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12.3.2008 von Nadine.
Milton, der Teufel aus “The Devil’s Advocat”, (den nehme ich mal, weil er mein Lieblingsteufel ist), hatte ganz schön viel Stress. Er hatte beschlossen, “Ayuda” zu verhindern. Warum? Wissen wir auch nicht so richtig. Weil eine der zwei Eigenschaften des Teufels ist, dass er böse ist. Und das mit ihrem Herzblut auf die Beine gestellte Erstlingsprojekt eines jungen Teams unbescholtener Filmemacher kam ihm da gerade Recht. Als der Nachdreh anstand, überlegte er sich, was er denn noch organisieren könnte, um uns unglücklich zu machen. Hehe, dachte Milton und lachte garstig, wie wäre es, wenn ihr Hauptdarsteller zwei Wochen vor dem Dreh absagen würde? Upsi, das hab ich ja schon mal organisiert. Na gut, was wäre, wenn ihre Kamera zwei Tage vor dem Dreh kaputt ginge? Ypsilanti, hab ich ja auch schon mal ausprobiert. Milton war ganz schön aufgeschmissen, denn es gibt ja eigentlich nichts Schlimmeres als einen Hauptdarsteller, der einem zwei Wochen vor dem Dreh absagt oder einer Kamera, die zwei Tage vor dem Dreh kaputt geht. Aber für den Nachdreh hatte Milton eine neue Chance.
Erstmal organisierte er, dass unsere Marilyn und Emily beide Hauptrollen in täglich ausgestrahlten Serien bekamen. Er freute sich, denn so wurde es zu einem Ding der Unmöglichkeit, fünf Drehtage zu finden, an denen wir den Film vollenden konnten, da beide nur an den Wochenenden frei hatten. Und Marilyn und Emily an zwei Tagen abzudrehen, das würde nicht mal Gott schaffen. Als die Marilyn sich dann jedoch bereit erklärte, ihren einzigen Jahresurlaub für „Ayuda“ zu opfern, sodass sie auch unter der Woche drehen konnte, wurde Milton stinksauer im Angesicht von soviel Nächstenliebe. Begeistert von dem einzigen Termin, den wir nach Monaten finden konnten, machten wir uns an die Vorbereitungen. Und Milton zürnte. Das machte sich auch an der Kälte, die plötzlich mitten im Frühling herrschte, bemerkbar. Schnee. Ein Geistesblitz. Der kleine Nicholas könnte ausgeschaltet werden. Und so kam es, dass selbst der kleine Junge, der kein Schauspieler war, und eigentlich immer Zeit hatte, plötzlich einen Sperrtermin hatte. Er fuhr nämlich in den Skiurlaub. Logischerweise, genau an dem Tag, an dem wir ihn dringend brauchten. Und Emily und Nicholas abzudrehen, ohne dass sie einen gemeinsamen Drehtag hatten, das würde nicht mal Gott schaffen. Harr harr harr! Als der kleine Nicholas sich jedoch bereit erklärte, einen Drehtag auf sich zu nehmen, der morgens um 9 beginnen und nachts um 2 enden würde, wobei er direkt vom Set aus in den Urlaub fahren würde, wurde Milton stinksauer in Anbetracht solcher Nächstenliebe. Nichts schien dieses unverbesserliche Team unbescholtener Filmemacher aufhalten zu können. Einem erfolgreichen Nachdreh stand plötzlich nichts mehr im Wege. Milton konnte es nicht mehr sehen, wie es ihnen gelang, die Termine der Crew unter einen Hut zu bekommen, wie sie auf der Suche nach Motiven auf immer schönere Locations stießen und wie sie Boom-chakalaka tanzten. Es gab nur noch eine Möglichkeit: Das einzige, was nämlich schlimmer ist als ein fehlender Hauptdarsteller und eine kaputte Kamera ist eine Hauptdarstellerin, die sich den Fuß gebrochen hat. Das einzige, was noch schlimmer ist als eine Hauptdarstellerin, die sich den Fuß gebrochen hat, ist eine Hauptdarstellerin, die sich nur den Fuß gebrochen hat, weil ihr jemand auf den Fuß getreten ist. Das einzige, was noch schlimmer ist als eine Hauptdarstellerin, die sich nur den Fuß gebrochen hat, weil ihr jemand auf den Fuß getreten ist, ist eine Hauptdarstellerin, die sich den Fuß gebrochen hat, allerdings nur noch Szenen zu drehen hat, in denen sie durch das Bild laufen muss.
