ideen wurde tatsächlich wenigstens für kurze Zeit ernsthaft in Betracht gezogen):
„Wo gehst du hin, Amélie“ von Sebastian Hilger, Ralf Kohlhaas und Nadine Gottmann
120 min., schwarz-weiß, Normal 16, dafür mit Steadicam und Gleitkamera
Szene 1: Eduard W. (Lutz MacKenzie) wirft einen Blick auf ein Mietshaus. Er hasst Mietshäuser. Ihr findet nicht, dass das Grund für einen 5 bis 10 minütigen Monolog ist? Eduard W. schon. Währenddessen raucht er eine Zigarre.
Szene 2: Wir befinden uns auf dem Dachboden. Die Bewohner stehen um die erhängte Leiche herum. Amok organisiert eine Abstimmung deren einstimmiges Ergebnis ist, dass der Polizist (Jürgen Vogel) aus dem Haus den Fall übernimmt. Warum, weiß man nicht. Wahrscheinlich weil er mit dem rot-weißen Absperrband, das er eifrig um die Säulen spannt, so professionell wirkt. Oder aber weil er kurzerhand die Handys aller Bewohner einsammelt, sodass niemand die Polizei rufen kann.
Szene 3: Amok sieht, wie der Polizist versucht, zu fliehen. Da ihm dies aufgrund eines Schneesturms und weil das Haus auf einer Hallig steht, nicht gelingt, bleibt er letztendlich doch da und übernimmt den Fall. Amok ist jetzt natürlich misstrauisch, sagt aber nichts. Er will lieber den Namen des Polizisten googlen.
Szene 4: Nach dem Fund der Leiche gehen erst mal alle schlafen. Deshalb unterbricht nun eine aufwendige, aber wirre Horrorgeschichte in drei Versionen, in der auch ein Hütchenspieler vorkommt, die eigentliche Handlung. Warum, weiß man wieder nicht. Soll wohl selbstreflexiv sein.
Szene 5: Bei der Befragung der WG rutscht Mia und Nora raus, dass Marilyn und Amok von ihren Eltern missbraucht wurden und ihre Eltern umgebracht haben, aus Versehen, und dass sie Sex haben, obwohl sie Geschwister sind. Üpsilanti!
Szene 6: Bei der Befragung der alten Leute ist der Polizist ganz irritiert von der alten Frau, da sie eine dicke große Sonnenbrille trägt.
Szene 7: Hermann wirft ein Zuckerstückchen auf den Boden. Als er es aufheben will, fällt seine Tasse um, die den Polizisten bekleckert, der aufspringt und dabei den Tisch umstößt, sodass er Helenes Lieblingspflanze mitreißt. Helene ist natürlich sauer. Ihr findet, das klingt nicht sehr lustig? Wäre es auch sicher nicht gewesen. Der Polizist übersieht Hermanns Scheren- oder Messersammlung, da sie von der Packung des gekauften Kuchens verdeckt wird.
Szene 8: Bei Sammy und Kilian öffnet Ben, ein Sportstudent, der den ganzen Tag nur mit Handtuch bekleidet rumläuft, die Tür. Ansonsten ist er ziemlich dumm. Der Polizist merkt das gar nicht, er ist geblendet von der rotgelborangerosanen Wandfarbe der Studenten. Ihm fällt auf, dass es sich dabei um die selbe Farbe wie bei Marilyns Kleid handelt. Der Polizist ist sich sicher: Das ist ein wichtiger Hinweis.
Szene 9: Amok, der alte Schlawiner, verrät dem Polizisten, dass Marilyn Südamerikanerin ist. Das hatte bisher keiner erwartet, da Marilyn blond ist. Sie ist außerdem Amoks Schwester. Verblüffende Ähnlichkeit. Der Polizist bemerkt, während Amok weg ist, ein Rohr in Amoks Wohnung, das auch auf dem Droh-Foto abgebildet ist.
Szene 10: Marilyn läuft während der Gedichte über eine Wiese und spielt abwechselnd mit Schmetterlingen und Seifenblasen. Sie ist ja schon ziemlich verträumt, die Gute.
Szene 11: Der Polizist erfährt durch eine Todesanzeige in der Zeitung, dass noch ein weiterer Mord passieren wird. (Mist, das war eine gute Idee.)