Es war der perfekte Plan und ja, er könnte wirklich alles zunichte machen. Denn ob wir das schaffen würden? Die Motoren ein drittes Mal anzuschmeißen und uns selber zu motivieren? Die Leute noch einmal zusammen zu kriegen? Die weiteren Kosten zu tragen? Ich habe Zweifel. Und ja, selbst wenn wir es hinkriegen würden, unseren Film zu vollenden, er würde leiden darunter, dessen bin ich mir sicher. Momentan sieht es so aus, als hätten wir Glück. Dass der Arzt Joyce wohl erlauben wird zu drehen und dass Joyce die Anstrengung auf sich nehmen wird und trotz dieser heftigen Situation mit uns drehen will und dass wir mit Sibel für die Totalen ein Double gefunden haben, das Joyce irgendwie wie aus dem Gesicht geschnitten ist. Und wir alle sind wohl wieder mal ein bisschen näher zusammen gerückt in der Woche voller Angst und Ungewissheit, wir haben unser Ziel wieder klar vor Augen und jeder Motivationsschwund ist verflogen. Aber so ganz will man der Sache noch nicht trauen. Man weiß nie, ob Milton nicht noch ein Ass im Ärmel hat, auch wenn er in „The Devil’s Advocat“ sagt, er sei Humanist. Vielleicht der letzte.![]()
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29.2.2008 von Sebastian.
“Bescheidenheit ist eine Tugend. -Meine!”
Und so sieht es hier im Moment hier bei uns aus. Die Sparkasse ruft “Juchee!” wenn wir ankündigen einen Raubüberfall inszenieren zu wollen. Die Polizei sei ja direkt gegenüber und deshalb habe man keine Angst, erwidert die freundliche Filialleiterinnenstimme in amüsiertem Tonfall. Ich bin enttäuscht, dass die Filiale in einer Fußgängerzone liegt und wir deshalb den Fluchtwagen nur im Schritttempo wegfahren lassen können.
“Ja stimmt! Die Pokerchips sind wirklich hässlich. Kauft ein paar schöne, ich bezahl sie euch!” antwortet der freundliche Spielhöllenbesitzer, dessen kaum genutzte Pokertische natürlich von uns genutzt werden dürfen, auf mein enttäuschtes Geräusch, als er mir die Pokerchips des Hauses zeigt. Dann schaltet er das Licht aus, nicht ohne zu bemerken, dass wir das Kabel von seinem Starkstromanschluss zu unseren energiehungrigen Lampen ruhig mitten durch den Laden legen können, seine Kunden seien so was gewöhnt.
Unser freundlicher Filmmaterialhändler macht uns das zweitbeste Angebot, das Studenten je bekommen haben, ein bisschen enttäuscht erkenne ich zwar, dass wir das beste ja schon im Sommer bekommen haben, aber das wäre ja sicher noch zu toppen gewesen. Als Wiedergutmachung will er deshalb ein gutes Wort beim Kopierwerk für uns einlegen.
Ich hoffe sehr, dass die nächste Woche etwas besser läuft. Immerhin bin ich im Dunkeln gegen einen Spielautomaten gestoßen. Das hat wehgetan. Gut, habe damit den Jackpot geknackt, aber wie gesagt: Nächste Woche wird bestimmt wieder besser!
Das Tontier- nicht zu verwechseln mit dem Tonmenschen. Ebenfalls bescheiden!
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18.2.2008 von Nadine.
Leider war good old Jerry nicht auf der Berlinale, das bedeutet , es wird wohl doch nichts mit den Millionen für Ayuda. Dafür war aber P.T. Anderson in Berlin. Sebi und ich dürfen ihn jetzt P.T. nennen. Er wollte die ganze Zeit mit uns rumhängen. Beweisfoto, dass wir mit P.T. rumhingen: (P.T. hat das Foto gemacht.)