Szene 12: Bepackt mit der Zeitung, dem Droh-Foto, einem Brief, einem Fotoalbum, einem Tagebuch und einem Kalender macht der Polizist sich auf die Suche nach dem Mörder. Übrigens hat Marilyn auf der Rückseite des Fotos auch noch eine weitere Nachricht hinterlassen. Der Polizist merkt allerdings nicht, dass das dieselbe Schrift ist, mit der Helene die Tischkarten beschrieben hat. Hä? Echt multimedial das alles. Der Pfarrer aus der Party-WG beruhigt währenddessen die aufgebrachten Mieter. Sie können das Haus nicht verlassen, weil die Haustür plötzlich verschlossen ist. Auch durch die Fenster kann man anscheinend nicht fliehen.
Szene 13: Nun gerät alles außer Kontrolle. Blumentöpfe fliegen durch die Gegend und drohen, die Bewohner zu erschlagen.
Szene 14: Die Bewohner lösen den Fall. Sie können nämlich die geheime Nachricht entschlüsseln, die Marilyn ihnen hinterlassen hat, indem sie kurz vor ihrem Tod die untersten drei Knöpfe ihrer Bluse öffnete. Sie werfen alle Indizien in eine Kühltruhe und kleben sie mit Klebeband zu. Dann stellen sie sie zu den ganzen anderen zugeklebten Kühltruhen.
Szene 15: Marilyn und der alte Mann fahren mit dem Schiff nach Südamerika.
Epilog: Michi kommt nicht mit Fred, sondern mit C. Wewerka zusammen.
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3.4.2008 von Sebastian.
Es ist ein Jammer, man kann es kaum mit ansehen, Tränen steigen hoch, sie zurückzuhalten fällt schwer, dann ein Schmerzensschrei und ich kann mich nicht mehr halten. Ich liege bei Aron im Wohnzimmer und weine bitterlich.
Schnitt - endlich.
Filme drehen ist emotional. Vielleicht deshalb, weil jedes einzelne Detail so schwierig ist. Jenny bastelt 15 Minuten an dem Sack, aus dem die Scheine rauspurzeln sollen, aber nicht das scheinähnliche Füllmaterial, Moritz bastelt 35 Minuten an der Kante für Marilyn, die zwar ihre Haare betonen soll, aber nicht den hässlichen Schatten auf die Wand werfen darf. Meine Mama bastelt 3 Wochen daran, ein leerstehendes Haus in ein bewohntes Haus zu verwandeln. Nadine, Ralf und ich basteln zwei Jahre daran, einen Film zu drehen.
Und was hat man letztlich in der Hand? - Einen Briefumschlag mit blauen Magnetbändern, das ist alles. Zehn blaue Bänder, das ist unser Film in einem Umschlag. Zwar ist das nicht irgendein Briefumschlag, er ist mit Bläschenfolie augelegt, trotzdem ist die Adresse auf dem Aufkleber vorne falsch, so geht die Rechnung erstmal an die KHM, anstatt an Footsteps. Und weder Bläschenfolie noch falscher Aufkleber beschützen Nadine davor, diesen Umschlag bei McDonalds zu vergessen.
“Ihre Tüte” - ruft uns die nette McDonalds- Frau hinterher. “Achja, beinahe vergessen, unser Film! Danke. Ach, und das ist ein Umschlag, trotzdem danke!” erwidern wir.
Unendliche Mühen konzentrieren sich in einem Briefumschlag. Im Grunde müsste der Umschlag glühen, oder zumindest so schwer sein, dass er bei Bodenkontakt sofort bis zum Erdmittelpunkt durchbrechen könnte, so wie das Material, das bei einer Supernova übrig bleibt. Man dürfte ihn eigentlich nur mit einer Handschelle am Handgelenk und einer weiteren über eine stabile Kette verbundenen Handschelle transportieren, die an der Bläschenfolie befestigt ist. Der Schlüssel würde vorher per Geldtransporter an den geheimen Bestimmungsort geschickt, und dieser würde bis kurz vor den vorher unbekannten Zeitpunkt ständig zufällig wechseln. Stattdessen frage ich meine Mutter, ob sie einen Umschlag mit blauen Bändern gesehen habe, der auf dem Schreibtisch da unten lag. Ob es wichtig sei, fragt sie etwas gelangweilt. “Nö…” antworte ich, es wären nur die Filmbänder. Dann sei ja gut.