Wie ihr seht, war Sebi schon ganz schön kaputt. Vielleicht ist er genervt von mir. Er hat wirklich jeden Morgen rumgequengelt, wenn ich Karten holen gehen wollte. Wenn wir nicht um halb 8 in der Schlange standen, haben wir nämlich nur die übrig gebliebenen Karten bekommen und dann kam es dazu, dass wir z.B. in dem Film “Asyl: Park and Love Hotel” saßen. Dann hat Sebi wieder gequengelt, weil der langweilig war.
Vielleicht guckt er aber auch so, weil er sich Sorgen macht, wenn er auf der nächsten Berlinale Ayuda vorstellen soll. Die Berlinale ist nämlich very internäschonell und Sebi möchte nicht wie der einzige deutsche Kurzfilmregisseur im Kurzfilmwettbewerb enden, der sagte: “My English is poor.” und “I think, ich werde bald mein nächstes Projekt starten.” Die einzige Möglichkeit, Englisch zu umgehen, ist, Mandarin zu lernen. Um zu zeigen, wie internäschonell wir hier sind, haben die Veranstalter nämlich sämtliche Filme, die im letzten Jahr von den Mandarinen gedreht wurden, eingeladen.
Die letzte Möglichkeit ist schließlich, dass Sebi ein bisschen erschöpft ist, weil er sich getraut hat, den Direktor der Hofer Filmtage anzusprechen. Ich hab zwar gesagt, wir müssen unbedingt mit dem reden, hab mich aber natürlich nicht getraut, weil wir nicht mal wussten, ob er das wirklich ist. Er zeichnete sich dadurch aus, dass er die German Filmreihe moderierte, kompetent und selbstsicher auftrat und jeden kannte, der im letzten Jahr einen Film gedreht hat. Shakernd mit Fatih Akin und flirtend mit Nicolette Krebitz kam er aus dem Kinosaal, da hat Sebi ihn einfach mal gefragt, ob das Gerücht stimmte, dass er der Chef der Hofer Filmtage sei. Hihi. Das Eis war gebrochen und wir waren charmant wie eh und je. Auf jeden Fall konnten wir Herrn Badewitz jetzt schon mal eine Trailer DVD von Ayuda geben, damit er sich an uns erinnert, wenn wir im Herbst unseren Film einsenden. P.T. klopfte uns stolz auf die Schulter.
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5.2.2008 von Sebastian.
Heute war eigentlich ein ziemlich guter Tag. Nachdem ich heute morgen aufgestanden bin, habe ich alle Ayuda-Sachen erledigt, die sich in den letzten Tagen angestaut hatten. Und über Karneval können das mal eine ganze Menge sein. Es gibt zwar einige neue Probleme, aber auch die werden wir noch lösen können. Jaja, ihr merkt schon, dass ihr hier ganz offensichtlich ausgenutzt werdet. Blabla, uninteressantes Gelabere, das er da von sich gibt. Ja, ich gestehe, ich benutze euch heute: Denn bei allem Schaffen, das man so treibt, und all den Dingen die man endlich auf der endlosen Liste durchstreichen kann, fehlt doch eines: sozialer Kontakt. Einen Tag nur vor dem Bildschirm zu verbringen, hat manchmal und für manche seinen Reiz, mich macht es immer melancholisch. Und da Nadine, sozialer Kontakt, Melancholie-Blocker und engagierter Mitstreiter in einer Person am Montmartre sitzt, seid ihr es heute, die mir den Hauch von sozialer Nähe spenden müsst. Dabei seid ihr nicht mal schlecht darin. Denn ich sehe euch da schaffen und lesen, ihre treue Leserschaft. Die, die einem noch bleiben, an einem immer dunkler werdenden Abend, wie heute. Ach!
Ihr da alle, ich danke euch heute, für eure Treue, die ihr dem Blog schon seit so langer Zeit haltet, und dass obwohl die Qualität und auch die Quantität so schwanken. Und heute danke ich euch im besonderen auch für den sozialen Kontakt, den ihr mir heute gegeben habt. Bis bald, bin aufgeladen und muss weiter machen!