In der Postproduction wird plözlich alles klein.
Und letztlich merken Aron und ich, dass die eine Einstellung, für die Jenny 15 min geklebt, Moritz 35 min gebaut und meine Mama 3 Wochen renoviert hat, eigentlich unnötig, sogar störend ist. Unerhört. Die Einstellung, wegen der der Drehtag zu spät endete, so dass der nächste Drehtag zu spät begann, so dass wir die andere Szene nicht mehr schafften, so dass wir dachten, den Film nicht fertig zu bekommen, an dem wir zwei Jahre gearbeitet hatten.
Und das ist dann zu viel für mein nah am Wasser gebautes, schwaches Herz.
Filme drehen ist emotional, schneiden ist kühl. Aber manchmal erfrischt diese kühle Brise mehr, als sie uns frösteln lässt. Denn eines ist Schnitt auch, entspannt… - endlich.
Sebi genießt die milde Brise.
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2.4.2008 von Nadine.
Leider hat uns auf www.jetzt.de kein reicher Filmverleiher entdeckt und neue Sponsoren haben wir auch nicht gefunden. Es haben sich nicht mal besonders viele gemeldet, die Ayuda sehen wollen. Irgendwie hab ich das Gefühl, dass außer uns niemand die Kolumne gelesen hat. Naja, und Digital Data natürlich. Ayuda ist jedenfalls leider doch nicht berühmt geworden. Seit heute ist trotz allem der letzte Teil online und vielleicht habt ihr ja nochmal Lust, zu lesen. So, ich muss jetzt weg. Nach neuen Alternativen für mein Berufsleben Ausschau halten, denn das mit dem Hintertürchen Journalismus scheint nicht gerade eine meiner besten Ideen zu sein.
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25.3.2008 von Nadine.
Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll. Nun ja. Dann lasse ich es wohl lieber.
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24.3.2008 von Sebastian.
Freitag 14. März; Drehbeginn: 10:00h - Drehende: 22:30h
Höhepunkt: Am ersten Drehtag direkt mit der besten Szene des Drehs zu beginnen, mag motivationstechnisch gesehen unklug sein, immerhin will man sich im Laufe der Zeit steigern, cool ist es dennoch! So fuhren wir direkt als aller erstes zum “Freeway”, eine ca. 2km langen geraden Straße hinter Hausen, um ein Polizeiauto mit 80 Sachen 15cm an der Kamera vorbei zu lenken. Moritz ruft immer: “Geht’s noch ein bisschen dichter?” Ich versuche derweil Anweisungen an das wegen Straßensperrungen im ganzen Umland verteilte Team zu geben, ohne Funkgerät, die Batterien liegen noch in Kirchwald. Erster Dehtag eben. Und dennoch, das Polizeiauto fährt mit Blaulicht und aus dem Fenster wehenden Geldscheinen 10 cm an der Kamera vorbei. Und die Zweifel flogen den Geldscheinen gleich über das nasse Feld. “Ayuda” war zurück!
Tiefpunkt: Als wir am Abend zu unserem Motiv am Laacher See kommen, gelingt es über 2 Stunden lang nicht, den Strom aus der Fischerhütte am Laufen zu halten. Zwischen Kabelwust und unzähligen steckenden und absteckenden Händen ist der Überblick mittlerweile völlig verloren gegangen. Gerade als wie die Feuerwehr überreden wollen, einen mitternächtliche Übung mit dem Stromgenerator zu veranlassen, findet der Motivbesitzer einen 32-Ampere Anschluss im 3×3 Meter großen Abstellschuppen. Ab da kann der Dreh beginnen und noch viel wichtiger, die Maske hat Licht. Dann vergessen wir zwar vor lauter Aufregung unserem Marilyn Double die Tasche in die Hand zu drücken, die sie im Anschluss ausleeren soll, aber die Fahrt über den Steg mit den angelegten Booten ist trotzdem klasse.
Samstag, 15. März; Drehbeginn: 10:00 - Drehschluss: 3:30h
Höhepunkt: Samstag, das sollte der Hammertag werden, das wissen wir. Immerhin haben wir nur einen Tag Zeit um alle Szenen mit Emily und Nicholas abzudrehen, und das sind viele. Nachdem wir den gesamten Vormittag in der Stadt verbringen, müssen wir noch ins Spielzimmer und drehen da noch etwa 10 Stunden weiter. Der tollste Moment des Tages ist eine Einstellung, die ich hier nicht verraten werde, da sie die Auflösung des Films vorwegnehmen würde. Für alle, die sich dennoch dafür interessieren, empfehle ich einen Blick in den Kölner Stadtanzeiger, dort hat Kurt im Interview nämlich nicht nur kräftig Werbung für Ayuda gemacht, sondern das Ende gleich mitveraten.
Tiefpunkt: Nadine rastet aus, als ich beschließe nach Abschluss der eigentlichen Arbeiten noch drei Details zu drehen, mir ist das egal, die Details werden gedreht und drei Kabel sind nachher durch bloße Wut so verwurschtelt, dass die Beleuchter noch ne Weile länger bleiben müssen. Nadine ist jetzt doppelt sauer, weil ich das ja irgendwie auch schuld wäre.
Sonntag, 16. März; Drehbeginn: 13:00 - Drehschluss: 4:00h
Höhepunkt: Wir frühstücken alle bei Oma, unsere letzte Hoffnung und Geheimwaffe zugleich, um Beleuchter Stefan doch noch bis Ende des Drehs zu halten. Hm, es gibt leckere Sachen, alles, was das Herz begehrt. Die Techniker rund um Mitch freuen sich, dass es echtes Eifeler Schwarzbrot gibt. Die Mett-Igel sind auch beliebt. Nadine ist sauer, weil es keine Brötchen gibt. Ich erkläre ihr, dass Sonntag ist, und dass es ja nicht so schlimm ist, einmal während des Drehs Brot zu essen. Nadine hat kein Verständnis dafür. Sie droht damit, die Rechte für ihr Buch nachträglich zu entziehen. Eigentlicher Höhepunkt sind aber unsere beiden Marilyns an diesem Tag, denn heute sehen wir die beiden zum ersten Mal zusammen, Joyce und ihr Double Sibel. Da Joyce den Fuß gebrochen hat, kann sie immer nur ins Bild reingleiten, alles andere muss Sibel erledigen. Direkt beim Frühstück gibts die erste Verwechslung: Vegetarierin Joyce isst einen Mett-Igel, weil sie sich selbst mit Sibel verwechselt hat.
Tiefpunkt: Nachdem der Tag super läuft stellen wir am Abend fest, dass zwar alles eingeleuchtet, vorbereitet aufgelöst und bereit ist, die Schauspielerin für dieses Bild aber nicht gekommen ist. Da Sibel mittlerweile ihren Schönheitsschlaf macht, wollen wir Ralf ins rote Kleid stecken. Als uns auffällt, dass das Seil mit dem hängenden Ralf keine rechte Spannung aufbaut, muss Nadine ins rote Kleid steigen und doubelt für diese Szene die fehlende Darstellerin, mal wieder. Da wir alle mittlerweile ganz geblendet sind vom Gegenlicht, das Moritz setzt, um das Gesicht unkenntlich zu lassen, gelingt es Beleuchter Stefan O. sich unbemerkt davon zu schleichen.
Montag, 17. März; Drehbeginn: 13:00 - Drehschluss: 2:00h
Höhepunkt: Beim Dreh vor der Sparkasse in Mayen werde ich von einem Passanten um ein Autogramm gebeten. Auch wenn er mich zunächst für einen Tontechniker hält, und erst nach einer Korrektur der Tätigkeitsbeschreibung meinerseits auf diese famose Idee kommt, freue ich mich sehr. Während ich im Ruhm bade, fällt mir leider nicht auf, dass Joyce mit ihrem gebrochenen Fuß die waghalsige und überstürtzte Flucht aus der Bank nicht gut rüberbringt. Zu wenig wandlungsfähig! Nadine fällt das zwar auf, sagt aber nichts. Sie ist sauer, weil sie nie für einen Tontechniker gehalten wird.