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31.1.2008 von Nadine.
Toll, wir sind auf der Startseite von jetzt.de. => Wir sind berühmt! Leider liest ausgerechnet heute niemand jetzt.de, weil alle beim Karneval sind. Da sag ich doch mal: Toppo! :o)
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25.1.2008 von Sebastian.
So langsam kommen die Motoren in Schwung, volle Kraft vorraus! Der Nachdreh naht…
Woran man das merkt?
‘An den vielen Blogeinträgen’ rufen die humanoiden Fans des Blogs, die gerade von ihrer wilden Demo zurückgekehrt sind. Während Bene noch ein paar Striche an der Zeichnung korrigiert, die er sich frisch ausgedruckt hat, um sie mit den entscheidenden Details zu ergänzen, übt Toni schonmal dieses berühmte Schnalzen, das zwar seitdem alle zu imitieren versuchen, es aber höchstens zu einem läpischen Zungenschnipsen bringen. Stefan hat derweil seiner Frau alle Blogeinträge als Hörbuch auf CD gebrannt, und verbringt die nun gewonnen freien Abende in diversen Stripclubs und begeistert die Mädels mit seinem Schraubenzieher aus der Seitentasche.
‘Daran, dass unsere Lieblingsschauspieler einen vollen Terminkalender haben, und nicht mehr ans Telefon gehen’ stöhnt Nadine auf französisch, während sie erneut versucht Jonas’ Skiurlaub, Katrins neue Hauptrolle und Joyces Engagement in München unter einen Hut zu bringen. Dass Nadine als Einzige keine Zeit hat und ihre geliebte Uni ausfallen lassen muss, wurde nicht berücksichtigt, da sie das ebenfalls auf französisch anmerkte. Und das versteht hier niemand.
‘Daran, dass Sebi mal wieder eine Erneuerung der Homepage will’ ruft Ralf aus Karlsruhe und verschlabbert dabei seinen Drivercocktail mit ganzen Fruchstücken. Zum Glück kann sein mittlerweile verbesserter Roboter innerhalb von 14,43 Sekunden einen neuen Cocktail mixen, den Schalter für den Aufzug verfehlt er allerdings um Haaresbreite, so dass Ralf nun zwei Cocktailpfützen aufwischen muss.
‘Nein!’ sage ich selbst, während ich einen selbstreflexiven Blogeintrag schreibe. Es sind die Träume, die mich seit gestern wieder jede Nacht begleiten. Ein Traum vom Dreh, unvorbereitet, ohne Essen, ohne Kamera, ohne Drehbuch, mit nörgelndem Team und das ganze kurz vor Sonnenuntergang. Ein Traum, den jeder Filmemacher kennt. Und der bis zum Dreh bleiben wird. Und der uns eigentlich nur eines sagen will: ‘Es geht wieder los!’
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25.1.2008 von Nadine.
Januar 2008: Nachdem die Namensstreitereien nun mehr oder weniger beigelegt wurden - ja, ja, so wie es aussieht, wird das Baby auch weiterhin Ayuda heißen - sind nun wohl alle Unklarheiten zwischen Sebi und Nadine beseitigt und Nadine kann sorglos nach Paris auswandern, um sich “kulturell zu bilden”. Sebi bleibt derweil in Köln zurück. Er hat eine Klage von J. Zimmermann am Hals, die besagt, dass der Blog dem Ansehen des Films schade. Vor J. Zimmermanns Appartment kommt es zu wilden Protesten treuer Blogleser (Bene, Toni und ein humanoider Roboter, der Aufzug fahren kann), die fordern, dass der Blog erhalten bleiben soll.
Februar: Auf der Berlinale sehen Sebi und Nadine Jerry Bruckheimer. Sie trauen sich nicht, ihn anzusprechen, doch Jerry kommt von selbst auf die beiden zu, da ihn sein spanischer Kumpel Carletto Darwin, dessen Blog er abends vor dem Einschlafen gerne liest, bereits für „Ayuda“ begeistert hat. Jerry will sich gerne des Projektes annehmen. Er hat ein paar kleinere Änderungsvorschläge, die er Sebi unter vier Augen unterbreiten will. Als Sebi während dieses Gesprächs den Kopf schüttelt, sieht Nadine von weitem, dass Jerry Sebi einen Koffer mit Geld zusteckt. Leider muss der Koffer in Berlin bleiben, weil Sebi sonst das erlaubte Höchstgewicht im Flieger überschreiten würde. Der Weihnachtsspeck ist noch nicht runter.