Tiefpunkt: Wegen der ganzen Doubelei verwechselt Joyces Begleiterin Susi sich selbst mit Kamilla und gibt dieser ihre Handtasche mit. Als später auffällt dass darin Schlüssen, Handy und Überlebensföhn sind, muss kurz ein Drehstopp eingelegt werden. Wir beschließen schnell, die Handtasche zu doublen, Moritz setzt Gegenlicht und Jenny schmuggelt in einem unbemerkten Moment einen Stein ähnlicher Größe in Susis Hand. Alle sind glücklich, der Drehtag endet gut.
Dienstag, 18. März; Drehbeginn: 09:00 - Drehschluss: 2:00h
Höhepunkt: Sibel wird aufgehängt. Da wir noch Marilyns Füße filmen müssen, Joyce’s Fuß aber gerade unpässlich ist, wird Sibel in die Harnes-Weste gehangen. Sie freut sich so sehr darüber, dass sie die vier Tage frieren im Minirock und den verpassten Geburtstag ihres Freundes locker verzeiht. Christian Arndt ist auch wieder da. Außerdem Marco, Kamilla und Lea, es ist fast wie ein Klassentreffen. Nur, dass alle andere Frisuren haben. Obwohl das bei Klassentreffen ja auch vorkommt. Gut, dass wir die mit ihnen gemachten Nahaufnahmen direkt in den Anschluss der alten Szenen schneiden wollen. Nadine hat die Idee, dass wir den Film nur männlichem Publikum zeigen sollten, denen fallen Änderungen im Zusammenhang mit Haaren nämlich statistisch seltener auf.
Tiefpunkt: Um 2:00h ist alles vorbei. Wir fallen uns freudig in die Arme. Und doch endet “Ayuda” hier, zumindest für die meisten. Außer Nadine, Ralf und mir findet das zwar eigentlich niemand traurig, aber wir reden uns ein, dass die anderen das nur nicht so gut ausdrücken können. Die Sprechchöre “Nie wieder Ayuda!” deuten wir ebenfalls als Ausdruck des Bedauerns. Als dann um 2:07h die letzten Gäste das Abschlussfest verlassen, sitzen wir traurig aber auch sehr stolz auf einem Stuhl.
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24.3.2008 von Nadine.
April: Der Nachdreh, auch bekannt unter dem Pseudonym „Doubeln für Fortgeschrittene“, war ein großer Erfolg (nähere Informationen siehe nächster Blogeintrag). Da die Produktion von der Doubelei zu profitieren scheint, suchen wir jetzt noch dringend ein Double für unseren Komponisten (muss nicht musikalisch sein, Instrumentation wird gedoubelt) und unseren Cutter (Haare egal, denn es wird eine Mütze getragen)!
Mai: Aufgrund des Lochs, das Sebi seit Beendigung der Dreharbeiten verspürt, beginnt er eine neue kreative Betätigung. Er verfasst das lang geplante „Sammelband des Zitierens für alles“. Hier findet man unter anderem Zitate wie „Dies entspricht ganz meiner Meinung.“ und „Den Rest kann sich der Leser ja selbst erschließen.“ Außerdem natürlich noch: „Ayuda ist top!“ Alles Zitate von dem Sebastian Hilger. (Kann ich ein Autogramm haben?) Pro7 startet das erfolgversprechende Format „Germany’s next Double“, in dem sich unter anderem die Schauspielerin Rita W. als Double für eine Fallleinenspannerin mit Mimik bewirbt.
Juni: Nadine kommt zurück, na endlich! Manche haben nicht mal gemerkt, dass sie weg war, weil sie ja doch die ganze Zeit in Deutschland rum hing. Vielleicht sind ja noch ein paar der Brötchen vom Bäckereiwerbespot, den Footsteps produziert hat, übrig, denn Nadine hat immer Hunger. Frisch gestärkt könnte man sich an die Planung eines kleinen aber feinen Kurzfilms für den Sommer machen. Oder aber mit den ersten PR-Aktionen für Ayuda beginnen, zum Beispiel bei einer der gefragtesten und bemerkenswertesten Zeitungen Europas, der Kölnischen Rundschau.
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