März: Während Nadine an der Seine ihre Februarferien genießt, hat Sebi eine wichtige Unterredung mit Moritz Kameramann. Jerry Bruckheimer möchte 1. eine Szene, in der ein Auto explodiert, integrieren – Moritz stimmt sofort zu und 2. Tom Cruise in der Rolle von Kilian besetzen – Moritz fragt, was das solle. Sebi sagt, dass Tom Cruise einen Imagewandel zum schüchternen Intellektuellen plane. Der für Ostern angesetzte Nachdreh fällt ins Wasser, weil bei Nadine erst im April Ostern ist.
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23.1.2008 von Sebastian.
Heute war ein guter Tag. Wir waren von Morgens bis Abends in Düsseldorf bei Aron, unserem Cutter. Wir haben tolle Szenen geschnitten, und tolle Szenen gesehen und uns toll verstanden und tolle Ideen gehabt. Von einer dieser Ideen möchte ich erzählen: Es ist die “Gruselzimmer-Idee”.
Beim Schneiden hat man ein Problem: eigentlich muss man den Film schneiden, und dann, wenn er fertig ist, herausfinden, was an welcher Stelle noch fehlt. Leider kann man den Film nie fertig schneiden, weil an einigen Stellen noch etwas fehlt, so fällt es auch schwer herauszufinden, was das ist, und an welchen Stellen.
So zum Beispiel bei der Musik. Da man beim Schnitt noch keine Musik hat (man findet ja erst raus, wo man welche braucht) kommt man nicht recht in die Stimmung, die man aber braucht, um sich für Musik zu entscheiden. Filmemacher und Cutter arbeiten deshalb seit jeher mit einem Trick, dem sogenannten “temp track”. Dieser besteht aus bereits bekannter Musik, die einfach mal drauf gelegt wird, um ein Gefühl für die Stimmung der Szene zu bekommen, nach der der Komponist dann seine Musik ausrichten kann. Die meisten Filmemacher verlieben sich recht schnell in ihre “TempTracks” und wollen ganz ähnliche Musik, oder direkt den “TempTrack” behalten. Und da wir großen Filmemachern in allen Bereichen nachstreben, sind auch wir in unseren “TempTrack” verliebt. Oder besser gesagt in ein Stück des Tracks, eben das, das die Szene im “Gruselzimmer” untermalt.
Es ist so ein Stück mit einem tollen Kinderchor und coolem Klavier. Da weder Nadine (Musikkennerin), noch ich (Gesangstalent) , noch Aron (generell schlau) das Stück oder den Chor kannten, war schnell klar: das muss ein kleinerer Schulchor sein, vielleicht eine nahe Grundschule, offenbar sogar in Deutschland, denn es gibt auch ein deutsches Lied von diesem Chor: Rammsteins “Engel”. Das wird leicht, dachte sich das aufstrebende Jungteam. Denn Grundschüler, die Rammstein hören, werden froh sein, ein Lied in unserem Film positionieren zu dürfen, und das gratis!
Mittlerweile haben wir herausgefunden, der Chor heißt “Scala”, die deutsche Grundschule wird von 60 Mädchen im Alter von 14-18 Jahren besucht und liegt in Belgien und sein Schulchor ist nebenbei der erfolgreichste Mädchenchor der Welt.
Naja, vielleicht sollten wir lieber Hans Zimmer fragen, ob er uns was für “Ayuda” schreibt, der spricht nämlich wenigstens deutsch.
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6.1.2008 von Sebastian.
1.Dinge, die mir gefallen, gefallen Nadine nicht.
2.Dinge, die Nadine gefallen, gibt es nicht.
3.Ralf ist entweder meiner Meinung, oder der von Nadine.
Wer nun die Frage nach Einigungsmöglichkeiten als “Dilemma” beschreiben würde, hat entweder einen Logikschein oder ist ein lügender Kretaer. Ich beschreibe sie lieber als tägliche Ausgangssituation in unserer Filmproduktion, die meistens dazu führt, dass Ralf genervt den Raum verlässt, Nadine weint, bis sie ihren Willen bekommt, oder der Regisseur mit einer pathetischen Rede die Situation zu retten versucht. Nichts davon hat jemals wirklich zur Lösung eines Problems beigetragen. Und so sind wir uns wiedermal in nichts einig. Angefangen vom Drehtermin bis hin zum Abspannlied.
Nicht müde werdend versuche ich dennoch die drei Triolanten im Triell zu versöhnen und die Variablen der Trinomischen Gleichung aufzulösen.
Dieser Umstand führt also dazu, dass einige Fragen, die wegen o.g. Unmöglichkeit der Klärung zunächst verschoben wurden; stets in der Hoffnung, dass entweder jemand von uns stirbt und damit die Logikfalle entschärft werden könnte (wahrscheinlich) oder sich doch jemand der Meinung der anderen anschließt (unwahrscheinlich).
Aktuell stellt sich da gerade die völlig überbewertete Frage des Filmtitels. Während der ganz frühen Vorbereitung kam es nämlich zu einer Besonderheit, einer kleinen pragmatisch orientierten Umgehung des Dilemmas, ohne die wir wohl nie hätten beginnen können, die ihre Auswirkungen nun aber deutlicher denn je zeigt. Ralf und ich hatten in einem unbeobachteten Moment einen Schriftzug mit dem Inhalt “Ayuda” ins Spiel gebracht. Und so hieß der Film dann auch. “Ayuda”. Ganz schnell, ganz einfach, das war dann halt so. Und Nadine weinte lange.
Nun sind die Diskussionen hitzig, die Temperatur steigt. Die Positionen stellen sich wie folgt dar:
Der Arbeitstitel des Film ist “Ayuda”.
a) Ich möchte entweder “Ayuda” als Titel (a1),
oder einen Titel, der besonders lang ist (mindestens 4 Wörter) (a2).
b) Nadine möchte,
wenn a1), dann einen Titel, in dem “Ayuda” nicht vorkommt. (b1)
wenn a2), dann einen Titel, der nicht so besonders lang ist. (b2)
c) Ralf möchte entweder (a1 und a2) oder (b1 und b2) oder beides oder nichts davon.
Recht knifflig, will man meinen. Aber dank meiner logischen Grundausbildung war es mir ein Leichtes das Rätsel zu lösen. Noch besser: Dem ersten von euch, der eine Lösung für das Problem findet, winkt als Belohnung eine Top-Trailer-DVD.
Also, Hirne einschalten und loslogiken!
Achja, ich überlege, ob es nicht vielleicht klüger wäre den Film “Dem Film, der als erster alle Kritiker weltweit überzeugen konnte” zu nennen, dann können wir wenigstens beim nächsten Film draufschreiben:
“Von den Machern von ‘dem Film, der als erster alle Kritiker weltweit überzeugen konnte’”
Aber ob sich das logisch vereinbaren ließe, wage ich noch zu bezweifeln.
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26.12.2007 von Nadine.
Hier, an dieser Stelle, wird bald der neueste Blogeintrag von Sebastian E.A. Hilger zu lesen sein. Mit tollen und interessanten Infos zum Stand des Films, den heißesten News aus Sebastians sexy Leben und einer gehörigen Prise schlechtem Humor, wie wir es von ihm kennen und lieben. Ein Blogeintrag, der es mit den ganz Großen aufnehmen kann, ein Blogeintrag anknüpfend an die Vorzeigeschilder dieses Blogs, rührender als “Schwere Entscheidungen”, antithetischer als “Von guten und von bösen Kopierwerksbesitzern” und abgefakter als “Fakten, Fakten, Fakten”, und vor allem bescheiden. Lieber Sebastian, wir freuen uns schon!
Und nein, wir setzen unsere Mitarbeiter nicht unter Druck.
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